Gesundheit

Bürokratie vertreibt Fachärzte: Bayern verliert dringend benötigte Mediziner

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Mehmet Tekinsoy ist ausgebildeter Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Seine Qualifikation erwarb er in der Türkei. In Bayern wollte er arbeiten. Nach mehr als vier Jahren im Anerkennungsverfahren hat er aufgegeben.

Vier Jahre ohne Ergebnis

Tekinsoy hat alles versucht. Er schrieb Briefe an zuständige Behörden, reichte Dokumente ein und legte Widerspruch ein, wenn Anträge abgelehnt wurden. Der Freistaat Bayern erkannte seinen Facharzttitel dennoch nicht an.

Für Bayern bedeutet das: Ein qualifizierter Mediziner geht. Für Tekinsoy bedeutet es: Jahre verschenkt. Die Entscheidung, Bayern zu verlassen, fiel nach langem Zögern.

Bayern klagt über Ärztemangel

Der Freistaat leidet unter einem spürbaren Mangel an Fachärzten, besonders in ländlichen Regionen. Gleichzeitig schreckt das Anerkennungsverfahren genau jene Fachkräfte ab, die helfen könnten.

Ausländische Ärzte, die in Bayern arbeiten wollen, brauchen eine Approbation. Diese ist an strenge Voraussetzungen geknüpft. Wer seinen Beruf vorübergehend ohne Approbation ausüben will, benötigt eine gesonderte Erlaubnis. Das Verfahren ist komplex und langwierig.

Anerkennungsverfahren: Zuständigkeiten wechseln

Die Zuständigkeiten für Anerkennungsverfahren sind in Bayern nicht immer klar geregelt. Für Gesundheitsfachberufe übernimmt ab dem 1. Juli 2025 eine neue Behörde die Zuständigkeit. Bei Ärzten liegt die Verantwortung bei anderen Stellen. Für Antragsteller bedeutet das: Sie müssen zunächst herausfinden, an wen sie sich überhaupt wenden sollen.

Im Fall von Tekinsoy erstreckte sich genau dieser Prozess über mehr als vier Jahre. Absagen folgten auf Absagen, Widersprüche führten zu keiner Lösung.

Strukturproblem mit Folgen

Der Fall Tekinsoy ist kein Einzelfall. Viele ausländische Ärzte scheitern an ähnlichen Hürden. Das Anerkennungsverfahren für im Ausland erworbene Facharztqualifikationen gilt als eines der kompliziertesten in Deutschland. Dokumente müssen übersetzt, beglaubigt und eingereicht werden. Vergleichbarkeiten zwischen Ausbildungssystemen müssen geprüft werden. Das dauert.

Politische Forderungen nach einer Vereinfachung der Verfahren gibt es seit Jahren. Strukturelle Reformen brauchen jedoch Zeit. Für Tekinsoy kam jede mögliche Änderung zu spät.

Was auf dem Spiel steht

Bayern steht im Wettbewerb mit anderen Bundesländern und anderen Ländern um Fachkräfte. Gut ausgebildete Ärzte aus der Türkei, aus Osteuropa oder anderen Regionen haben Alternativen. Andere Länder werben aktiv um sie.

Das Spezialgebiet von Tekinsoy, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, ist besonders gefragt. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist der Bedarf an Fachleuten in diesem Bereich deutlich sichtbar geworden. Dass Bayern einen solchen Spezialisten verliert, ist kein Kavaliersdelikt.

Bürokratie als Standortnachteil

Bayern braucht ausländische Fachärzte. Gleichzeitig schreckt das Anerkennungssystem genau diese Fachkräfte ab. Vier Jahre Wartezeit, Absagen und Widerspruchsverfahren sind keine Werbung für den Standort. Will der Freistaat nicht weiter qualifizierte Mediziner an Regionen oder Länder mit niedrigeren Hürden verlieren, muss er seine Anerkennungsverfahren schneller und transparenter gestalten.

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