Bayerns Radgesetz verfehlt Ziel: Niederbayern setzt aufs Auto
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Bayern gilt offiziell als Radlland. Das Radgesetz ist seit drei Jahren in Kraft. Doch auf Bayerns Straßen sieht die Realität anders aus: Viele Radfahrer meiden das Fahrrad aus Angst. Und in Niederbayern steigt die Zahl der Autos auf Rekordniveau.
Ein Gesetz, das kaum wirkt
Das bayerische Radgesetz sollte den Radverkehr stärken und verpflichtet Kommunen, die Fahrradinfrastruktur auszubauen. Der Effekt bleibt gering. Bayernweit werden nur etwa elf Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. In ländlichen Regionen wie Niederbayern liegt der Wert noch deutlich darunter.
München sticht heraus. Dort legen Radfahrer rund 21 Prozent aller Wege per Fahrrad zurück. Die Stadt profitiert von dichtem Radwegenetz und kurzen Distanzen. Außerhalb der Landeshauptstadt sieht die Lage oft völlig anders aus.
Niederbayern: Höchststand bei Autodichte
In Niederbayern hat die Autodichte einen historischen Höchststand erreicht. Mehr Autos pro Einwohner als je zuvor sind in der Region zugelassen. Das widerspricht dem erklärten Ziel der bayerischen Verkehrspolitik direkt.
Niederbayern ist ländlich geprägt. Weite Wege zwischen Dörfern und Arbeitsstätten lassen sich mit dem Rad kaum bewältigen. Der öffentliche Nahverkehr schließt diese Lücken nicht ausreichend. Das Auto bleibt für viele Pendler das einzige verlässliche Verkehrsmittel.
Pendlerin spricht von „Todeszonen“
Eine Pendlerin aus der Region beschreibt Straßenabschnitte, die sie täglich meidet, als „Todeszonen“. Schmale Fahrbahnen, fehlende Radwege und hohes Verkehrsaufkommen lassen viele Radfahrer dort auf das Rad verzichten. Die subjektive Gefahr ist ein zentrales Problem.
Dieses Sicherheitsgefühl entscheidet darüber, ob jemand das Rad nimmt oder ins Auto steigt. Fehlende Schutzstreifen, schlechte Beleuchtung und hohe Geschwindigkeiten auf Landstraßen schrecken ab. Das Radgesetz allein ändert daran nichts, solange die Infrastruktur nicht folgt.
Elektrorad als Hoffnungsträger mit Grenzen
Mehr als jeder dritte Bayer besitzt inzwischen ein Elektrorad. Die Bereitschaft zum Radfahren ist also grundsätzlich vorhanden. Doch ein E-Bike nützt wenig, wenn der Weg zur Arbeit über gefährliche Straßen ohne Radwege führt.
Das Elektrorad löst das Infrastrukturproblem nicht. Es macht das Radfahren bequemer, aber nicht sicherer. Wer Angst vor dem Verkehr hat, fährt auch mit Motorunterstützung kein Rad.
Was die Verkehrspolitik daraus lernen muss
Das bayerische Radgesetz war ein erster Schritt. Doch Gesetze allein verändern keine Gewohnheiten. Radverkehr braucht sichtbare, sichere und zusammenhängende Infrastruktur. Im ländlichen Raum fehlt genau das.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club führt regelmäßig seinen Fahrradklima-Test durch. Dabei zeigt sich: Selbst in München, dem Vorzeigebeispiel im Freistaat, droht das Ranking zu sinken. Radfahrer kritisieren die mangelnde Qualität bestehender Wege.
Für Niederbayern und andere ländliche Regionen fehlt bislang ein schlüssiges Konzept. Radwege entlang von Staatsstraßen, bessere Verbindungen zwischen Gemeinden und sichere Kreuzungen wären notwendige Schritte. Ohne diese Maßnahmen bleibt das Radgesetz eine politische Absichtserklärung.
Fazit
Bayern hat ein Radgesetz, aber keinen Radverkehr, der seinem Anspruch gerecht wird. Der historische Höchststand bei der Autodichte in Niederbayern ist ein klares Signal. Solange Radwege fehlen und Straßen als gefährlich gelten, steigen die Menschen ins Auto. Die Politik muss konkret investieren und nicht nur Gesetze verabschieden.


