Bayerns Wohnungsbau: Einbruch ohne Ende in Sicht
Bayern baut zu wenig. Viel zu wenig. Der Wohnungsbau im Freistaat steckt in einer tiefen Krise, und ein Ausweg ist nicht erkennbar. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ist auf rund 36.000 pro Jahr gesunken. Zum Vergleich: In Boomjahren wurden noch mehr als 62.000 Wohnungen jährlich gebaut. Der Rückgang ist dramatisch.
Genehmigungen brechen ein
Der Absturz beginnt nicht auf der Baustelle, sondern im Genehmigungsamt. Bereits im ersten Quartal 2023 brach die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen im Jahresvergleich um fast 29 Prozent auf rund 15.000 ein. Weniger Genehmigungen bedeuten weniger Baustarts. Weniger Baustarts bedeuten weniger fertige Wohnungen, und zwar in zwei bis drei Jahren.
Diese Verzögerung macht die Lage besonders ernst. Die Konsequenzen der aktuellen Genehmigungseinbrüche werden den Wohnungsmarkt noch Jahre belasten. Die Branche spricht von einem strukturellen Problem, nicht von einer vorübergehenden Delle.
Hohe Kosten bremsen Bauherren aus
Die Ursachen sind bekannt. Gestiegene Bauzinsen, hohe Material- und Energiekosten sowie strenge energetische Anforderungen verteuern das Bauen massiv. Für viele Investoren rechnen sich Projekte schlicht nicht mehr. Private Häuslebauer scheitern an der Finanzierung. Beide Gruppen ziehen sich vom Markt zurück.
Auch in der Bauindustrie selbst hinterlässt die Krise Spuren. Unternehmen bauen Personal ab. Fachkräfte verlassen die Branche. Das verschärft den Engpass zusätzlich, wenn die Nachfrage irgendwann wieder anzieht.
Druck auf den Mietmarkt wächst
Auf der anderen Seite steigt der Bedarf ungebremst. Bayerns Großstädte, allen voran München, Nürnberg und Augsburg, verzeichnen anhaltenden Zuzug. Der Wohnraummangel ist eklatant. Wer keine Wohnung kaufen kann oder will, bleibt Mieter. Und weil das Angebot an Mietwohnungen sinkt, steigen die Mieten.
Der Druck auf den Mietwohnungsmarkt hat sich laut Marktbeobachtern in den vergangenen Monaten spürbar verschärft. Bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware, besonders für Normalverdiener und Familien.
Staatliche Förderung als Notlösung
Die bayerische Staatsregierung reagiert mit Förderprogrammen. Das sogenannte Bayern-Darlehen wurde verlängert, um zumindest einen Teil der potenziellen Bauherren zu stützen. Das Programm richtet sich vor allem an Familien mit mittlerem Einkommen.
Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist fraglich. Fördergelder können steigende Baukosten nur teilweise abfedern. Ohne eine strukturelle Entspannung bei Material-, Energie- und Finanzierungskosten dürfte die Wirkung begrenzt bleiben.
Kein schnelles Ende der Krise
Die Bauindustrie rechnet nicht mit einer raschen Erholung. Solange die Zinsen auf erhöhtem Niveau bleiben und Baukosten nicht sinken, fehlt der Anreiz für neue Projekte. Der Markt wartet auf bessere Bedingungen. Doch diese lassen auf sich warten.
Bayern steuert damit auf ein ernstes strukturelles Problem zu. Der Freistaat gilt als wirtschaftsstärkste Region Deutschlands. Doch ohne ausreichend Wohnraum droht die Attraktivität als Wirtschafts- und Lebensstandort zu leiden. Fachkräfte, die keine Wohnung finden, kommen nicht. Unternehmen, die keine Fachkräfte finden, siedeln sich anderswo an.
Fazit
Der bayerische Wohnungsbau steckt in einer Krise mit harten Zahlen: von über 62.000 fertiggestellten Wohnungen im Jahr auf rund 36.000, und der Boden ist noch nicht erreicht. Hohe Kosten, einbrechende Genehmigungen und ein schrumpfender Personalbestand in der Baubranche lassen keine schnelle Wende erkennen. Gleichzeitig wächst der Druck auf den Mietmarkt. Bayern braucht dringend mehr Wohnraum. Die Mittel dazu fehlen derzeit auf allen Ebenen.