Energiewirtschaft

Bayerns Windkraft verliert im Förderwettbewerb gegen den Norden

Hundert genehmigte Windräder stehen in Bayern bereit. Gebaut werden sie trotzdem nicht. Ihnen fehlt ein EEG-Zuschlag, also die staatliche Förderung. Ohne diese Förderung rechnen sich die Projekte nicht. Bayern steckt in einer Windkraft-Förderfalle.

Norddeutschland dominiert die Ausschreibungen

Der Grund liegt im Ausschreibungssystem des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Betreiber aus ganz Deutschland konkurrieren um Förderzuschläge. Wer günstiger anbietet, gewinnt. Norddeutsche Projekte haben dabei einen strukturellen Vorteil: Der Wind weht dort stärker und konstanter. Die Erzeugungskosten pro Kilowattstunde sind entsprechend niedriger. Bayerische Anbieter können da kaum mithalten.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger kritisiert das Verfahren scharf. Er wirft der Bundesnetzagentur eine systematische Benachteiligung des Südens vor und fordert Änderungen am Ausschreibungsmodell. Konkret geht es um das sogenannte Referenzertragsmodell, das standortabhängige Windverhältnisse berücksichtigen soll. Der Bundesverband Windenergie warnte, dass Anlagen in Bayern ohne dieses Modell kaum noch wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Das Ziel von 1000 Windrädern bis 2030 wackelt

Aiwanger hatte das Ziel ausgegeben: 1000 neue Windräder bis 2030. Dieses Ziel sieht er selbst in Gefahr. Derzeit fehlen bereits 100 genehmigten Anlagen die notwendigen Zuschläge. Ohne Förderung kein Bau.

Bayern steht ohnehin unter Druck. Bis 2032 muss der Freistaat mindestens 1,1 Prozent seiner Landesfläche für Windkraft ausweisen. Derzeit liegt Bayern weit unter dieser Marke.

Die 10-H-Regel hat Jahre gekostet

Die Probleme haben eine lange Vorgeschichte. Im Jahr 2014 führte Ministerpräsident Horst Seehofer die 10-H-Regelung ein. Windräder mussten fortan einen Mindestabstand von der zehnfachen Anlagenhöhe zur nächsten Wohnbebauung einhalten. Bei modernen Anlagen mit 200 Metern Höhe bedeutet das zwei Kilometer Abstand. Geeignete Flächen wurden damit drastisch reduziert.

Der Windkraft-Ausbau in Bayern kam nahezu zum Erliegen. Im ersten Quartal eines Jahres zählten neue Genehmigungen lediglich einstellig. Teilweise wurden gar keine neuen Anlagen genehmigt. Branchenvertreter Matthias Grote vom BWE Bayern klagte, dass in dieser Zeit bereits Tausende Arbeitsplätze in der Windkraftbranche verloren gingen.

Lohnt sich Windkraft im Süden überhaupt?

Die Windverhältnisse in Südbayern sind schwächer als im Norden. Dennoch gibt es Standorte, an denen Windkraft wirtschaftlich betrieben werden kann. Ein Beispiel ist der geplante Großwindpark im Chemiedreieck, wo Investoren prüfen, ob ausreichend Wind für rentable Anlagen weht.

Das grundsätzliche Problem bleibt: Selbst wenn ein Standort technisch geeignet ist, müssen die Betreiber im bundesweiten Bieterwettbewerb bestehen. Dort verlieren sie regelmäßig gegen die günstigeren nordseenaheren Projekte.

Branche fordert regionale Förderkorridore

Die Windkraftbranche dringt auf ein reformiertes Ausschreibungsmodell. Gefordert werden regionale Ausschreibungskorridore, die schwächere Windstandorte im Süden separat berücksichtigen. So könnten bayerische Projekte nicht mehr direkt gegen norddeutsche Standorte antreten.

Ob der Bund diese Forderung aufgreift, ist offen. Die Bundesnetzagentur hat sich bislang nicht auf konkrete Reformschritte festgelegt. Bayern ist mit diesem Problem nicht allein: Auch Baden-Württemberg und Thüringen kämpfen mit ähnlichen strukturellen Nachteilen im Ausschreibungssystem.

Strukturreform oder verfehlte Ziele

Die politischen Ziele beim Windkraftausbau sind ambitioniert, die Rahmenbedingungen bremsen den Fortschritt. Die 10-H-Regel hat Jahre gekostet, das aktuelle Fördersystem benachteiligt schwächere Windstandorte im Süden strukturell. Ohne Reform der EEG-Ausschreibungen dürfte das Ziel von 1000 neuen Windrädern bis 2030 kaum zu erreichen sein. Aiwanger hat das Problem angesprochen. Gehandelt werden muss aber in Berlin.

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