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Brauerei seit 1308: Insolvenz trifft Kaufbeurer Traditionshaus

Seit mehr als 700 Jahren wird in Kaufbeuren Bier gebraut. Nun hat die traditionsreiche Brauerei, deren Geschichte bis ins Jahr 1308 zurückreicht, Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen steht damit sinnbildlich für eine Krise, die den gesamten deutschen Brauereibetrieb erfasst hat.

Produktion läuft trotz Insolvenz weiter

Der Insolvenzantrag bedeutet nicht das sofortige Ende des Braubetriebs. Der Bayerische Rundfunk berichtet, dass der Standort Kaufbeuren nicht zur Disposition steht. Betrieb und Produktion sollen weiterlaufen. Das ist eine wichtige Botschaft für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen.

In Insolvenzverfahren dieser Art wird zunächst ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Dieser prüft die wirtschaftliche Lage und sucht nach Wegen zur Sanierung. Ziel ist es, das Unternehmen zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern.

Kein Einzelfall: Brauereisterben in Bayern und Deutschland

Die Kaufbeurer Brauerei ist kein Einzelfall. In derselben Woche meldete auch die Brauerei Ott aus dem schwäbischen Bad Schussenried Insolvenz an. Der deutsche Biermarkt gerät an mehreren Stellen gleichzeitig unter Druck.

Auch die Gesellschaftsbrauerei Viechtach aus dem Bayerischen Wald musste diesen Weg gehen. Das Unternehmen hatte mehr als 450 Jahre Geschichte. Den Sprung aus der Insolvenz schaffte es nicht. Der Betrieb wurde eingestellt.

In Regensburg traf es die Brauerei Bischofshof. Das Haus mit knapp 400-jähriger Geschichte stand vor dem Aus. Dort wurde eine Zusammenarbeit mit der Schneider Weisse als möglicher Ausweg diskutiert. Auch die Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum, bekannt für ihr Karamalz, beantragte Ende Oktober 2025 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Strukturwandel setzt kleinen Brauereien zu

Die Ursachen für die Insolvenzen sind vielfältig. Der Bierkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren. Gleichzeitig steigen Energie- und Rohstoffkosten. Kleine und mittelgroße Brauereien geraten dadurch besonders stark unter Druck.

Hinzu kommt der Verdrängungswettbewerb durch große Konzerne und die wachsende Konkurrenz durch alkoholarme und alkoholfreie Getränke. Craft-Bier-Trends helfen einigen kleinen Betrieben, andere hingegen kämpfen schlicht ums Überleben.

Im Fall der Kaufbeurer Brauerei soll eine zurückgezogene Finanzierungszusage eine entscheidende Rolle gespielt haben. Das Unternehmen stand offenbar kurz vor einer Lösung, die den Betrieb hätte retten können. Dann zog der potenzielle Geldgeber zurück.

Regionale Bedeutung der Brauerei

Für Kaufbeuren hat die Brauerei mehr als wirtschaftliche Bedeutung. Über Jahrhunderte gehörte sie zur Identität der Stadt im Allgäu. Lokale Gastronomie, Feste und die regionale Bierkultur sind mit dem Namen verbunden.

Genau deshalb ist die Ankündigung, den Standort zu erhalten, für die Region wichtig. Arbeitsplätze und ein Stück lokaler Geschichte hängen daran. Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, ist derzeit nicht öffentlich bekannt.

Was kommt nach dem Insolvenzantrag?

Das Insolvenzverfahren eröffnet nun verschiedene Szenarien. Eine Sanierung aus eigener Kraft ist möglich, aber selten. Wahrscheinlicher ist die Suche nach einem Investor oder Käufer. Dieser könnte die Marke und den Betrieb fortführen.

Das Beispiel Viechtach zeigt, wie es auch ausgehen kann: Die Brauerei schloss, die Frage nach der Marke blieb offen. Solche Ausgänge sind für Regionen schmerzhaft. Für Kaufbeuren bleibt zu hoffen, dass das Verfahren einen anderen Weg nimmt.

Fazit: Ein Strukturproblem, kein Einzelschicksal

Die Insolvenz der Kaufbeurer Brauerei mit über 700-jähriger Geschichte ist ein weiteres Zeichen für den Druck, unter dem bayerische Traditionsbrauereien stehen. Steigende Kosten, sinkender Konsum und fehlende Finanzierungen bringen selbst alteingesessene Betriebe in Bedrängnis. Ob die Brauerei den Neustart schafft, entscheidet sich in den kommenden Wochen und Monaten. Der Wille, den Standort zu erhalten, ist vorhanden. Das Geld muss folgen.

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