
Bayerns Metallindustrie bildet 10 Prozent weniger Azubis aus
Bayerns Metall- und Elektroindustrie steckt in der Ausbildungskrise. Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm rechnen für das laufende Jahr mit einem Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um gut 10 Prozent. Konkret bedeutet das: etwa 12.000 neue Verträge statt bisher deutlich mehr. Die IG Metall bezeichnet die Entwicklung als alarmierend.
Scharfer Rückgang vor dem Ausbildungsstart
Der Ausbildungsstart im September rückt näher. Die Zahlen aus München geben wenig Anlass zur Zuversicht. Stand Ende Juli lagen die neu abgeschlossenen Verträge in der Branche bei rund 14.458. Endgültig werden es wohl deutlich weniger sein als im Vorjahr.
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände, hat die Zahlen öffentlich gemacht. Die Branche steht wirtschaftlich unter Druck. Das schlägt sich direkt auf die Bereitschaft der Betriebe nieder, neue Ausbildungsplätze anzubieten.
Bundesweit zeigt sich ein ähnliches Bild. Laut Statistik gab es im Jahr 2025 rund 461.800 neue Ausbildungsverträge in der dualen Berufsausbildung. Das entspricht einem Rückgang von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Metall- und Elektroindustrie fällt der Einbruch besonders stark aus.
Arbeitgeber sehen Bodenbildung, Gewerkschaft warnt
Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm geben sich vorsichtig optimistisch. Sie erwarten eine Bodenbildung. Ein weiterer starker Rückgang sei nicht zu erwarten, so die Verbände.
Die IG Metall teilt diese Einschätzung nicht. Die Gewerkschaft wertet die Zahlen als alarmierendes Signal. Der Einbruch bei den Ausbildungsverträgen gefährde die Fachkräftebasis der Branche langfristig. Wer heute nicht ausbildet, fehlt morgen in der Produktion.
Wirtschaftskrise trifft die Ausbildung direkt
Der Rückgang kommt nicht überraschend. Die Metall- und Elektroindustrie kämpft seit Monaten mit schwacher Nachfrage und hohen Kosten. Viele Betriebe fahren ihre Kapazitäten zurück. Ausbildungsplätze gehören oft zu den ersten Stellen, die gestrichen werden.
Bayern ist dabei besonders stark betroffen. Maschinenbauer, Automobilzulieferer und Elektronikhersteller sind im Freistaat konzentriert. Ein Rückgang in dieser Größenordnung hat Folgen für die gesamte Branche.
Hinzu kommt der demografische Druck. Weniger junge Menschen stehen dem Ausbildungsmarkt zur Verfügung. Gleichzeitig zieht es viele Schulabgänger an die Hochschulen statt in die Betriebe. Die duale Ausbildung verliert an Attraktivität, obwohl die Jobaussichten in vielen technischen Berufen gut sind.
Vergleich mit früheren Krisen
Bereits in der Wirtschaftskrise 2009 brachen die Ausbildungszahlen in der Metallindustrie stark ein. Damals schrumpfte die Zahl der Verträge um fast 16 Prozent auf rund 12.300. Danach erholte sich die Branche wieder. Ob sich dieses Muster wiederholt, ist offen.
Die Arbeitgeber setzen auf eine Stabilisierung. Sie verweisen auf die strukturelle Nachfrage nach Fachkräften. Langfristig brauche die Industrie gut ausgebildete Techniker und Mechatroniker. Der aktuelle Rückgang sei konjunkturell bedingt, nicht strukturell.
Fazit
Rund 12.000 neue Verträge im Jahr 2026 bedeuten einen Verlust von mehr als 1.300 Ausbildungsplätzen gegenüber dem Vorjahr. Ob die erhoffte Bodenbildung tatsächlich eintritt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



