Gesundheit

Bayerns Krisendienste melden Rekord bei Anruferzahlen

Mehr Menschen rufen an als jemals zuvor

Die Krisendienste für psychische Gesundheit in Bayern haben einen neuen Anruferrekord erreicht. Noch nie wandten sich so viele Menschen in seelischen Notsituationen telefonisch an die Fachstellen. Das zeigt: Der Bedarf an niedrigschwelliger psychischer Unterstützung wächst.

Die Krisendienste sind rund um die Uhr erreichbar. Sie bieten sofortige Hilfe bei akuten psychischen Krisen, ohne Wartezeit und ohne Terminvereinbarung. Genau das macht sie für viele Betroffene zur ersten Anlaufstelle.

Psychiatrische Versorgung unter Druck

Der Rekord kommt nicht überraschend. Psychiater und Psychotherapeuten in Bayern berichten seit Jahren von übervollen Wartezimmern. Viele Patienten warten Monate auf einen Therapieplatz. In dieser Lücke springen die Krisendienste ein.

Besonders in Ballungsräumen wie München, Nürnberg und Augsburg ist die Lage angespannt. Die Nachfrage nach ambulanter psychiatrischer Versorgung übersteigt das Angebot deutlich. Die Krisendienste fangen einen Teil dieser Überlastung auf.

Wer ruft an und warum

Die Anrufer kommen aus allen Altersgruppen. Neben Erwachsenen in akuten Krisen melden sich zunehmend auch jüngere Menschen. Themen sind Einsamkeit, Angststörungen, Depressionen und Suizidgedanken.

Auch Angehörige nutzen die Dienste häufig. Sie suchen Rat, wenn ein Familienmitglied in einer Krise steckt. Die Krisendienste beraten in solchen Fällen auch ohne direkte Betroffenheit der anrufenden Person.

Bayern baut das Netz der Krisendienste aus

Das bayerische Gesundheitsministerium hat in den vergangenen Jahren in den Ausbau der Krisendienste investiert. Ziel war eine flächendeckende Erreichbarkeit in allen Regionen des Freistaats. Der aktuelle Rekord zeigt, dass dieser Weg richtig war.

Neben der telefonischen Beratung gibt es in mehreren bayerischen Städten auch mobile Krisenteams. Diese fahren bei Bedarf direkt zu den Betroffenen. Das Angebot ergänzt die klassische Notaufnahme in psychiatrischen Kliniken.

Gesellschaftliche Ursachen des Anstiegs

Fachleute sehen mehrere Ursachen für den wachsenden Bedarf. Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sind weiterhin spürbar. Dazu kommen wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Spannungen.

Gleichzeitig hat das Thema psychische Gesundheit an Enttabuisierung gewonnen. Viele Menschen trauen sich heute eher, Hilfe zu suchen. Das erklärt einen Teil des Anstiegs bei den Anrufzahlen.

Was Betroffene jetzt wissen sollten

Die bayerischen Krisendienste sind kostenlos und anonym erreichbar. Die Telefonnummer 0800 655 3000 gilt für ganz Bayern und ist gebührenfrei. Zusätzlich ist die bundesweite Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr verfügbar.

Wer sich in einer akuten psychiatrischen Notlage befindet, kann auch direkt eine psychiatrische Notaufnahme aufsuchen. Diese sind an allen großen Kliniken in Bayern vorhanden und ohne Voranmeldung zugänglich.

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