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Duales System unbekannt: Migranten meiden Berufsausbildung

Bayern hat ein Ausbildungsproblem. Nicht wegen fehlender Stellen, sondern wegen fehlender Bewerber. Tausende Lehrstellen sind unbesetzt. Gleichzeitig stehen viele Jugendliche mit Migrationshintergrund ohne Ausbildungsvertrag da. Beide Seiten finden nicht zueinander.

Ein System, das Erklärung braucht

Das deutsche duale Ausbildungssystem ist weltweit einzigartig. Betrieb und Berufsschule greifen verzahnt ineinander. Wer damit aufgewachsen ist, findet das selbstverständlich. Für Jugendliche, die in anderen Ländern sozialisiert wurden, ist dieses Modell oft vollständig unbekannt.

Viele Herkunftsländer kennen ausschließlich schulische Bildungswege. Wer dort nach dem Schulabschluss nicht studiert, gilt als gescheitert. Diese Vorstellung setzen Familien auch in Deutschland fort. Eine Ausbildung wirkt dann wie ein Rückschritt, kein Karriereschritt.

Besonders junge Ukrainerinnen und Ukrainer stehen vor dieser Herausforderung. Der russische Angriffskrieg hat ihre Schullaufbahn unterbrochen. Viele kamen nach Bayern ohne Sprachkenntnisse, ohne Zeugnisse, die hier anerkannt werden. Neustart bedeutet für sie: neue Sprache, neue Schulkultur, neues Bildungssystem.

Sprache als zentrale Hürde

Wer kein Deutsch spricht, kommt in keine Ausbildung. Berufsschulen unterrichten auf Deutsch. Bewerbungsunterlagen müssen auf Deutsch verfasst sein. Vorstellungsgespräche finden auf Deutsch statt.

Sprachförderung und Ausbildungsvorbereitung laufen in Deutschland oft parallel, aber nicht koordiniert. Bildungseinrichtungen, Betriebe und Politik arbeiten zu selten zusammen. Forschungsergebnisse zu Bildungsübergängen belegen, dass sich soziale Benachteiligungen an den Schnittstellen des Bildungssystems regelmäßig verschärfen.

Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist der Übergang von der Schule in die Ausbildung eine solche kritische Schnittstelle. Wer dort keine Begleitung erhält, fällt durch das Raster.

Förderprogramme mit fragwürdiger Logik

Lange Maßnahmen statt schneller Einstieg

Deutschland fördert zahlreiche Bildungsmaßnahmen für ausbildungsreife Jugendliche. Doch die Finanzierungsstruktur dieser Programme hat einen Haken. Bildungsträger erhalten Geld für die Betreuung der Jugendlichen, nicht für deren erfolgreiche Vermittlung.

Fachleute kritisieren, dass Träger Jugendliche so lange wie möglich in ihren Programmen halten. Eine Umstellung der Finanzierungslogik könnte das ändern. Wer Jugendliche tatsächlich in den Arbeitsmarkt integriert, sollte belohnt werden, nicht wer sie beschäftigt hält.

Soziale Ungleichheit vererbt sich

Forschungsergebnisse des Deutschen Jugendinstituts zeigen ein klares Muster. Soziale Benachteiligungen beginnen früh, oft bereits in der Kita, und verstärken sich an jedem Bildungsübergang. Bis zum Berufseinstieg haben sich aus kleinen Nachteilen große Abstände entwickelt.

Jugendliche der dritten Migrationsgeneration sind soziokulturell längst in Deutschland verwurzelt. Ihr Lebensmittelpunkt ist Deutschland. Trotzdem kämpfen viele von ihnen mit denselben strukturellen Barrieren wie ihre Großeltern.

Was Betriebe und Jugendliche voneinander erwarten

Auf der anderen Seite stehen Betriebe mit eigenen Erwartungen. Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen sind Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Handwerksbetriebe berichten, dass diese Grundhaltung bei manchen Bewerbern fehlt.

Das Klischee von der faulen Generation Z greift dabei zu kurz. Junge Menschen heute haben andere Prioritäten. Sie wollen wissen, warum sie etwas tun, und suchen Sinn in ihrer Arbeit. Das ist keine Schwäche, sondern eine andere Haltung.

Betriebe, die das erkennen und ihre Ausbildung entsprechend gestalten, haben weniger Probleme, Auszubildende zu gewinnen und zu halten. Kommunikation und Wertschätzung sind keine Extras mehr, sondern Voraussetzungen.

Integration braucht Struktur

Der Fachkräftemangel in Bayern ist real. Eine Lösung liegt unter anderem in einer besseren Integration junger Migranten in das Ausbildungssystem. Dafür braucht es frühe Sprachförderung, klare Information über das duale System und eine Finanzierungslogik, die Erfolg belohnt.

Das Potenzial ist vorhanden. Es fehlt an den Brücken, die Jugendliche aus anderen Kulturen auf den deutschen Ausbildungsmarkt führen. Diese Brücken zu bauen ist keine Sozialarbeit. Es ist Wirtschaftspolitik.

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