
Bad Alexandersbad: 27.000 Euro Schulden pro Einwohner
Bad Alexandersbad trägt einen kaum vorstellbaren Schuldenberg. Die Gemeinde im Landkreis Wunsiedel hat rund 25 Millionen Euro Schulden angehäuft. Der Ort im Fichtelgebirge zählt gerade einmal 920 Einwohner. Das ergibt eine Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 27.000 Euro. Der deutschlandweite Durchschnittswert für Kommunen liegt weit darunter.
Ein Kurort verliert seinen Kern
Bad Alexandersbad war einst ein bekannter Kurort. Heilwasser, Erholung, Kurgäste: Das war das Geschäftsmodell der Gemeinde über Jahrzehnte. Doch dieses Modell funktioniert längst nicht mehr. Der Strukturwandel im deutschen Kur- und Bäderwesen hat den Ort hart getroffen. Staatliche Kostenträger schränkten die Finanzierung von Kuraufenthalten massiv ein. Die Gästezahlen brachen ein.
Dann kam die Corona-Pandemie. Sie traf Bad Alexandersbad besonders schwer. Tourismus und Kurbetrieb lagen monatelang brach. Einnahmen blieben aus. Die Schulden wuchsen weiter.
Kein Insolvenzschutz, aber auch kein Ausweg
Bayerische Kommunen können rechtlich nicht in die Insolvenz gehen. Das klingt nach Schutz. Tatsächlich bedeutet es aber: Der Schuldenberg muss abgebaut werden, egal wie schwer das fällt. Bad Alexandersbad hat kaum Spielraum. Die Steuereinnahmen einer 920-Einwohner-Gemeinde sind begrenzt. Große Unternehmen als Gewerbesteuerzahler fehlen.
Die Gemeinde ist auf externe Hilfe angewiesen. Der Finanzausschuss des Bayerischen Landtags hat die Lage der Gemeinde bereits auf die Tagesordnung gesetzt. Bad Alexandersbad hofft auf ein Eingreifen des Freistaats. Ohne staatliche Unterstützung dürfte ein Schuldenabbau kaum gelingen.
Strukturschwache Region unter Druck
Das Problem beschränkt sich nicht auf Bad Alexandersbad allein. Der gesamte Landkreis Wunsiedel kämpft mit strukturellen Problemen. Auch der Landkreis selbst investiert massiv. Für das Haushaltsjahr 2026 sind Kredite in Höhe von rund 36,82 Millionen Euro geplant. Das Jahresergebnis des Landkreises weist fast 20 Millionen Euro Minus aus.
Das Fichtelgebirge gehört zu den wirtschaftlich schwächeren Regionen Bayerns. Abwanderung, fehlende Arbeitsplätze und eine alternde Bevölkerung belasten die kommunalen Haushalte seit Jahren. Bad Alexandersbad ist dabei kein Einzelfall, sondern ein besonders drastisches Beispiel.
Historische Lasten als Mitursache
Ein Teil der Schulden geht auf frühere Investitionen in die Kurinfrastruktur zurück. Bäder, Kuranlagen und touristische Einrichtungen wurden gebaut, als der Kurbetrieb noch florierte. Diese Investitionen waren zum Teil kreditfinanziert. Als die Einnahmen wegbrachen, blieben die Verbindlichkeiten. Ein klassisches Muster für ehemals staatlich geförderte Kurorte.
Was der Landtag tun kann
Bayern hat in der Vergangenheit einzelnen Kommunen mit Sonderhilfen geholfen. Ob Bad Alexandersbad solche Mittel erhält, ist noch offen. Der Freistaat prüft die Lage. Ohne gezielte Förderung oder einen Schuldenerlass wird die Gemeinde diesen Berg nicht allein abtragen können.
Die Gemeinde hat keine einfachen Optionen. Steuererhöhungen belasten die wenigen verbliebenen Einwohner. Weitere Sparmaßnahmen treffen ohnehin schon ausgedünnte Strukturen. Ein Zusammenschluss mit einer Nachbargemeinde wäre eine weitere Möglichkeit. Doch auch das löst die bestehenden Schulden nicht automatisch.
Ein strukturelles Problem braucht strukturelle Antworten
Bad Alexandersbad steht exemplarisch für das Schicksal kleiner Kurorte in Deutschland. Der Wandel im Gesundheitswesen, fehlende wirtschaftliche Alternativen und die Folgen der Pandemie haben die Gemeinde in eine finanzielle Notlage getrieben, aus der sie sich aus eigener Kraft kaum befreien kann. Ohne klare politische Entscheidung des bayerischen Landtags bleibt Bad Alexandersbad in der Schuldenfalle.



