Bayerns Steuerfahnder jagen Influencer mit KI-Technologie
Die bayerische Steuerfahndung greift durch. Eine neu gegründete Spezialeinheit durchleuchtet systematisch die Einnahmen von Influencern und Krypto-Anlegern. Dabei setzt sie auf künstliche Intelligenz. Die ersten Ergebnisse liegen vor: 550.000 Euro wurden bereits nachgefordert.
KI analysiert Millionen von Datensätzen
Finanzminister Albert Füracker hat die Einheit aufgebaut. Sie arbeitet mit moderner KI-Software, die große Datenmengen schnell auswertet. Aus ganz Deutschland stehen den Fahndern 211 Millionen Euro an potenziell unversteuerten Einnahmen zur Prüfung bereit. Dieser Betrag betrifft allein Bayern.
Die Hälfte dieser Summe haben die Ermittler bereits ausgewertet. Das Ergebnis: Nachzahlungen von 550.000 Euro. Die Zahl mag gering wirken. Doch die Fahnder sind noch lange nicht fertig.
Daneben stellte die Einheit im Dezember ein weiteres Auskunftsersuchen. Es richtete sich an eine große Influencer-Agentur. Zusätzlich wurde eine weitere Agentur angeschrieben. Beide sollen Daten zu Honoraren und Verträgen ihrer Klienten liefern.
Ein bundesweites Problem
Bayern steht mit seinem Vorgehen nicht allein. Auch andere Bundesländer haben das Thema erkannt. In Nordrhein-Westfalen ermittelt das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in Düsseldorf. Dort sollen Influencer den Fiskus um rund 300 Millionen Euro betrogen haben.
Die Düsseldorfer Ermittler analysieren ein Datenpaket von mehreren Social-Media-Plattformen. Es enthält rund 6.000 Datensätze. Im Fokus stehen Influencer, die trotz professioneller Auftritte und hoher Einnahmen keine Steuern zahlen.
Plattformdaten als Schlüssel
Soziale Netzwerke sind keine steuerfreien Zonen. Wer dort regelmäßig Produkte bewirbt und dafür Geld erhält, erzielt gewerbliche Einkünfte. Diese Einkünfte sind steuerpflichtig. Das gilt für Werbedeals genauso wie für Provisionen aus Affiliate-Programmen.
Plattformen wie Instagram, YouTube oder TikTok erfassen Reichweiten und Auszahlungen. Diese Daten können Behörden im Rahmen von Auskunftsersuchen anfordern. Die Steuerfahndung nutzt genau diesen Hebel.
Krypto-Anleger ebenfalls im Fokus
Neben Influencern nimmt die bayerische Einheit auch Krypto-Händler ins Visier. Gewinne aus dem Handel mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen sind in Deutschland steuerpflichtig. Wer Coins länger als ein Jahr hält, kann steuerfrei verkaufen. Wer darunter bleibt, zahlt Einkommensteuer.
Viele Anleger haben das offenbar nicht beachtet. Oder sie haben es bewusst ignoriert. Die KI-gestützte Analyse von Blockchain-Daten und Handelsplattformen macht es den Fahndern leichter, solche Fälle aufzudecken.
Technik gegen Steuerflucht
Der Einsatz von KI ist kein Zufall. Klassische Prüfmethoden stoßen bei der schieren Datenmenge schnell an Grenzen. Ein Algorithmus erkennt Muster und Auffälligkeiten in Sekunden. Verdächtige Fälle werden dann an menschliche Prüfer weitergeleitet.
Das spart Zeit und erhöht die Trefferquote. Für Steuersünder bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden, steigt deutlich.
Fazit: Signal an eine ganze Branche
Die 550.000 Euro Nachzahlungen sanieren keinen Staatshaushalt. Darum geht es auch nicht. Die bayerische Steuerfahndung sendet ein klares Signal: Wer im Netz Geld verdient, muss es dem Finanzamt melden. Die technischen Mittel dafür sind vorhanden. Und die Behörden setzen sie gezielt ein. Für Influencer und Krypto-Anleger, die bisher auf Unentdecktheit gesetzt haben, wird die Luft dünner.



