Bayerns Chemieindustrie fordert Entlastung bei Kosten und Bürokratie
Bayerns Chemieindustrie steht unter Druck. Vor der Hauptversammlung des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) macht die Branche ihren Forderungskatalog an die Politik deutlich: weniger Bürokratie, niedrigere Sozialabgaben und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Die Botschaft ist klar: Ohne politisches Handeln verliert der Standort Bayern weiter an Boden.
Drei Baustellen, eine Branche
Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau und Sozialabgaben: Das sind die drei zentralen Problemfelder, die der BAVC benennt. Mathias Schöttke, seit Oktober Hauptgeschäftsführer des Verbands, kennt die Branche von innen. Der Kaufmann war zuvor in verschiedenen HR-Funktionen bei BASF tätig, zuletzt als Geschäftsführer. Er trat die Nachfolge von Klaus-Peter Stiller an.
Die Lage ist ernst. Im bayerischen Chemiedreieck, vor allem in Burghausen und Gendorf, hat die Branche Arbeitsplätze abgebaut. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezeichnete das als besorgniserregendes Alarmsignal. Er fordert Unterstützung nicht nur auf Landesebene, sondern auch von Bund und EU.
Resolution aus München: Chemie als Schlüsselbranche
Im Rahmen des zweiten Bayerischen Chemiedialogs haben Vertreter der Branche gehandelt. Aiwanger lud Repräsentanten des Verbands der Chemischen Industrie Bayern sowie der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie ins Münchner Wirtschaftsministerium. Das Ergebnis: eine gemeinsame Resolution zur Stärkung des Chemiestandorts Bayern.
Die Resolution ist ein politisches Signal. Bayern bekennt sich zur Chemieindustrie als Schlüsselindustrie. Der Freistaat sieht die Branche als unverzichtbar, heute und künftig. Aiwanger machte deutlich, dass Regulierung aus Brüssel und Berlin die heimische Industrie nicht behindern darf.
Hohe Lohnnebenkosten als strukturelles Problem
Ein Kernproblem bleibt die Kostenstruktur. Die Sozialabgaben in Deutschland gehören europaweit zu den höchsten. Das belastet die Unternehmen direkt. Für die chemische Industrie, die auf energieintensive Produktion angewiesen ist, kommen hohe Energiepreise hinzu. Die Kombination macht Investitionen im Ausland attraktiver.
Der BAVC fordert deshalb spürbare Entlastungen. Konkret geht es um eine Begrenzung der Lohnzusatzkosten und den Abbau bürokratischer Hürden. Genehmigungsverfahren dauern in Deutschland oft Jahre. Das kostet Zeit und Geld, beides fehlt dann für Innovationen.
Nationale Chemieagenda setzt auf Biotechnologie und KI
Parallel zur Krisenbewältigung gibt es strategische Initiativen. Eine nationale Chemieagenda wurde vorgelegt. Sie enthält Maßnahmen zur Stärkung von Forschung und Investitionen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verbindung von Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz.
Auch im Chemiedreieck selbst entstehen neue Strukturen. Start-ups sollen frischen Wind in die Region bringen. Innovationen könnten dort neue Beschäftigung schaffen, wo traditionelle Großunternehmen Stellen abgebaut haben. Der Wandel ist schmerzhaft, aber er findet statt.
Branche zwischen Tradition und Transformation
Die bayerische Chemieindustrie ist historisch gewachsen. Standorte wie Burghausen und Gendorf prägen ganze Regionen. Der Strukturwandel trifft dort besonders hart. Gleichzeitig zeigt die Branche Anpassungsfähigkeit. Die Kombination aus etablierten Konzernen und neuen Technologieunternehmen soll den Standort zukunftsfähig machen.
Der BAVC setzt dabei auf Dialog. Die Hauptversammlung ist ein Forum, um Positionen zu bündeln und politische Forderungen zu schärfen. Der neue Hauptgeschäftsführer Schöttke bringt Erfahrung aus der Unternehmenspraxis mit. Das dürfte der Branchenvertretung in den kommenden Verhandlungen mit der Politik nützen.
Fazit: Politik muss liefern
Die bayerische Chemieindustrie hat ihre Hausaufgaben gemacht. Sie hat eine Resolution verabschiedet, eine nationale Agenda vorgelegt und den Dialog mit der Politik gesucht. Jetzt liegt der Ball bei Bund und EU. Bürokratieabbau, günstigere Energiepreise und niedrigere Sozialabgaben sind keine Wünsche, sondern Voraussetzungen für den Erhalt der Branche. Wer Bayerns Chemieindustrie als Schlüsselindustrie ernst nimmt, muss entsprechend handeln.