Braugerste-Ernte in Bayern bricht um fast 23 Prozent ein
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Bayerns Brauereien bekommen die schwache Erntesaison zu spüren. Das Landesamt für Statistik meldet einen Rückgang der Sommergerste-Erntemenge um 22,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die geerntete Menge liegt bei rund 0,37 Millionen Tonnen. Die Anbaufläche ist von 85.037 Hektar auf 73.273 Hektar gesunken.
Anbaufläche auf neuem Tiefpunkt
Sommergerste ist eine zentrale Zutat beim Bierbrauen. Ohne hochwertige Braugerste kein Malz, ohne Malz kein Bier. Die aktuellen Zahlen aus München alarmieren die Branche.
Der Rückgang der Anbaufläche um knapp 12.000 Hektar entspricht einem Minus von rund 14 Prozent allein bei der bewirtschafteten Fläche. Kombiniert mit schlechten Erträgen je Hektar ergibt sich der Gesamtrückgang von 22,7 Prozent bei der Erntemenge.
Braugerste ist bei bayerischen Landwirten traditionell wenig beliebt. Der Anbau gilt als anspruchsvoller als andere Getreidesorten. Die Qualitätsanforderungen der Mälzereien sind hoch. Nicht jede geerntete Sommergerste erfüllt die Brauqualität. Ein Teil der Ernte fällt regelmäßig als Futtergerste aus dem Prozess heraus.
Bayern war schon immer auf Importe angewiesen
Der Freistaat deckt seinen Bedarf an Braugerste schon seit Jahrzehnten nicht aus eigener Produktion. Die Menge heimischer Sommergerste mit Brauqualität reicht für die bayerischen Mälzereien und Brauereien nicht aus. Bayern ist auf Importe angewiesen, vor allem aus anderen deutschen Bundesländern und dem europäischen Ausland.
Das mindert die unmittelbare Versorgungsgefahr, erhöht aber die Abhängigkeit von externen Märkten. Wenn die Ernte europaweit schwach ausfällt, steigen die Rohstoffpreise. Das spüren Mälzereien und Brauereien direkt in ihrer Kalkulation.
Preisdruck auf die Brauereien steigt
Eine geringere heimische Ernte bedeutet mehr Zukauf auf dem Weltmarkt und verteuert die Produktion. Kleine und mittelgroße Brauereien geraten dabei stärker unter Druck als Großbetriebe. Sie haben weniger Verhandlungsmacht gegenüber Rohstofflieferanten.
Für Biertrinker bedeutet das nicht zwingend eine sofortige Preiserhöhung. Brauereien sichern sich Rohstoffe oft über Jahresverträge ab. Die Wirkung schwacher Ernten zeigt sich häufig erst mit Verzögerung in der Preisliste.
Strukturelles Problem beim Gerstenanbau
Der Rückgang der Anbaufläche ist kein einmaliges Ereignis. Landwirte weichen seit Jahren auf rentablere Kulturen aus. Winterweizen, Raps oder Zuckerrüben bringen oft höhere und stabilere Erlöse. Sommergerste bleibt wirtschaftlich weniger attraktiv.
Trockene Frühjahre und ungleichmäßige Niederschläge belasten die Ertragserwartungen und erhöhen das Risiko für Landwirte, die auf Sommergerste setzen.
Mälzereien unter Druck
Bayerische Mälzereien stehen zwischen sinkendem regionalem Rohstoffangebot und den hohen Qualitätsanforderungen der Brauereien. Der Spielraum wird enger.
Einige Mälzereien reagieren mit langfristigen Abnahmeverträgen und zahlen Aufschläge für Brauqualität, um den Anbau wieder attraktiver zu machen. Ob das ausreicht, um den Trend umzukehren, ist offen.
Versorgung gesichert, strukturelle Fragen offen
Die Versorgung bayerischer Brauereien ist nicht unmittelbar gefährdet. Importe puffern den Ausfall der heimischen Ernte ab. Der Rückgang auf 73.273 Hektar Anbaufläche und 0,37 Millionen Tonnen Erntemenge verweist dennoch auf ein strukturelles Problem: Bayern verliert schrittweise Kontrolle über einen wichtigen Teil seiner Brauwertschöpfung.



