Bayerns Gasspeicher: Leere Tanks und drohende Stilllegungen
Bayerns Erdgasspeicher stecken in einer doppelten Klemme. Die Füllstände sind niedrig, das Wiederauffüllen gestaltet sich schwierig, und mindestens eine große Anlage soll dauerhaft vom Netz. Für die Gasversorgung im Süden Deutschlands ist das eine ernste Lage.
Füllstände auf alarmierend niedrigem Niveau
Bayerns fünf Erdgasspeicher waren zuletzt auf einem besorgniserregenden Stand. Im Februar 2026 lag der Füllstand teilweise unter fünf Prozent. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger berichtete dem Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags im Mai 2025 von einem durchschnittlichen Füllstand von rund 20 Prozent. Er betonte, die Gasversorgung sei stabil. Doch die Branche sieht das kritischer.
Der Sommer gilt eigentlich als die ideale Zeit zum Wiederauffüllen. Die Heizperiode ist vorbei, der Verbrauch sinkt. Doch in Bayern funktioniert dieser Mechanismus nicht reibungslos. Strukturelle Probleme bremsen den Prozess.
Das Süddeutschland-Problem
Bayern liegt am Ende langer Fernleitungen. Gas aus Norwegen und von Flüssiggasterminals in Norddeutschland muss Hunderte Kilometer durch Pipelines transportiert werden. Der Druck am Ende dieser Leitungen ist geringer. Das erschwert das schnelle Befüllen der Speicher.
Gleichzeitig stützen die Speicher selbst das Fernleitungsnetz. Sie helfen, die Gasverfügbarkeit im Süden zu sichern. Fehlt diese Pufferkapazität, gerät das gesamte Netz unter Druck. Fachleute aus der Gasbranche warnen vor den Folgen sinkender Einspeiseleistungen auf das Fernleitungssystem.
Transportkapazität als Engpass
Das Gas kommt zwar an, aber nicht schnell genug nach Bayern. Die Leitungskapazitäten nach Süddeutschland sind begrenzt. Im Winter, wenn der Verbrauch hoch ist, reicht das gerade aus. Im Sommer, wenn die Speicher gefüllt werden sollen, konkurrieren Einspeisung und Versorgung um denselben Leitungsraum.
Breitbrunn soll 2027 vom Netz
Hinzu kommt eine strukturelle Verschlechterung der Lage. Bayerns größter Gasspeicher befindet sich in Breitbrunn am Chiemsee. Der Betreiber hat die Stilllegung beantragt. Geplant ist das Ende des Betriebs für das Jahr 2027.
Breitbrunn ist eine der bedeutendsten Erdgasspeicheranlagen in Süddeutschland. Mit der Stilllegung würde Bayern einen erheblichen Teil seiner Speicherkapazität verlieren. Ersatz ist derzeit nicht in Sicht.
Bundesweit sinkt die Zahl der Speicherstandorte
Bayern ist kein Einzelfall. Deutschlandweit gibt es noch rund 40 Gasspeicherstandorte. Doch mehrere Betreiber planen, ihre Anlagen stillzulegen. Investitionen in neue Kapazitäten bleiben aus. Der wirtschaftliche Betrieb lohnt sich für viele Eigentümer nicht mehr.
Gasspeicher verdienen Geld, wenn der Preisunterschied zwischen Sommer und Winter groß genug ist. In den vergangenen Jahren war diese sogenannte Spread-Marge oft zu gering. Ohne ausreichende Rendite bleibt die Motivation zum Weiterbetrieb oder Neubau niedrig.
Gesetzliche Ziele verfehlt
Die EU-Gasspeicherverordnung schreibt Mindestfüllstände vor. Bayern hat diese Ziele gerissen. Das ist nicht nur ein politisches Problem. Es hat direkte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit im nächsten Winter.
Aiwanger versicherte im Landtag, Bayern werde noch lange auf fossiles Erdgas angewiesen sein. Das stimmt mit den Plänen der Betreiber jedoch nicht überein. Weniger Speicherkapazität bei gleichbleibendem oder wachsendem Bedarf ist eine riskante Kombination.
Fazit: Strukturelles Problem ohne schnelle Lösung
Bayerns Gasspeicherproblem ist kein vorübergehendes Phänomen. Die geografische Lage am Ende langer Fernleitungen, die geplante Stilllegung in Breitbrunn und mangelnde Investitionsanreize treffen zusammen. Die Speicher werden vorerst nicht schnell voller. Und eine der größten Anlagen verschwindet in zwei Jahren ganz. Für die Energieversorgung Süddeutschlands ist das eine Herausforderung, die politische und wirtschaftliche Antworten verlangt.



