Agrar

Artenvielfalt statt Maximalertrag: Biobäuerin setzt Zeichen

Barbara Schedlbauer macht auf ihrem kleinen Biohof in Bayern vieles anders als die meisten ihrer Kollegen. Der Schutz der Artenvielfalt steht bei ihr an erster Stelle. Ertragssteigerung ist nicht das Ziel. Diese Haltung macht die Biobäuerin zu einem Vorbild in einer Branche, die unter enormem wirtschaftlichen Druck steht.

Artenvielfalt als Betriebsprinzip

Auf vielen bayerischen Höfen zählen Hektarerträge und Kosteneffizienz. Bei Schedlbauer gilt ein anderer Maßstab. Blühflächen, naturnahe Bewirtschaftung und der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel prägen den Alltag. Ihr Ansatz hat einen konkreten Hintergrund: Der Rückgang von Insekten und Wildpflanzen ist in Bayern messbar.

Das Volksbegehren Artenvielfalt, das 2019 eine breite öffentliche Debatte in Bayern auslöste, hat das Thema in die Mitte der Gesellschaft gebracht. Mehr als eine Million Menschen unterzeichneten damals die Initiative. Der politische Druck blieb. Die Umsetzung der Maßnahmen verlief jedoch schleppend. Umweltschützer kritisierten die Bilanz der Landesregierung wiederholt als unzureichend.

Kleine Höfe als Modell für die Fläche

Schedlbauer ist nicht allein mit ihrem Ansatz. In Bayern setzen mehrere Bäuerinnen auf ähnliche Konzepte. Katharina Mühlbauer etwa führt bei Landshut einen Biohof. Die 26-Jährige übernahm den elterlichen Schweinehof und stellte ihn komplett um. Anna Ostermeier vom Hasenberghof betreibt einen Hofladen und klärt mit einem Kochbuch über nachhaltige Landwirtschaft auf.

Diese Beispiele zeigen: Die Bereitschaft zur Umstellung ist vorhanden. Doch strukturelle Hürden bleiben. Viele Betriebe scheuen den Schritt in den Ökolandbau, weil die Anforderungen hoch sind und die wirtschaftliche Absicherung unsicher bleibt.

Ökolandbau in Bayern: Wachstum mit Haken

Der Ökolandbau in Bayern wächst. Das Wachstum verläuft jedoch langsam. Ein neues Problem zeichnet sich ab. Die Europäische Kommission fordert ab 2025 die konsequente Umsetzung der Weidepflicht im Ökolandbau, vor allem bei Rindern. Für viele Betriebe ist das kaum zu erfüllen. Fachleute befürchten, dass eine Reihe von Höfen deshalb aus dem Ökolandbau aussteigt.

Bayerns Agrarpolitik reagiert auf diesen Druck verhalten. Die zuständige Ministerin zeigte sich beim Thema Ökolandbau-Wachstum zurückhaltend optimistisch. Konkrete Gegenmaßnahmen zur drohenden Abwanderung aus dem Biosegment stehen bisher nicht fest.

Streuobst und Bio-Erlebnistage als Ergänzung

Parallel zur Betriebsebene gibt es politische Initiativen für mehr Artenvielfalt. Mit dem Streuobstpakt will Bayern in den kommenden zehn Jahren eine Million Streuobstbäume pflanzen. Das Ziel ist ambitioniert. Die Umsetzung hängt von vielen Akteuren ab, darunter Kommunen, Landwirte und Privatpersonen.

Vom 31. August bis zum 6. Oktober 2025 finden in ganz Bayern über 300 Bio-Erlebnistage statt. Die Veranstaltungsreihe soll Verbraucher direkt mit Biobetrieben in Kontakt bringen. Solche Formate stärken das Bewusstsein für ökologische Landwirtschaft. Sie ersetzen aber keine strukturelle Agrarpolitik.

Vorbilder gesucht, Förderung ausgebaut

Bayern zeichnet seit mehr als 20 Jahren herausragende Bäuerinnen als Unternehmerin des Jahres aus. Das Programm soll Frauen ermutigen, eigene Wege in der Landwirtschaft zu gehen. Barbara Schedlbauer steht für genau diesen Anspruch. Ihr Hof zeigt, dass Artenvielfalt und Landwirtschaft kein Widerspruch sein müssen.

Für Betriebe, die eine Umstellung oder Neugründung planen, bietet die bayerische Landwirtschaftsverwaltung Beratung an. Auch Hilfsangebote in persönlich belastenden Phasen gehören zum Angebot. Der Bedarf ist real: Der wirtschaftliche Druck auf landwirtschaftliche Betriebe ist hoch.

Fazit

Das Modell von Barbara Schedlbauer ist kein Nischenphänomen. Es zeigt eine Richtung auf, die politisch gewollt, wirtschaftlich aber noch zu wenig abgesichert ist. Der Ökolandbau in Bayern braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Ohne sie bleibt das Wachstum fragil, und engagierte Bäuerinnen wie Schedlbauer bleiben Ausnahmen statt Regel.

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