
16 Milliarden Euro: DB kalkuliert Brenner-Zulauf mit Rekordpuffer
Für eines der größten Bahnprojekte Bayerns stehen astronomische Summen im Raum. Die Deutsche Bahn kalkuliert die Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel, von München bis zur österreichischen Grenze, mit Gesamtkosten von bis zu 16 Milliarden Euro. Davon entfallen 8,57 Milliarden Euro auf Planung und Bau. Knapp 7,6 Milliarden Euro sind als Risikopuffer vorgesehen.
Ein Puffer fast so groß wie die Baukosten selbst
Die Zahlen sind bemerkenswert. Der Risikoaufschlag entspricht fast der Höhe der eigentlichen Projektkosten. Das ist ungewöhnlich, selbst für Großprojekte im deutschen Bahnbau. Die Projektleitung begründet die hohe Reserve mit der Komplexität des Vorhabens und den Erfahrungen aus anderen Bauprojekten.
Großbauprojekte werden in Deutschland regelmäßig teurer als geplant, wie Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen BER zeigen. Die Verantwortlichen betonen: Der Puffer soll nicht vollständig ausgegeben werden.
Brennerbasistunnel: Eröffnung für 2032 geplant
Der Brennerbasistunnel verbindet Österreich und Italien unter den Alpen. Er ist ein zentrales Infrastrukturprojekt der europäischen Schienenachse von München nach Verona. Die Eröffnung ist für 2032 geplant.
Ohne eine leistungsfähige Zulaufstrecke auf bayerischer Seite kann der Tunnel sein volles Potenzial nicht entfalten. Die Strecke von München bis zur Grenze muss modernisiert und ausgebaut werden. Sie ist das Nadelöhr im gesamten Korridor.
Bedeutung für den Güterverkehr
Der Alpentransit über den Brenner ist eine der wichtigsten Frachtrouten zwischen Mittel- und Südeuropa. Eine ausgebaute Schienenverbindung soll Lkw-Fahrten durch die Alpen reduzieren. Das ist erklärtes Ziel der deutschen und der europäischen Verkehrspolitik.
Bayerische Bauwirtschaft als Profiteur
Für die bayerische Bauwirtschaft bedeutet das Projekt eine erhebliche Auftragsperspektive. Milliardenschwere Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung vergeben Aufträge über viele Jahre an regionale und überregionale Baufirmen. Planungsbüros, Tunnelbauer und Tiefbauunternehmen dürften profitieren.
Kritik an der Planungskultur
Die enormen Risikoaufschläge werfen Fragen auf. Warum sind Kostenschätzungen bei Großprojekten so unzuverlässig, dass ein Puffer in nahezu gleicher Höhe wie die Baukosten nötig wird? Als Ursachen genannt werden steigende Materialpreise, lange Bauzeiten, aufwendige Genehmigungsverfahren und politische Eingriffe in Planungsprozesse.
Der Bundesrechnungshof hat die Kostentransparenz bei Bahnprojekten wiederholt kritisiert. Auch beim Brenner-Nordzulauf werden Parlament und Öffentlichkeit die Zahlen genau verfolgen.
Ambitioniertes Projekt mit offenem Preisschild
Die Kalkulation mit einem fast gleichhohen Risikopuffer zeigt, wie schwer verlässliche Kostenschätzungen bei solchen Vorhaben sind. Ob die 7,6 Milliarden Euro tatsächlich nicht vollständig gebraucht werden, wie die Bahn betont, wird sich erst während der Bauphase zeigen. Das Risiko trägt der Steuerzahler.

