Bayerns Windkraft-Ausbau stockt: Kaum Fortschritt in Sicht
Bayern kommt beim Ausbau der Windkraft kaum vom Fleck. Lediglich drei neue Windräder gingen zuletzt im Freistaat ans Netz. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatte einen deutlichen Ausbauschub angekündigt. Die Realität sieht anders aus.
Ernüchternde Bilanz beim Windkraftausbau
Deutschland hat sich ehrgeizige Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien gesetzt. Bayern hinkt dabei deutlich hinterher. Bundesweit wurden zuletzt mehrere hundert neue Windräder pro Jahr errichtet. Im Freistaat dagegen bewegt sich die Zahl im einstelligen Bereich.
Der Grund liegt vor allem in der sogenannten 10-H-Regel. Diese Abstandsregelung schreibt vor, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnbebauung entfernt stehen muss. Bei modernen Anlagen mit 200 Metern Höhe bedeutet das: zwei Kilometer Mindestabstand. In einem dicht besiedelten Bundesland wie Bayern ist geeignetes Gelände damit selten.
Aiwangers Versprechen und die politische Wende
Die bayerische Staatsregierung hatte die 10-H-Regel 2014 eingeführt. Sie galt lange als größtes Hindernis für die Windkraft im Freistaat. Erst unter dem Druck der Bundesregierung lockerte Bayern die Regelung. Seit 2023 gelten in bestimmten Gebieten, etwa in Staatsforsten, erleichterte Bedingungen.
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sprach daraufhin von einem Turbo für die Windenergie in Bayern. Er kündigte an, den Ausbau massiv voranzutreiben. Konkrete Zahlen nannte er dabei selten. Die Realität zeigt: Von einem Turbo ist wenig zu spüren.
Genehmigungsverfahren als zentrales Hemmnis
Selbst dort, wo Flächen grundsätzlich verfügbar sind, dauern Genehmigungsverfahren oft Jahre. Behörden prüfen Umweltverträglichkeit, Artenschutz und Schallimmissionen. Klagen von Anwohnern und Naturschutzverbänden verzögern Projekte zusätzlich.
Windkraftbetreiber beklagen bürokratische Hürden auf allen Ebenen. Vom ersten Antrag bis zur Inbetriebnahme vergehen in Bayern im Schnitt mehrere Jahre. Andere Bundesländer wie Brandenburg oder Schleswig-Holstein genehmigen Anlagen deutlich schneller.
Bayerns Energiebedarf wächst, die Erzeugung nicht
Bayern ist ein Industrieland mit hohem Energiebedarf. Große Konzerne wie BMW, Siemens oder MAN haben ihren Sitz im Freistaat. Gleichzeitig läuft der letzte Kernkraftblock im April 2023 vom Netz gegangen. Die Lücke muss durch andere Quellen geschlossen werden.
Die Windkraft könnte dabei eine zentrale Rolle spielen. Bayern hat durchaus windreiche Regionen, vor allem in den Mittelgebirgslagen des Bayerischen Waldes, der Rhön oder des Fichtelgebirges. Das Potenzial wird bisher kaum genutzt.
Photovoltaik als Ausweg, aber kein Ersatz
Bayern setzt stark auf Solarenergie. Bei der installierten Photovoltaikleistung liegt der Freistaat bundesweit an der Spitze. Doch Solarstrom hat einen entscheidenden Nachteil: Er wird vor allem im Sommer und tagsüber erzeugt. Im Winter und nachts fehlt er.
Windkraft erzeugt dagegen auch im Winter verlässlich Strom. Eine ausgewogene Energieversorgung braucht beide Technologien. Experten sind sich einig: Ohne mehr Windräder wird Bayern seine Klimaziele nicht erreichen.
Fazit: Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander
Drei neue Windräder in einem Jahr sind für ein Bundesland der Größe und Wirtschaftskraft Bayerns keine Erfolgsmeldung. Die politischen Ankündigungen klingen ambitioniert. Die Genehmigungspraxis und die gesetzlichen Rahmenbedingungen halten jedoch dagegen.
Will Bayern seinen Energiebedarf künftig aus eigenen Quellen decken, braucht es mehr als Worte. Schnellere Genehmigungsverfahren, klare Flächenausweisungen und weniger bürokratische Hürden sind notwendige Schritte. Die Zeit dafür wird knapper.