Bayerns Betriebe suchen Azubis – und finden kaum geeignete
Bayerns Unternehmen stecken in der Klemme. Ausbildungsplätze gibt es genug. Doch qualifizierte Bewerber fehlen in vielen Branchen. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge geht zurück. Gleichzeitig passt das Profil vieler Bewerber nicht zu den offenen Stellen.
Mismatch auf dem Ausbildungsmarkt
Das Problem hat zwei Seiten. Betriebe klagen nicht nur über zu wenige Bewerber. Sie beklagen auch deren mangelnde Eignung. Dieser Mismatch trifft fast alle Branchen. Im Einzelhandel, in der Lagerlogistik und im Lebensmittelhandwerk blieben zuletzt Hunderte Stellen unbesetzt.
Auch in der Zahnmedizin suchen Praxen händeringend nach Nachwuchs. Die Ausbildungsplätze existieren. Die passenden Kandidaten dafür fehlen.
Metall- und Elektroindustrie besonders betroffen
Die bayerische Metall- und Elektroindustrie trifft der Rückgang besonders hart. Der Branchenverband erwartet einen deutlichen Rückgang bei neuen Ausbildungsverträgen. Auch die Perspektiven für bestehende Azubis haben sich verschlechtert. Konjunkturflaute und Stellenabbau im Mutterkonzern wirken sich direkt auf die Ausbildungsabteilungen aus.
Viele Betriebe reagieren mit Zurückhaltung. Wer nicht sicher ist, ob er den Azubi später übernehmen kann, stellt ihn seltener ein. Das verschärft den Kreislauf.
Qualifikation als Knackpunkt
Es sind nicht nur die Zahlen, die Personalverantwortliche besorgen. Die Qualität der Bewerbungen bereitet vielen Unternehmen Sorgen. Grundlegende Kenntnisse in Mathematik und Deutsch entsprechen häufig nicht den betrieblichen Anforderungen. Pünktlichkeit und Verlässlichkeit werden von Ausbildern ebenfalls als Problem genannt.
Das ist kein bayerisches Randphänomen. Ähnliche Rückmeldungen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Doch in Bayern, mit seinem dichten Netz an mittelständischen Industriebetrieben, trifft es besonders viele Unternehmen gleichzeitig.
Azubis selbst sind mehrheitlich zufrieden
Aus Sicht der Auszubildenden sieht die Lage anders aus. Der Ausbildungsreport 2025 der DGB-Jugend Bayern zeigt: Die duale Ausbildung genießt bei vielen jungen Menschen nach wie vor einen guten Ruf. Viele Azubis bewerten ihre Ausbildung positiv.
Allerdings zeigt der Report auch Schattenseiten. Einige Auszubildende berichten von Überstunden, mangelnder Betreuung und Aufgaben, die nichts mit dem Ausbildungsberuf zu tun haben. Das schreckt potenzielle Bewerber ab.
Attraktivität der Ausbildung steigern
Experten fordern deshalb Verbesserungen auf beiden Seiten. Schulen sollen Grundkompetenzen stärker fördern. Betriebe sollen Ausbildungsqualität und Vergütung verbessern. Nur so lässt sich der Nachwuchs langfristig sichern.
Einige Unternehmen haben bereits reagiert. Sie erhöhen Ausbildungsgehälter, bieten flexible Arbeitszeiten an und investieren in moderne Ausstattung. Der Wettbewerb um gute Azubis zwingt sie dazu.
Fazit: Strukturproblem ohne schnelle Lösung
Bayerns Ausbildungsmarkt steckt in einem strukturellen Dilemma. Offene Stellen auf der einen Seite, ungeeignete Bewerber auf der anderen. Eine schnelle Lösung gibt es nicht. Schule, Betriebe und Politik müssen gemeinsam handeln. Wer jetzt keine Ausbildungsplätze besetzt, riskiert in wenigen Jahren einen noch schärferen Fachkräftemangel. Die Zeit drängt.