
Bayerns Pleitekrise: Höchststand seit einem Jahrzehnt
Bayern erlebt eine Insolvenzwelle, die das Ausmaß der vergangenen zehn Jahre übertrifft. Im ersten Halbjahr 2025 meldeten 1.671 Unternehmen Insolvenz an. Das sind 7,7 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Freistaat zählt damit zu den neun Bundesländern mit der stärksten Betroffenheit. Das belegt eine Analyse des Unternehmens Teamed auf Basis von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.
Zahlen auf dem höchsten Stand seit 2015
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Bayern hat den höchsten Stand seit 2015 erreicht. Das Landesamt für Statistik verzeichnete zuletzt einen Anstieg der Gesamtinsolvenzverfahren, also einschließlich Verbraucherinsolvenzen, um 11 Prozent auf 14.873 Fälle. Für das erste Halbjahr 2026 schätzt eine Wirtschaftsauskunftei bereits 1.780 Firmenpleiten. Das entspräche einem weiteren Anstieg von 6,6 Prozent.
Rund 16.899 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verloren bereits ihren Arbeitsplatz durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers. Das ist etwa doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Anderen Angaben zufolge sind insgesamt über 30.000 Beschäftigte betroffen. Die Forderungen gehen in die Milliarden.
Nicht nur die Zahl, auch die Größe der Pleiten zählt
Große Unternehmen reißen mehr mit
Für die Gesamtwirtschaft zählt nicht allein die Anzahl der Insolvenzen, sondern auch die Größe der betroffenen Betriebe. Wenn große Arbeitgeber in die Insolvenz schlittern, verlieren viele Menschen auf einen Schlag ihre Stelle. Zulieferer, Dienstleister und ganze Regionen spüren die Folgen.
Stille Schließungen bleiben unbemerkt
Neben den offiziellen Insolvenzverfahren schließen viele Betriebe still, ohne Insolvenzantrag. Sie lösen sich auf, bevor es zum formellen Verfahren kommt. Diese Fälle tauchen in keiner Statistik auf. Fachleute warnen, dass das wahre Ausmaß des Betriebssterbens damit deutlich größer ist, als die Zahlen zeigen.
Weitere Verschlechterung erwartet
Die schwache Konjunktur, hohe Energiekosten und gestiegene Zinsen belasten Unternehmen weiterhin. Viele Betriebe haben in den vergangenen Jahren Rücklagen aufgebraucht. Staatliche Hilfen aus der Pandemiezeit sind längst verbraucht.
BR24 berichtete im Dezember 2025, dass Fachleute eine Welle von Firmenschließungen für den Freistaat erwarten. Besonders der Mittelstand gilt als gefährdet. Kleine und mittelgroße Betriebe haben weniger Puffer, um wirtschaftliche Schocks abzufedern.
Bayern bundesweit auf Rang neun
Im bundesweiten Vergleich belegt Bayern Rang neun bei der Insolvenzbetroffenheit. Der Freistaat gilt traditionell als einer der wirtschaftlich stärksten Standorte Deutschlands, bleibt aber von der Entwicklung nicht verschont.
Die Branchen sind unterschiedlich stark betroffen. Bauwirtschaft, Handel und das Gastgewerbe verzeichnen überdurchschnittlich viele Pleiten. Diese Sektoren kämpften bereits in den Vorjahren mit strukturellen Problemen.



