
Bayerns Krankenstand: Psyche schlägt Erkältung
Bayerische Arbeitnehmer fehlen wegen psychischer Erkrankungen so oft wie nie zuvor. Depressionen, Angststörungen und Burnout haben Atemwegserkrankungen als häufigsten Krankschreibungsgrund abgelöst. Das zeigen aktuelle Daten der DAK-Gesundheit und anderer Krankenkassen.
Rekordwerte bei psychischen Diagnosen
Bayerische Beschäftigte fehlten zuletzt im Schnitt rund 19,5 Kalendertage pro Jahr am Arbeitsplatz. Der Vorjahreswert lag bei 19,7 Fehltagen. Das Niveau bleibt damit hoch.
Psychische Erkrankungen stehen dabei an erster Stelle. Die DAK verzeichnete für 2024 bundesweit 10,4 Fälle psychischer Erkrankungen je 100 Versicherte. Bayern liegt zwar unter dem Bundesdurchschnitt, doch auch hier erreichten die Fehltage wegen psychischer Probleme einen Höchststand.
Die Techniker Krankenkasse liefert ein ähnliches Bild. Unter den zwölf häufigsten Diagnosen für Krankschreibungen ist die Hälfte auf psychische Ursachen zurückzuführen. Deutsche Arbeitnehmer sind im Schnitt rund 15 Tage pro Jahr krankgeschrieben.
Junge Beschäftigte besonders belastet
Beschäftigte unter 30 Jahren meldeten sich 2022 bis zu 29 Prozent häufiger mit psychischen Diagnosen krank als zuvor. Das ergab eine DAK-Studie aus dem Jahr 2022.
Im selben Jahr entfielen bundesweit 301 Fehltage je 100 Versicherte auf psychische Erkrankungen.
Geschlechterunterschiede bei den Ursachen
Frauen und Männer in Bayern erkranken etwa gleich häufig, die Gründe für Krankmeldungen unterscheiden sich aber deutlich. Frauen greifen bei psychischen Beschwerden häufiger zur Krankschreibung. Männer haben längere Ausfallzeiten bei körperlichen Erkrankungen. Das zeigt eine Krankenkassenstudie.
Atemwegsinfekte und Rückenschmerzen weiter präsent
Neben psychischen Erkrankungen bleiben Atemwegsinfekte und Rückenschmerzen häufige Ursachen für Arbeitsausfälle. Atemwegserkrankungen zählen statistisch zu den häufigsten Einzeldiagnosen. Rückenschmerzen belasten vor allem körperlich tätige Berufsgruppen.
Psychische Erkrankungen stechen durch ihre Langwierigkeit hervor. Betroffene fallen oft wochenlang aus.
Strengere Regeln bei der Krankschreibung
Beschäftigte müssen sich auf strengere Regeln bei der Krankschreibung einstellen. Die telefonische Krankschreibung, die während der Pandemie eingeführt wurde, wird wieder eingeschränkt. Häufigere Arztbesuche werden zur Pflicht.
Das trifft besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen. Der Weg zum Arzt oder Psychiater ist für Betroffene oft eine zusätzliche Hürde. Lange Wartezeiten bei Fachärzten verschärfen die Situation.
Strukturelles Problem
Die Rekordwerte bei Fehltagen sind kein vorübergehendes Phänomen. Unternehmen und Politik sind gefordert, betriebliche Gesundheitsangebote auszubauen und den Zugang zu Fachärzten zu verbessern.



