Versicherung & Finanzen

Börsengehandelte Indexfonds verdrängen das klassische Sparbuch

Das Sparbuch gilt seit Jahrzehnten als Symbol für deutsche Sparsamkeit. Doch das Verhalten der Anleger ändert sich. Börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, werden zur bevorzugten Anlageform einer neuen Generation. Auch in Bayern greifen immer mehr Menschen selbst zum Depot.

Was ein ETF überhaupt ist

ETF steht für Exchange Traded Fund, auf Deutsch: ein börsengehandelter Fonds. Der Unterschied zu einem klassischen Investmentfonds liegt im Handel. ETFs werden direkt über die Börse gekauft und verkauft, ein klassischer Fonds läuft über eine Fondsgesellschaft. Das macht ETFs flexibler und in der Regel günstiger.

ETFs bilden einen Index ab. Das können bekannte Indizes sein wie der MSCI World, der S&P 500 oder der DAX. Wer in einen solchen Fonds investiert, kauft damit einen Anteil an Hunderten oder sogar Tausenden Unternehmen gleichzeitig. Das Risiko verteilt sich breit. Kein einzelnes Unternehmen kann das gesamte Investment zum Absturz bringen.

Sparbuch versus ETF: Ein Vergleich der Renditen

Das Sparbuch bietet Sicherheit. Das ist sein stärkstes Argument. Doch diese Sicherheit hat einen Preis. Die Zinsen auf Spareinlagen liegen seit Jahren auf niedrigem Niveau. Inflation frisst die Kaufkraft des Ersparten auf.

ETFs auf breite Indizes haben langfristig historisch rund sieben bis acht Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Das ist kein garantierter Wert. Die Kurse schwanken. Wer kurzfristig verkauft, kann Verluste einfahren. Wer langfristig investiert, hat historisch betrachtet gut abgeschnitten.

Der Vermögensverwalter BlackRock bewirbt seine ETF-Marke iShares bereits als das Sparbuch der Zukunft. Das zeigt, wie sehr sich das Anlagedenken in der Branche verschoben hat.

Was aus 100.000 Euro werden kann

Wer 100.000 Euro auf dem Sparbuch parkt, verliert real an Kaufkraft. Die Inflation übersteigt die Sparzinsen. Wer dieselbe Summe breit gestreut in ETFs anlegt, hat historisch betrachtet die Chance auf deutlichen Wertzuwachs. Langfristig kann sich das angelegte Kapital bei entsprechenden Renditen vervielfachen. Garantien gibt es dabei nicht. Das Risiko bleibt Teil des Geschäfts.

Jüngere Anleger gehen voran

Anleger unter 40 Jahren investieren deutlich häufiger in ETFs, Einzelaktien und Kryptowährungen als ältere Generationen. Sie beschäftigen sich intensiver mit ihrer privaten Altersvorsorge. Das klassische Sparbuch verliert in dieser Gruppe an Bedeutung.

Trading-Apps und Online-Broker senken die Einstiegshürde. Depots lassen sich in wenigen Minuten eröffnen. ETF-Sparpläne starten oft schon ab einem Euro pro Monat. Das macht die Geldanlage zugänglich, auch ohne großes Startkapital.

Online-Broker versus klassische Bank

Wer in ETFs investieren will, braucht ein Depot. Die Kosten dafür unterscheiden sich erheblich. Finanztest hat die Depotkosten von 28 Banken, Online-Brokern und Neobrokern verglichen. Die Unterschiede sind deutlich. Neobroker und Online-Broker arbeiten oft mit sehr günstigen Konditionen. Klassische Filialbanken verlangen häufig höhere Gebühren.

Günstige Konditionen sparen über die Jahre viel Geld. Wer regelmäßig spart, sollte die Kosten im Blick behalten. Hohe Gebühren schmälern die Rendite spürbar.

Risiken nicht ausblenden

ETFs sind kein Allheilmittel. Die Kurse von Aktienindizes schwanken. In Krisen können Depots deutlich an Wert verlieren. Wer Geld kurzfristig benötigt, sollte es nicht in ETFs stecken. Ein finanzielles Polster auf einem Tagesgeldkonto bleibt sinnvoll.

Außerdem ist ein ETF nur so breit gestreut wie der Index, den er abbildet. Wer ausschließlich auf einen regionalen Index setzt, trägt mehr Klumpenrisiko als jemand, der weltweit investiert. Der MSCI World etwa umfasst Unternehmen aus mehr als 20 Ländern.

Fazit

Das Sparbuch verliert seine Rolle als Standard-Anlageform. ETFs haben langfristig deutlich bessere Renditechancen, sind zugänglich, kostengünstig und breit gestreut. Wer bereit ist, Kursschwankungen auszusitzen, hat mit ETF-Sparplänen ein solides Werkzeug für den Vermögensaufbau. Sicherheit und Rendite lassen sich nicht vollständig vereinen. Wer höhere Erträge will, muss Risiko akzeptieren. Das bleibt die Grundregel jeder Geldanlage.

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