Logistik

Brenner-Nordzulauf: Deutschland hängt Jahre hinter dem Zeitplan

Italien und Österreich bohren, Deutschland plant noch. Beim Brenner-Nordzulauf klafft zwischen den drei Ländern eine erhebliche Lücke. Die deutsche Seite hinkt bei der Zulaufstrecke zum Brennerbasistunnel um Jahre hinterher. Das gefährdet den Sinn des gesamten Milliardenprojekts.

Ein Tunnel ohne Anschluss

Der Brennerbasistunnel soll einmal der längste Eisenbahntunnel der Welt werden. Er verbindet Innsbruck mit dem italienischen Franzensfeste unter dem Alpenhauptkamm. Ziel ist es, den massiven Güterverkehr über den Brenner von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Doch ein Tunnel allein nützt wenig ohne leistungsfähige Zulaufstrecken.

Auf österreichischer und italienischer Seite läuft die Planung seit Jahren. Deutschland dagegen ist erst spät eingestiegen. 2019 legte die Deutsche Bahn erstmals fünf mögliche Trassen vor. Die Strecke führt von München durch den Landkreis Rosenheim bis nach Kufstein in Tirol.

Planungsrückstand auf deutscher Seite

Die Verzögerungen auf deutschem Boden haben mehrere Ursachen. Politische Blockaden, Regierungswechsel und fehlendes Tempo bei Bund und Bahn haben die Planung gebremst. Die Deutsche Bahn will ihre Planung für die Zulaufstrecke bis Jahresende auf die Zielgerade bringen. Ob das gelingt, ist offen.

Erschwerend kommt der Widerstand aus der Bevölkerung hinzu. Anwohner entlang der geplanten Trassen protestieren seit Jahren. 2021 bildeten Bürger im Raum Rosenheim eine Feuerkette gegen den Nordzulauf. Sie lehnen breite Trassen und zahlreiche Tunnelbauten in ihrer Region ab. Die Planung ist bis heute umstritten.

Rosenheim als zentraler Konfliktpunkt

Der Raum Rosenheim gilt als besonders heikles Pflaster. Dort soll die neue Trasse die bestehende Strecke ergänzen oder ersetzen. Mehrere Varianten stehen zur Diskussion. Jede davon trifft auf Gegenwehr. Kommunen und Bürgergruppen fordern unterirdische Lösungen. Das treibt die Kosten und verlängert die Planungszeit.

Auch Österreich meldet Verzögerungen

Zusätzliche Unsicherheit kommt aus Tirol. Die ursprünglich für 2032 geplante Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels steht unter Vorbehalt. Es gibt eine offizielle Aktualisierung des Zeitplans. Ein späterer Tunnelstart verschiebt auch den Druck auf den deutschen Nordzulauf. Manche sehen darin eine Chance, den Rückstand aufzuholen. Andere warnen, dass die Verzögerung als Vorwand dient, das Projekt weiter zu verschleppen.

Der Abschnitt zwischen Grafing und Kufstein ist besonders betroffen. Dort hängt die weitere Detailplanung direkt vom Fortschritt auf österreichischer Seite ab.

Güterverkehr als eigentlicher Treiber

Hinter dem Projekt steht ein handfestes wirtschaftliches Interesse. Der Brenner ist einer der meistbefahrenen Güterkorridore Europas. Täglich rollen Tausende Lastwagen über den Pass. Die EU will diesen Verkehr auf die Schiene verlagern. Dafür braucht es eine durchgängig leistungsfähige Bahnverbindung von München bis Verona.

Ohne einen funktionsfähigen Nordzulauf auf bayerischer Seite bleibt der Brennerbasistunnel ein teures Teilstück ohne volle Wirkung. Güterverkehr lässt sich nicht am Landkreis Rosenheim aufteilen.

Fazit

Deutschland läuft beim Brenner-Nordzulauf seiner eigenen Zeitplanung hinterher. Politische Verzögerungen, Bürgerproteste und fehlende Entscheidungen haben wertvolle Jahre gekostet. Die Deutsche Bahn muss jetzt liefern. Gelingt es nicht, die Planung bis Jahresende voranzubringen, droht Bayern beim wichtigsten Schienenprojekt Südeuropas außen vor zu bleiben. Der Tunnel kommt. Die Frage ist, ob Deutschland rechtzeitig angeschlossen ist.

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