Logistik

Bayerns Regionalzüge: Pünktlichkeit fällt auf historisches Tief

Bayerns Regionalzüge sind so unpünktlich wie seit der Bahnreform nicht mehr. Die Jahresstatistik der Bayerischen Eisenbahngesellschaft für 2025 belegt einen erneuten Rückgang. Nur noch 84,9 Prozent aller Regionalzüge und S-Bahnen erreichten ihr Ziel pünktlich. Das ist ein neuer Tiefstwert.

Zahlen auf dem Tiefpunkt

Die Pünktlichkeitsquote von 84,9 Prozent klingt auf den ersten Blick hoch. Doch der Wert setzt voraus, dass der Zug überhaupt fährt. Die Ausfallquote lag 2025 bei 6,9 Prozent. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine leichte Verbesserung. Trotzdem fiel fast jeder 14. Zug komplett aus.

Für Pendler bedeutet das: Verspätungen und Ausfälle gehören zum täglichen Betrieb. Wer regelmäßig auf den Nahverkehr angewiesen ist, plant längst Puffer ein.

Marode Infrastruktur als Hauptproblem

Ein zentraler Grund für die schlechten Werte sind Langsamfahrstellen wegen Gleismängeln. An rund 100 Stellen im bayerischen Schienennetz mussten Züge ihr Tempo drosseln. Diese Einschränkungen bringen Fahrpläne durcheinander. Verspätungen pflanzen sich auf das gesamte Streckennetz fort.

Besonders betroffen ist Ostbayern. Dort sind die Probleme laut der Jahresstatistik der Bayerischen Eisenbahngesellschaft überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Ältere Streckenabschnitte und ein Sanierungsstau der vergangenen Jahrzehnte machen sich bemerkbar.

Investitionen laufen, Wirkung kommt spät

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter von der CSU räumte das schlechte Ergebnis ein. Er forderte, dass die Modernisierung der Infrastruktur endlich deutlich vorankommt. Bernreiter sprach davon, dass man einen langen Atem brauche.

Tatsächlich laufen Sanierungsprogramme der Deutschen Bahn. Doch die Maßnahmen greifen nicht sofort. Baustellen auf dem Netz verursachen kurzfristig selbst Verspätungen. Der Weg zu einer besseren Pünktlichkeit führt also zunächst durch eine Phase weiterer Belastungen.

Wirtschaftliche Folgen für den Freistaat

Unpünktliche Züge sind nicht nur ein Ärgernis für Reisende. Sie haben handfeste wirtschaftliche Konsequenzen. Unternehmen, die auf verlässliche Pendlerverbindungen angewiesen sind, verlieren Arbeitszeit. Regionen mit schlechter Bahnanbindung haben Nachteile bei der Fachkräftegewinnung.

Der öffentliche Nahverkehr ist ein zentraler Standortfaktor. Das gilt besonders in einem Flächenland wie Bayern. Wer abseits der Ballungszentren lebt und arbeitet, braucht funktionierende Regionalzüge. Fehlende Zuverlässigkeit treibt Pendler ins Auto.

Wettbewerb unter den Betreibern

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft vergibt Nahverkehrsleistungen in Wettbewerbsverfahren. Verschiedene Bahnunternehmen betreiben die Strecken im Freistaat. Doch das eigentliche Problem liegt nicht bei den Betreibern. Das Schienennetz gehört der Deutschen Bahn. Mängel am Gleis sind deren Zuständigkeit.

Dieser strukturelle Zusammenhang macht Verbesserungen schwierig. Die Betreiber der Regionalzüge haben keinen direkten Einfluss auf den Zustand der Strecken. Sie sind abhängig von einer Infrastruktur, die nicht ihnen gehört.

Fazit: Strukturproblem ohne schnelle Lösung

Die neuen Zahlen sind ein Beleg für ein strukturelles Versagen. Jahrelang wurde zu wenig in das Schienennetz investiert. Die Folgen tragen nun täglich Hunderttausende Fahrgäste in Bayern. Kurzfristige Verbesserungen sind nicht zu erwarten. Die Sanierung eines maroden Netzes dauert Jahre. Solange das Grundproblem nicht gelöst ist, werden sich die Pünktlichkeitswerte kaum erholen.

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