Fischerei

Bodensee-Felchen: Fünf Staaten geben Fang ab Mai 2027 frei

Drei Jahre lang war Schluss mit dem Felchenfang am Bodensee. Jetzt haben fünf Anrainerstaaten gemeinsam entschieden: Ab dem 1. Mai 2027 darf wieder gefischt werden. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei, kurz IBKF, hat grünes Licht gegeben. Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein tragen den Beschluss gemeinsam mit.

Eine Delikatesse mit Geschichte

Der Felchen gehört am Bodensee zur kulinarischen Tradition. Touristen und Einheimische schätzen den Fisch seit Generationen. Restaurants rund um den See bieten ihn als regionales Highlight an. Doch der Bestand geriet unter Druck. Die Fangerträge sanken über Jahre hinweg deutlich ab. Die zuständigen Behörden reagierten mit einer vollständigen Schonzeit.

Diese Maßnahme war keine leichte Entscheidung. Berufsfischer am Bodensee verloren damit eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen. Der Felchen macht traditionell einen erheblichen Teil des wirtschaftlichen Ertrags der regionalen Fischerei aus. Drei Jahre mussten die Fischer auf diesen Fang verzichten.

Warum der Bestand zurückging

Der Rückgang der Felchenbestände hat mehrere Ursachen. Der Bodensee gilt heute als sehr nährstoffarm. Das klingt zunächst positiv, schadet dem Felchen aber direkt. Der Fisch braucht ausreichend Plankton als Nahrung. Fehlt dieses, wachsen die Tiere langsamer und pflanzen sich schlechter fort.

Hinzu kommen veränderte Wassertemperaturen. Der See hat sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar erwärmt. Das verändert die Lebensbedingungen für kälteliebende Fischarten. Felchen reagieren sensibel auf solche Veränderungen. Die Kombination aus Nährstoffarmut und wärmerem Wasser setzte dem Bestand stark zu.

Strenge Regeln für den Neustart

Die Freigabe ab 2027 kommt mit klaren Bedingungen. Die Auflagen sind deutlich strenger als vor der Schonzeit. Konkrete Details zu Fangmengen und Schonmaßen haben die IBKF-Mitglieder festgelegt. Ziel ist es, eine erneute Überfischung zu verhindern.

Die Fischereibehörden der beteiligten Länder werden die Entwicklung des Bestands engmaschig beobachten. Regelmäßige Bestandserhebungen sollen sicherstellen, dass sich die Population stabil erholt. Sollten die Zahlen wieder sinken, können die Behörden schnell eingreifen.

Die internationale Zusammenarbeit über den Bodensee hinweg ist dabei entscheidend. Der See teilt sich auf mehrere Hoheitsgebiete auf. Nur gemeinsame Regeln sind wirksam. Die IBKF koordiniert diese Abstimmung seit Jahrzehnten.

Bedeutung für die regionale Wirtschaft

Für die Berufsfischer am Bodensee ist die Entscheidung ein wichtiges Signal. Der Neustart ab Mai 2027 gibt ihnen Planungssicherheit. Viele Betriebe haben in den vergangenen drei Jahren auf andere Fischarten ausgewichen. Hecht, Barsch und Zander ersetzten den Felchen zumindest teilweise.

Doch keine andere Art hat am Bodensee den wirtschaftlichen Stellenwert des Felchens. Restaurants und Direktvermarkter warten auf seine Rückkehr. Auch der Tourismus profitiert: Regionale Küche mit Bodensee-Felchen ist ein Verkaufsargument für die gesamte Region.

Wasserburg am Bodensee, einer der bekanntesten Fischerorte am bayrischen Seeufer, steht stellvertretend für viele Gemeinden, die auf diesen Schritt gewartet haben.

Fazit

Die Freigabe des Felchenfangs ab 2027 ist ein vorsichtiger Neustart. Die Schonzeit hat dem Bestand Zeit gegeben, sich zu erholen. Ob das reicht, zeigen die kommenden Fangsaisons. Die strengeren Auflagen sind ein notwendiges Instrument. Sie sollen verhindern, dass die Fischerei erneut an ihre eigenen Grenzen stößt. Für die bayerischen Berufsfischer am Bodensee beginnt jedenfalls ein neues Kapitel.

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