Handel

Billiger Sprit im Ausland: Bayerns Grenzregionen verlieren Kunden

Volle Tanks zu niedrigeren Preisen: Für viele Bayern in Grenznähe ist der Ausflug zur ausländischen Tankstelle längst Routine. Österreich, Tschechien und Luxemburg locken mit deutlich günstigeren Kraftstoffpreisen. Bayerische Tankstellenbetreiber spüren das direkt in ihrer Kasse.

Preisunterschied treibt Kunden ins Ausland

Der Unterschied beim Dieselpreis zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern ist erheblich. In Österreich und Tschechien liegt der Preis pro Liter regelmäßig zehn bis zwanzig Cent unter dem deutschen Niveau. Bei einem vollen Tank von 60 Litern spart ein Fahrer damit bis zu zwölf Euro.

Für Pendler und Vielfahrer lohnt sich der Umweg zur Grenze also schnell. Besonders Lkw-Fahrer und Handwerksbetriebe mit großem Fuhrpark weichen systematisch auf ausländische Tankstellen aus. Der Effekt ist in der Grenzregion deutlich messbar.

Bayerische Tankstellen unter Druck

Tankstellenbetreiber im bayerischen Grenzgebiet berichten von sinkenden Absatzmengen. Betroffen sind vor allem Stationen im Landkreis Passau, im Berchtesgadener Land und in der Region Bayerischer Wald. Diese Lagen liegen in kurzer Fahrdistanz zu Österreich oder Tschechien.

Kleinere Tankstellen trifft das besonders hart. Ihr Geschäftsmodell basiert auf hohem Durchsatz. Wer weniger Kraftstoff verkauft, kann auch das angeschlossene Shop-Geschäft kaum aufrechterhalten. Manche Betreiber reduzieren bereits ihre Öffnungszeiten.

Auch der Einzelhandel leidet

Das Problem reicht über die Tankstellen hinaus. Wer ins Ausland fährt, um zu tanken, kauft dort auch ein. Supermärkte, Bäckereien und Gaststätten in der Nähe ausländischer Tankstellen profitieren von deutschen Kunden. Der bayerische Handel bleibt dabei außen vor.

Volkswirte sprechen in solchen Fällen von einem sogenannten Kaufkraftabfluss. Geld, das in Bayern verdient wird, fließt in die Nachbarländer. Für strukturschwache Grenzregionen ist das eine zusätzliche Belastung.

Hohe Steuern als Ursache

Die Wurzel des Problems liegt in der deutschen Steuerpolitik. Deutschland erhebt auf Kraftstoffe eine vergleichsweise hohe Energiesteuer. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Das Ergebnis ist ein Preisniveau, das europaweit zu den höchsten gehört.

Österreich besteuert Kraftstoffe ebenfalls, jedoch auf niedrigerem Niveau. Tschechien liegt noch darunter. Eine Angleichung der Steuersätze innerhalb der EU gibt es bislang nicht. Jedes Land setzt seine Energiesteuern eigenständig fest.

Politische Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt

Bayern kann die Steuerpolitik beim Kraftstoff nicht alleine ändern. Energiesteuern sind Bundessache. Eine Absenkung müsste in Berlin beschlossen werden. Auf EU-Ebene diskutieren die Mitgliedsstaaten zwar eine stärkere Harmonisierung der Energiebesteuerung. Konkrete Beschlüsse lassen jedoch auf sich warten.

Der Freistaat hat kaum direkte Instrumente, um den Tanktourismus einzudämmen. Subventionen für heimische Tankstellen sind europarechtlich problematisch. Fördergelder für betroffene Regionen können allenfalls indirekt helfen.

Strukturwandel an der Grenze

Langfristig verändert der Tanktourismus die Wirtschaftsstruktur in den betroffenen Regionen. Tankstellen, die schließen, fehlen als Infrastruktur. Gerade in ländlichen Gebieten Niederbayerns und der Oberpfalz gibt es bereits dünne Versorgungsnetze.

Der Trend zur Elektromobilität könnte das Problem mittelfristig abschwächen. Wer ein Elektroauto fährt, tankt zu Hause oder an Ladepunkten. Die Motivation für eine Grenzfahrt entfällt. Doch der Umstieg auf Elektroantrieb geht langsam. Bis dahin bleibt der Preisunterschied beim Sprit ein handfestes Problem für bayerische Grenzkommunen.

Fazit

Tanktourismus ist kein neues Phänomen, aber er bleibt wirtschaftlich schmerzhaft für bayerische Grenzregionen. Hohe deutsche Kraftstoffsteuern machen das Ausland attraktiv. Tankstellen verlieren Kunden, der lokale Handel büßt Kaufkraft ein. Kurzfristige Lösungen sind kaum in Sicht. Bayerische Grenzkommunen müssen sich auf einen anhaltenden Strukturdruck einstellen.

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