Politik

Aiwanger will Rehwildbejagung ohne Abschussplan – Wirtschaftsministerium liefert Details

In Bayern werden jedes Jahr mehr als 200.000 Rehe erlegt. Die Regeln für diese Jagd sind seit über 20 Jahren ein Streitthema. Jetzt steht eine grundlegende Wende bevor.

Der bayerische Jagdminister Hubert Aiwanger drängt auf eine schnelle Reform. Sein Ziel ist klar: Mehr Eigenverantwortung für die Jäger vor Ort. Die staatliche Abschussplanung für Rehwild soll nicht mehr verpflichtend sein.

Konkret bedeutet das: Jagdgenossenschaften können bald selbst entscheiden. In ihrer nächsten Versammlung reicht ein Beschluss aus. Sie müssen nur die Untere Jagdbehörde informieren. Eine langwierige Genehmigung ist nicht mehr nötig.

Das Wirtschaftsministerium hat ein Faktenblatt veröffentlicht. Es zeigt den Jagdgenossenschaften konkrete Schritte auf. Die Gesetzesvorlage geht nun in die Ausschüsse des Landtags. Aiwanger betont: „Nach 20 Jahren Diskussion müssen wir jetzt handeln.“ Die neue Regelung soll zum 1. April starten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jagdminister Hubert Aiwanger plant eine große Reform der Rehwildbejagung in Bayern.
  • Jagdgenossenschaften können künftig auf einen behördlichen Abschussplan verzichten.
  • Ein einfacher Beschluss in der Genossenschaftssitzung und eine Mitteilung an die Behörde genügen.
  • Die Novelle des Jagdgesetzes soll zum Start der Jagdsaison am 1. April in Kraft treten.
  • Die Reform verlagert Verantwortung direkt zu den Jägern und Grundbesitzern.
  • Nach zwei Jahrzehnten der Debatte werden nun konkrete Maßnahmen umgesetzt.
  • Die Änderungen haben große Auswirkungen auf Waldbau und Naturschutz im Freistaat.

Aiwanger will Rehwildbejagung ohne Abschussplan: Hintergründe & Neuerungen

Ein Modellversuch in einer BJV-Kreisgruppe hat gezeigt, dass Rehwildbejagung auch ohne behördliche Abschussplanung sehr gut funktionieren kann. Alle Beteiligten waren mit dem Ergebnis zufrieden.

Impulse im revidierten Jagdgesetz

Die Erfahrung aus diesem Pilotprojekt ist die Grundlage für die Reform. Hubert Aiwanger sieht darin ein attraktives staatliches Angebot.

Das System funktioniert mit Anreizen. In „grünen Gebieten“ mit niedrigem Wildverbiss entfällt die behördliche Abschussplanung. In „roten Gebieten“ mit hohem Verbiss an jungen Bäumen ist ein verbindliches Jagdkonzept nötig.

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Lokale Konzepte und forstwirtschaftliche Maßnahmen

Für die Abstimmung vor Ort gibt es ein neues Instrument: öffentliche Waldbegänge. Hier besprechen Jäger und Waldbesitzer gemeinsam die Maßnahmen.

Die nächste große Bewertung erfolgt 2027 mit dem forstlichen Gutachten. Ab 2030 müssen dann Nachweise über die tatsächlichen Abschüsse erbracht werden.

Die Philosophie ist klar: Mehr Eigenverantwortung vor Ort, weniger staatliche Vorgaben. Das Jagdrecht soll am Boden haften.

Gebietstyp Kriterium Konsequenz für Jäger Zeitplan
Grünes Gebiet Kein übermäßiger Verbiss laut Gutachten Befreiung von der behördlichen Abschussplanung Beschluss der Jagdgenossenschaft reicht aus
Rotes Gebiet Forstgutachten stellt hohen Wildverbiss fest Verbindliches, gemeinsames Jagdkonzept erforderlich Maßnahmen müssen sofort umgesetzt werden
Alle Gebiete Öffentliche Waldbegänge zur Abstimmung Kein Protokollzwang, Teilnahme aller möglich Ab sofort möglich

Wirtschaftliche und forstwirtschaftliche Perspektiven

Der bayerische Jagdminister sieht in der Jagd einen bedeutenden Wirtschaftsmotor, der bisher unterschätzt wurde. Hubert Aiwanger betont die gesamte Wertschöpfungskette.

