
Bernreiter warnt: Bahnwettbewerb schadet dem ländlichen Raum
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) warnt vor den Folgen des wachsenden Wettbewerbs im Schienenfernverkehr. Neue Anbieter drängen auf die lukrativen Strecken zwischen Großstädten. Das könnte den Regionalverkehr auf dem Land schwächen, befürchtet der Minister.
Wettbewerb auf der Schiene
Der Fernverkehr auf der Schiene öffnet sich. Neue Anbieter bewerben sich um Lizenzen und wollen auf stark frequentierten Strecken Geld verdienen. München, Berlin, Hamburg: Diese Verbindungen sind attraktiv. Das flache Land dazwischen ist es weniger.
Bernreiter sieht darin ein strukturelles Problem. Wer nur auf profitable Routen setzt, lässt den ländlichen Raum außen vor. Die Bahn als Flächeninfrastruktur gerät dann unter Druck. Für viele Menschen in Bayern ist der Zug keine Option, sondern Notwendigkeit.
Abseits der Metropolen fahren die Züge langsamer. Die Verbindungen sind dennoch unverzichtbar. Berufspendler, Schüler und ältere Menschen sind auf ein funktionierendes Netz angewiesen. Ein reiner Marktwettbewerb bildet diese Realität nicht ab.
Bernreiter fordert Regulierung bei Lizenzvergabe
Der bayerische Verkehrsminister hat deshalb die Bundesnetzagentur direkt angesprochen. Die Behörde vergibt Lizenzen an neue Fernverkehrsanbieter. Bernreiter fordert, dass dabei der ländliche Raum ausdrücklich berücksichtigt wird.
Sein Appell an die Bundesnetzagentur ist klar: Ein stabiles System muss den Bahnverkehr in der Fläche garantieren, nicht zusätzlich erschweren. Die Behörde solle den Blick dafür nicht verlieren.
Bernreiter kritisiert das aktuelle Wettbieten um Fernverkehrstrassen als problematisch. Wenn neue Anbieter bevorzugt behandelt werden, droht die Gesamtversorgung zu leiden. Der Regionalverkehr hängt am gleichen Netz wie der Fernverkehr.
Ländlicher Raum braucht verlässliche Verbindungen
Bayern ist ein Flächenland. Zwischen München und den ländlichen Regionen Niederbayerns, der Oberpfalz oder des Allgäus liegen infrastrukturell wie wirtschaftlich große Unterschiede. Genau deshalb hat der Schienenverkehr dort eine andere Bedeutung als im Ballungsraum.
Ein Zug, der ausfällt, ist in München ein Ärgernis. In einer Kleinstadt ohne Busverbindung ist er eine Katastrophe. Wer dort kein Auto hat, steht buchstäblich still. Diese Asymmetrie muss die Politik im Blick behalten.
Bernreiter will deshalb, dass Lizenzen nicht allein nach wirtschaftlichen Kriterien vergeben werden. Wer Fernverkehr in Deutschland betreiben will, soll auch zum Gesamtsystem beitragen. Eine reine Rosinenpickerei auf Kosten der Fläche darf es nicht geben.
Netzauslastung als Kernproblem
Das Schienennetz in Deutschland ist knapp. Verspätungen und Störungen sind Alltag. Neue Anbieter im Fernverkehr bringen zusätzliche Züge auf dasselbe Netz und erhöhen den Koordinationsaufwand erheblich.
Regionalzüge konkurrieren auf vielen Abschnitten direkt mit Fernverkehrsverbindungen um Trassen. Den Kürzeren zieht meistens der Regionalverkehr. Das betrifft vor allem Strecken in Bayern, die nicht zu den bundesweiten Hauptkorridoren gehören.
Bernreiter fordert politische Steuerung, bevor der Markt allein entscheidet. Die Bundesnetzagentur ist der richtige Adressat. Sie hat die Instrumente, um gegenzusteuern.
Fläche braucht politische Stimme
Marktöffnung im Schienenverkehr ist grundsätzlich sinnvoll, braucht aber Leitplanken. Ohne Regulierung droht eine Zweiklassengesellschaft auf der Schiene: gut versorgte Städte auf der einen, abgehängte Regionen auf der anderen Seite.
Bayern hat als bevölkerungsreiches Flächenland ein besonderes Interesse an einer fairen Verteilung. Bernreiter hat sein Anliegen an die Bundesnetzagentur adressiert. Ob die Behörde es aufnimmt, wird sich bei den nächsten Lizenzvergaben zeigen.

