Bayerns Stromnetz hält stand: Versorgung auch im Winter gesichert
Das Stromnetz in Bayern steht unter Druck. Wind und Sonne liefern im Winter deutlich weniger Energie als im Sommer. Dennoch meldet das Bayernwerk einen stabilen Netzbetrieb. Der Netzbetreiber versorgt Millionen Haushalte, Unternehmen und Kommunen im Freistaat.
Winterlücke als strukturelle Herausforderung
Der Begriff „Winterlücke“ beschreibt ein bekanntes Problem der Energiewende. Photovoltaikanlagen produzieren in den Wintermonaten kaum Strom. Windkraft gleicht das nur teilweise aus. Die Nachfrage nach Strom ist gleichzeitig hoch.
Das Bayernwerk betreibt ein weitverzweigtes Verteilnetz in Bayern. Allein bis Mitte Dezember 2025 schloss das Unternehmen rund 60.000 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 2.000 Megawatt an das Netz an. Das zeigt das Tempo des Wandels.
Bayernwerk-Chef Stephan Westphal beschreibt das Netz mittlerweile als „wetterabhängiges Großkraftwerk“. Diese Formulierung macht deutlich: Das Netz der Zukunft funktioniert anders als das der Vergangenheit.
Netzausbau als Antwort auf die Energiewende
Das Unternehmen reagiert mit einem umfangreichen Ausbauprogramm. Tausende Kilometer neuer Stromleitungen sind geplant oder bereits im Bau. Ohne diese Infrastruktur lässt sich die steigende Einspeisung aus erneuerbaren Energien nicht bewältigen.
Westphal beschreibt die Transformation in drei Phasen. Die erste Phase ist der Anschluss neuer Erzeugungsanlagen. Die zweite Phase ist der Netzausbau. Die dritte Phase nennt er die „Entfesselung des neuen Energiesystems“.
Das klingt ambitioniert. Und es ist kostspielig. Die Investitionen in das Verteilnetz belasten die Netzentgelte, die Verbraucher zahlen. Dennoch gilt der Ausbau als unausweichlich.
Digitalisierung sichert den Betrieb
Neben dem physischen Ausbau setzt das Bayernwerk auf digitale Technologien. Intelligente Netze sollen helfen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. Besonders in Oberfranken erprobt das Unternehmen digitale Netzbetriebskonzepte.
Holger Grießhammer, SPD-Landtagsabgeordneter und Sprecher für Energiepolitik seiner Fraktion, betont die Bedeutung dieser Maßnahmen. Er sieht das Bayernwerk als wichtigen Akteur für die Versorgungssicherheit in der Region.
Digitale Steuerungssysteme erlauben es, auf Lastschwankungen schneller zu reagieren. Das ist wichtig, wenn dezentrale Erzeugungsanlagen das Netz belasten. Früher floss Strom von wenigen großen Kraftwerken zum Verbraucher. Heute speisen Hunderttausende Anlagen gleichzeitig ein.
Umrüstung von Bestandsanlagen läuft
Ein weiterer Baustein ist die Modernisierung bestehender Anlagen. Rund 315.000 Wechselrichter in älteren Photovoltaikanlagen mussten umgerüstet werden. Dieser Schritt war notwendig, um die Netzstabilität zu gewährleisten.
Wechselrichter wandeln den Gleichstrom aus Solaranlagen in netzfähigen Wechselstrom um. Ältere Modelle konnten bei Spannungsschwankungen das Netz destabilisieren. Die Umrüstung war technisch aufwendig, aber unvermeidlich.
Kommunen fordern Mitsprache beim Leitungsbau
Der Netzausbau betrifft auch Gemeinden direkt. In Schirmitz in der Oberpfalz etwa verläuft seit den 1920er-Jahren eine Hochspannungsleitung mitten durch den Ort. Bürgermeister Ernst Lenk hofft, dass eine geplante Sanierung die Möglichkeit bietet, die Leitung aus dem Ortsbild zu entfernen.
Solche Fälle zeigen: Der Netzausbau ist nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Aufgabe. Kommunen wollen mitgestalten. Das Bayernwerk muss dabei viele Interessen unter einen Hut bringen.
Fazit
Das Bayernwerk hält die Stromversorgung in Bayern auch unter schwierigen Winterbedingungen stabil. Der Weg dorthin ist teuer und technisch anspruchsvoll. Digitalisierung, Netzausbau und die Modernisierung von Bestandsanlagen greifen dabei ineinander. Das Energiesystem Bayerns befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Ob das Tempo ausreicht, entscheidet sich in den kommenden Jahren.