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Aktienbrauerei Kaufbeuren: 718 Jahre alt, jetzt insolvent

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

718 Jahre Braugeschichte, und nun das: Die Aktienbrauerei Kaufbeuren kämpft ums Überleben. Das Unternehmen aus dem Allgäu meldete Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der Brauereibetrieb soll fortgeführt werden. Doch der Preis ist hoch: Mehr als jede zweite Stelle fällt weg.

Insolvenz nach mehr als sieben Jahrhunderten

Die Aktienbrauerei Kaufbeuren gehört zu den ältesten Brauereien Deutschlands. Gegründet vor mehr als 700 Jahren, hat das Unternehmen Kriege, Wirtschaftskrisen und gesellschaftliche Umbrüche überstanden. Jetzt bringen sinkende Absatzzahlen, hohe Energiekosten und verändertes Konsumverhalten das Unternehmen an seine Grenzen.

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensführung im Amt und saniert den Betrieb unter Aufsicht eines Sachwalters. Ziel ist die Fortführung, nicht die Abwicklung.

Der Standort in Kaufbeuren soll erhalten bleiben. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten wird das Unternehmen aber verlassen müssen. Konkrete Stellenzahlen nannte das Unternehmen bislang nicht öffentlich.

Ein strukturelles Problem der Branche

Kaufbeuren ist kein Einzelfall. Der Bierkonsum geht bundesweit zurück. Der Trend zu weniger Alkohol und veränderten Freizeitgewohnheiten macht sich bemerkbar, dazu kommen gestiegene Energiepreise, die den Brauprozess verteuern.

Kleine und mittelgroße Brauereien trifft das besonders hart. Sie haben weniger Rücklagen als Großkonzerne, können beim Einkauf keine Skaleneffekte nutzen und Preiserhöhungen am Markt schwerer durchsetzen.

In Bayern gibt es laut dem Verband Private Brauereien rund 400 inhaber- und familiengeführte Brauereien. Auch hier geht der Pro-Kopf-Konsum von Bier zurück. Brauereien im Nürnberger Land setzen bereits auf alkoholfreies Bier als Wachstumsfeld. Ob das reicht, bleibt offen.

Hoffnung auf Neustart

Trotz der Lage gibt es Signale, dass die Aktienbrauerei Kaufbeuren weitermachen will. Die Wahl der Eigenverwaltung zeigt, dass das Management an eine Zukunft des Unternehmens glaubt.

Ähnliche Verfahren sind schon geglückt: Die Rosenbrauerei Pößneck, 160 Jahre alt, wurde nach einem Insolvenzverfahren erfolgreich gerettet. Voraussetzung ist aber ein klarer Sanierungsplan und ein Investor oder Käufer mit langem Atem.

Die Marke Aktienbrauerei Kaufbeuren hat regionale Bekanntheit und eine loyale Stammkundschaft, was in Verhandlungen mit Investoren ein Vorteil sein kann.

Was die Krise für Bayern bedeutet

Bayern hat ein besonderes Verhältnis zu seinen Brauereien. Sie sind Teil der regionalen Identität, des Tourismus und der Wirtschaft. Schließen solche Betriebe, trifft das Mitarbeiter und Eigentümer, schwächt aber auch das kulturelle Erbe ganzer Regionen.

Nahezu jede bayerische Region hat ihre eigene Braustätte. Fallen Brauereien weg, fehlt ein Stück regionaler Wirtschaftsstruktur: Sie vergeben Aufträge an lokale Landwirte, Handwerker und Logistikunternehmen.

Konkrete Hilfsprogramme für Brauereien gibt es auf Landesebene bislang nicht. Der Markt entscheidet.

Fazit

Der Fall Kaufbeuren zeigt, wie verletzlich selbst jahrhundertealte Unternehmen sind. Hohe Kosten, sinkende Nachfrage und fehlende Rücklagen können Betriebe auch nach 718 Jahren in die Knie zwingen. Der Brauereibetrieb läuft weiter. Ob er dauerhaft überlebt, entscheidet sich in den kommenden Monaten.

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