Diese reicht von der Herstellung von Jagdausrüstung über die Wildbretgewinnung bis hin zu den Pachteinnahmen. Es geht um viel mehr als ein Hobby.

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Waldpflege und Herausforderungen im Klimawandel

Der Klimawandel verändert die Bedingungen grundlegend. Die Vegetation beginnt immer früher.

Wälder tragen schon Anfang Mai dichtes Laub. Das bietet Rehen mehr Deckung und macht die Jagd schwieriger. Ein früherer Jagdstart ab 16. April ist eine Antwort.

Rehe fressen besonders gern die Triebe junger Buchen, Eichen und Tannen. Genau diese Baumarten brauchst du für stabile Mischwälder.

Ohne ausreichende Bejagung haben diese jungen Bäume keine Chance. Ein hoher Wildverbiss gefährdet den Waldumbau.

Ein ganzheitlicher Ansatz ist nötig. Stress für das Wild durch falsche Bejagung kann den Verbiss sogar erhöhen. Sanftes Wildtiermanagement wird immer wichtiger.

Auswirkungen auf Jäger, Waldbesitzer und regionale Betriebe

Für Jäger eröffnen sich neue Perspektiven. Eine Ausbildung zum Jagdwirt nach österreichischem Vorbild ist geplant.

Die Wildbretvermarktung soll verbessert werden. Private Jäger könnten Zugang zu den Vermarktungseinrichtungen der Bayerischen Staatsforsten erhalten.

Diese sind bewusst im Wirtschaftsministerium angesiedelt. Das Ziel ist die wirtschaftliche Nutzung des Waldes für Bauholz und Energie.

Das bewährte Revierjagdsystem bleibt erhalten. Nur großräumige Konzepte ermöglichen sinnvolles Bestandsmanagement und Ruhezonen für das Wild.

Motorsäge und Büchse sind gleichermaßen wichtige Werkzeuge. Erfolgreicher Waldbau braucht beides: waldbauliche Maßnahmen für Licht und eine angepasste Bejagung.

Reaktionen aus der Jägerschaft und politischen Landschaft

Während die Politik auf mehr Eigenverantwortung setzt, melden sich kritische Stimmen aus der Praxis. Das Thema spaltet die Lager.

Meinungen der Jagdcommunity und Verbände

Der Bayerische Jagdverband lehnt die Apriljagd strikt ab. Vorsitzender Ernst Weidenbusch konnte sich nicht durchsetzen.

Jagdminister Hubert Aiwanger hat trotzdem einen guten Kontakt zum BJV. Er hält den Verband für unverzichtbar.

Ganz anders sieht es der Bund Naturschutz. Die Organisation kritisiert die Pläne scharf.

Für den Bund Naturschutz bleibt die behördliche Planung ein wichtiges Instrument. Ehrenvorsitzender Hubert Weiger wird deutlich.

Er vergleicht die Reform mit dem Abbau einer Ampel an einer unfallträchtigen Kreuzung. Der Wald brauche mehr Kontrolle, nicht weniger.

Experten vermuten zudem „Postkartenabschüsse“. Gemeldete und tatsächliche Abschüsse stimmen oft nicht überein.

Gruppe/Person Position zur Reform Hauptargument
Bayerischer Jagdverband (BJV) Ablehnend (gegen Apriljagd) Setzte sich politisch nicht durch, hat aber weiterhin engen Kontakt zum Minister.
Bund Naturschutz (BN) Starke Ablehnung Behördliche Abschussplanung ist essenziell für den Walderhalt. Reform bedeutet Kontrollverlust.
Forstexperte Alfons Leitenbacher Gewisser Fortschritt Bisheriger Stillstand wird beendet. Erfolg hängt vom Engagement der Jagdgenossenschaften ab.

Stimmen aus Ministerien und politisches Gegenüber

In der Politik gab es Spannungen. Ministerpräsident Markus Söder musste vermitteln.

CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek zog Kritiker auf Linie. Die Koalitionspartner konkurrieren um die Gunst der Jäger und Waldbauern.

Die Freien Wähler sind diesen Gruppen sehr nah. Im Interview mit der Pirsch betonte Hubert Aiwanger die Notwendigkeit der Reform.

Die Grünen können Expertenanhörungen verlangen. Änderungen setzen sie kaum durch, ähnlich wie beim Wassergesetz 2025.

Die Zahlen zeigen den Handlungsdruck. In der letzten Saison wurden über 300.000 Rehe erlegt.

Weitere 53.000 starben bei Wildunfällen. In der Hälfte aller Gebieten sind Verbissschäden gravierend.

Forstexperte Leitenbacher sieht in der Reform laut der Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums eine Chance. Die bisherige Planung brachte jahrzehntelangen Stillstand.

Er fordert aber weitergehende Maßnahmen. Die Jagd muss effektiver werden.

Schlussgedanken und Ausblick

Die geplante Jagdreform in Bayern steht vor der entscheidenden parlamentarischen Hürde. Der Gesetzentwurf durchläuft jetzt die Ausschüsse des Landtags. Ziel ist die Verabschiedung zum Start der Jagdsaison am 1. April.

Für das Rehwild entfällt künftig der verpflichtende behördliche Abschussplan. Die staatliche Abschussplanung wird damit überflüssig. Ab 2030 sind jedoch Nachweise über die tatsächlichen Abschüsse vorgeschrieben.

Dauerhafter Jagddruck kann dazu führen, dass Rehe im Winter im Waldbestand bleiben. Dort verursachen sie dann verstärkten Verbiss an der natürlichen Verjüngung. Jagdgenossenschaften in den verschiedenen Gebieten sind nun gefordert, aktiv zu werden.

Du hast in diesem Artikel alle wesentlichen Informationen zur geplanten Änderung erhalten. Wie im Interview mit der Pirsch betont wurde, muss nun gehandelt werden. Die Details der Reform findest du auch in der Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums und in einem Bericht von Topagrar.

FAQ

Was bedeutet die geplante Änderung im bayerischen Jagdrecht konkret?

Konkret plant Jagdminister Hubert Aiwanger, die verbindliche Abschussplanung für Rehe in vielen Gebieten abzuschaffen. Stattdessen sollen Jäger und Jagdgenossenschaften vor Ort eigenverantwortlich über die notwendige Bejagung entscheiden, um den Verbiss an jungen Bäumen zu reduzieren. Dies ist ein zentraler Punkt der Novelle.

Warum wird der Abschussplan als Instrument infrage gestellt?

Das Wirtschaftsministerium argumentiert, dass starre Vorgaben oft nicht zu den lokalen Gegebenheiten passen. Die neue Regelung zielt auf mehr Flexibilität ab. Jäger sollen besser auf die konkrete Situation im Wald, wie den Zustand der Naturverjüngung, reagieren können, um die Waldpflege zu unterstützen.

Welche Reaktionen gibt es aus den Reihen der Jäger?

Die Meinungen in der Jagdcommunity sind gespalten. Viele begrüßen den Zuwachs an Eigenverantwortung und Vertrauen. Verbände wie der Bund Naturschutz kritisieren jedoch, dass ohne klare staatliche Vorgaben das Ziel eines waldfreundlichen Wildbestands gefährdet sein könnte.

Welchen Einfluss hat diese Reform auf den Waldumbau?

Ein gesunder Mischwald ist vital für den Klimawandel. Zu viele Rehe fressen junge Laubbäume und behindern so die natürliche Verjüngung. Die Reform soll Jäger motivieren, den Wilddruck gezielt zu mindern und so forstwirtschaftliche Maßnahmen zum Erfolg zu führen.

Betrifft die neue Regelung alle Waldgebiete in Bayern?

Nein, der Vorschlag sieht vor, dass in bestimmten Problemzonen mit sehr starkem Verbiss weiterhin behördliche Abschusspläne vorgeschrieben bleiben können. In vielen anderen Revieren soll jedoch auf dieses Instrument verzichtet werden, wie aus dem Ministerium verlautet.

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