Bayern will Gründungen beschleunigen: Weniger Bürokratie, mehr Tempo
Bayern hat im vergangenen Jahr 785 nennenswerte digitale Unternehmen neu gegründet. Das ist mehr als in Berlin oder Nordrhein-Westfalen. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sieht das als Beleg für die Stärke des Freistaats. Gleichzeitig fordert er: Der Gründungsprozess muss einfacher, schneller und digitaler werden.
Bürokratie als Bremsklotz
Formulare bremsen Gründer aus. Das ist die klare Diagnose von Aiwanger. Wer ein Unternehmen starten will, verliert wertvolle Zeit in Behördengängen und Verwaltungsschleifen. Der Minister fordert deshalb einen grundlegenden Umbau der Gründungsverfahren. Ziel ist eine vollständig digitale Abwicklung.
Aiwanger hat dabei konkrete Vorstellungen. Genehmigungen sollen schneller erteilt werden. Anträge sollen online gestellt und bearbeitet werden. Weniger Papier, mehr Geschwindigkeit. Nur so könne Bayern seinen Vorsprung als Gründerland halten und ausbauen.
Starkes Ökosystem, aber Luft nach oben
Der Freistaat gilt als gut vernetzt. Wissenschaft, Wirtschaft und Kapital arbeiten eng zusammen. Das sei laut Aiwanger ein entscheidender Standortvorteil. Besonders in den Bereichen Künstliche Intelligenz, DeepTech und Defence sieht er Bayern gut aufgestellt.
Förderprogramme, Forschungskooperationen und Innovationszentren sollen diesen Vorsprung weiter festigen. Der Minister betont: Bayern fördert Innovationen gezielt, um marktfähige Anwendungen zu entwickeln. Der Freistaat soll ein Zentrum für Erfindergeist bleiben.
Start-ups und Scale-ups im Fokus
Aiwanger richtet seinen Blick nicht nur auf neue Gründungen. Auch wachsende Unternehmen, sogenannte Scale-ups, stehen im Mittelpunkt. Viele bayerische Start-ups scheitern nicht an der Idee, sondern an fehlendem Kapital oder bürokratischen Hürden beim Wachstum.
Die enge Verzahnung von Hochschulen, Investoren und Unternehmen soll hier ansetzen. Bayern habe die Strukturen, die andere Bundesländer erst aufbauen müssen. Diesen Vorsprung will Aiwanger nicht verspielen.
Staatsgeld in Technologie statt Sozialleistungen
Aiwanger verbindet seine Forderungen mit einem politischen Kurswechsel auf Bundesebene. Er verlangt, dass der Staat mehr Geld in Zukunftstechnologien lenkt. Weniger Mittel für das Bürgergeld, mehr Investitionen in Innovation. Das sei eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft.
Diese Haltung passt zu seiner generellen Linie. Aiwanger hat sich wiederholt gegen eine zu starke Belastung der Wirtschaft ausgesprochen. Steigende Energiekosten, hohe Steuern und zu viel Regulierung sieht er als Risiken für den Standort Deutschland.
München und die Fläche gleichermaßen stärken
Ein weiterer Punkt liegt Aiwanger am Herzen: Das Gründungsgeschehen soll nicht nur in München stattfinden. Das bayerische Ökosystem erstrecke sich über den gesamten Freistaat. Regionale Innovationszentren sollen auch außerhalb der Landeshauptstadt Impulse setzen.
Städte wie Nürnberg, Augsburg oder Regensburg haben eigene Start-up-Szenen entwickelt. Diese gilt es laut Aiwanger gezielt zu stärken. Ein breites Netz aus Gründerzentren und Technologieparken soll die gesamte Fläche Bayerns aktivieren.
Fazit: Anspruch und Realität im Einklang?
Bayern steht als Gründerland gut da. Die Zahlen belegen das. Doch der Anspruch des Wirtschaftsministers geht weiter. Aiwanger will Verwaltung modernisieren, Kapital mobilisieren und Bürokratie abbauen. Das sind keine neuen Forderungen, aber sie bleiben drängend. Ob der Freistaat seinen Spitzenplatz halten kann, hängt davon ab, wie schnell Worten auch Taten folgen.



