Bayern fehlen 2035 rund 290.000 Arbeitskräfte
Bayern steht vor einem strukturellen Arbeitskräfteproblem. Bis zum Jahr 2035 werden im Freistaat rund 290.000 Arbeitskräfte fehlen. Das zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Die Lage ist regional sehr unterschiedlich. Und sie trifft nicht primär die wirtschaftsstarken Ballungszentren.
Ländliche Regionen unter besonderem Druck
Der Fachkräftemangel außerhalb der Städte verschärft sich deutlich stärker als in den Ballungsräumen. Das ist ein zentrales Ergebnis der vbw-Studie. Besonders der Norden und Nordosten Bayerns stehen vor gravierenden Engpässen.
In Unterfranken etwa wächst die Fachkräftelücke kontinuierlich. Das Angebot an Arbeitskräften geht dort stärker zurück als die Nachfrage. Die Lücke liegt bereits heute bei rund 27.750 Personen. Bis 2035 wird sie sich der Prognose zufolge weiter vergrößern.
Auch im Norden Frankens zeichnet sich ein klares Nord-Süd-Gefälle ab. Strukturschwächere Regionen haben weniger Zuzug und eine älter werdende Bevölkerung. Beides verstärkt den Mangel.
Oberbayern: Absolut größte Lücke im Freistaat
In absoluten Zahlen ist Oberbayern am stärksten betroffen. Die Fachkräftelücke dort wächst bis 2035 voraussichtlich auf über 80.000 Personen. Das liegt an der schieren Größe der Region und ihrer wirtschaftlichen Dynamik. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch, das Angebot hält nicht Schritt.
Augsburg sticht als positive Ausnahme hervor. Die Stadt schneidet im bayerischen Vergleich vergleichsweise gut ab. Dennoch ist auch Augsburg nicht immun gegen den allgemeinen Trend.
Wirtschaftsflaute ändert nichts am Grundproblem
Die aktuelle wirtschaftliche Schwäche verdeckt das strukturelle Problem nur kurzfristig. Die vbw-Studie macht deutlich: Selbst bei schwacher Konjunktur bleibt der Arbeitskräftemangel ein Dauerthema. Die demografische Entwicklung ist der entscheidende Treiber.
Ältere Jahrgänge verlassen den Arbeitsmarkt. Jüngere Kohorten sind kleiner. Das Angebot schrumpft damit unabhängig von der wirtschaftlichen Lage. Konjunkturelle Schwankungen mildern den Effekt allenfalls vorübergehend.
Drei Szenarien für den Arbeitsmarkt
Die Studie arbeitet mit verschiedenen Szenarien. Je nach Annahmen zur Migration, Erwerbsbeteiligung und wirtschaftlichen Entwicklung variieren die Ergebnisse. Im Basisszenario liegt die Lücke bei rund 290.000 Personen für ganz Bayern.
Frühere Prognosen hatten noch höhere Zahlen genannt. Eine Studie aus dem Jahr 2023 ging von bis zu 400.000 fehlenden Arbeitskräften aus. Die aktuelle Schätzung fällt etwas moderater aus. Grund dafür ist unter anderem die schwächere Wirtschaftsentwicklung, die die Nachfrage nach Arbeit dämpft.
Berufsspezifische Unterschiede
Nicht alle Berufsfelder sind gleich betroffen. Es gibt sowohl Engpässe als auch in einzelnen Segmenten Überangebote. Besonders in technischen Berufen, im Handwerk und im Gesundheitswesen zeichnen sich die größten Lücken ab. In einigen akademischen Berufen hingegen ist das Bild differenzierter.
Fazit
Bayern steht vor einem handfesten Strukturproblem. Knapp 290.000 fehlende Arbeitskräfte bis 2035 sind keine abstrakte Zahl. Sie bedeuten weniger Wachstumspotenzial, mehr Druck auf bestehende Belegschaften und Risiken für die regionale Wirtschaft. Besonders der ländliche Raum braucht gezielte Antworten: bessere Infrastruktur, gezielte Zuwanderung und höhere Erwerbsbeteiligung sind die zentralen Stellschrauben. Die Studie der vbw liefert die Diagnose. Die politische Antwort steht weitgehend noch aus.



