Bayerns Ladenetz wächst, doch regionale Lücken bleiben
Bayerns Ladeinfrastruktur wächst rasant. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der öffentlichen Ladepunkte um rund 15 Prozent. Verglichen mit Anfang 2023 hat sich das Angebot sogar mehr als verdoppelt. Doch der Zuwachs verteilt sich ungleich. Zwischen Regensburg und Aschaffenburg liegen Welten.
Starkes Wachstum, aber ungleiche Verteilung
Bayern gilt bundesweit als Vorreiter bei der Elektromobilität. Der Freistaat ist das einzige Bundesland, in dem die E-Auto-Dichte besonders hoch ist. Laut dem Verband der Automobilindustrie kamen 2024 rund 16,3 Elektrofahrzeuge auf einen Ladepunkt. Dieser Wert liegt unter dem Bundesdurchschnitt, was für Bayern spricht.
Dennoch zeigen aktuelle Daten erhebliche regionale Unterschiede. In der Stadt Aschaffenburg teilten sich 2025 fast 30 E-Autos und Plug-in-Hybride einen einzigen Ladepunkt. Im Landkreis Starnberg waren es mehr als 27 Fahrzeuge pro Ladepunkt. Das sind die schlechtesten Werte im Freistaat.
Regensburg und Ingolstadt als Vorbilder
An der Spitze steht Regensburg. Die Stadt belegt bayernweit Platz eins beim Versorgungsgrad mit Ladestationen. Auch Ingolstadt schneidet überdurchschnittlich gut ab. Beide Städte haben frühzeitig in den Ausbau investiert.
München hingegen zeigt ein paradoxes Bild. Die Landeshauptstadt verfügt über viele Ladepunkte in absoluten Zahlen. Doch gemessen an der hohen Zahl an E-Fahrzeugen reicht es beim Versorgungsgrad pro E-Auto nur für Rang 90 im bundesweiten Vergleich. Beim allgemeinen Versorgungsgrad pro Fahrzeug liegt München immerhin auf Rang 28.
Städte sind nicht automatisch besser versorgt
Das Ranking zeigt: Große Städte sind nicht zwingend besser aufgestellt als kleinere Kommunen. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen vorhandenen Ladepunkten und der Zahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge. Manche Landkreise mit weniger absolutem Angebot schneiden beim Pro-Kopf-Vergleich deutlich besser ab.
Bayern startet neue Förderrichtlinie bis 2029
Die Staatsregierung reagiert auf den Nachholbedarf. Zum Jahreswechsel hat der Freistaat eine neue Förderrichtlinie für Ladeinfrastruktur gestartet. Sie gilt bis 2029. Ziel ist der Aufbau eines flächendeckenden Ladenetzes in ganz Bayern.
Das Bayerische Wirtschaftsministerium sieht den Ausbau als zentrale Voraussetzung für den Hochlauf der Elektromobilität. In den vergangenen Jahren hat das Ministerium nach eigenen Angaben zahlreiche Maßnahmen ergriffen. Die neue Förderrichtlinie soll das Landesförderprogramm weiterentwickeln und gezielt Lücken schließen.
Ergänzung zu Bundesmaßnahmen
Das Landesprogramm läuft parallel zu den Initiativen des Bundes. Bayern versteht sein Engagement als Ergänzung, nicht als Ersatz. Besonders strukturschwache Regionen und ländliche Gebiete sollen stärker profitieren als bisher.
Fazit: Ausbau auf gutem Weg, Lücken müssen gezielt geschlossen werden
Bayern hat beim Aufbau der Ladeinfrastruktur in kurzer Zeit viel erreicht. Die Verdoppelung der Ladepunkte seit Anfang 2023 ist ein messbarer Erfolg. Doch das Wachstum allein reicht nicht. Regionen wie Aschaffenburg oder der Landkreis Starnberg brauchen gezielte Investitionen. Die neue Förderrichtlinie bis 2029 schafft dafür die politische Grundlage. Ob sie die Lücken tatsächlich schließt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
