Energiewirtschaft

Dürre trifft Bayerns Wasserkraft: Pegel auf Rekordtief

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Bayern erzeugt 22 Prozent seines Stroms aus Wasserkraft. Das ist fast fünfmal so viel wie im Bundesdurchschnitt. Doch der Extremsommer 2026 setzt dieser Säule der bayerischen Energieversorgung massiv zu. Flüsse wie Donau und Günz führen seit Wochen deutlich weniger Wasser. Die Kraftwerke entlang ihrer Ufer produzieren entsprechend weniger Strom.

Weniger Wasser, drastisch weniger Strom

Das Prinzip ist simpel: Ohne ausreichend Wasser dreht sich keine Turbine wirtschaftlich. Am Wasserkraftwerk Reckingen am Hochrhein zeigt sich das besonders deutlich. Dort fließen derzeit nur rund 160 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Anlage. Normal wären 500 Kubikmeter. Das Kraftwerk erzeugt damit derzeit nur etwa ein Drittel seiner üblichen Strommenge.

Was an einem einzelnen Standort nach einem regionalen Problem klingt, hat in Bayern systemische Bedeutung. Der Freistaat hat eine der dichtesten Wasserkraftinfrastrukturen in ganz Europa. Fällt die Produktion flächendeckend ab, muss dieser Strom anderweitig beschafft werden. Das hat Folgen für die Netzstabilität und für die Preise.

Kleinwasserkraft unter besonderem Druck

Wirtschaftliche Grenzen bei niedrigen Pegeln

Besonders betroffen sind Kleinwasserkraftanlagen. Diese Anlagen betreiben ihre Turbinen mit vergleichsweise geringen Durchflussmengen. Fällt der Pegel unter bestimmte Schwellenwerte, müssen die Betreiber den Betrieb drosseln oder ganz einstellen. Das ist ein technisches und zugleich wirtschaftliches Problem.

Viele dieser Kleinanlagen arbeiten ohnehin mit engen Margen. Wochen ohne Ertrag können die Existenz einzelner Betreiber gefährden. Der Landesfischereiverband Bayern beobachtet die Lage ebenfalls genau. Niedrige Pegel belasten Kraftwerke wie auch Fischbestände und Gewässerökologie.

Lagebericht zeigt gemischtes Bild

Der aktuelle Niedrigwasser-Lagebericht für Bayern zeigt ein differenziertes Bild. In manchen Regionen hat ein Wetterumschwung eine leichte Entspannung gebracht. Andernorts hat er zumindest keine weitere Verschärfung verursacht. Der stauregulierte Main wurde aus der offiziellen Niedrigwasser-Warnung entlassen. Donau und ihre Zuflüsse bleiben jedoch kritisch.

Folgen für Verbraucher und Lieferketten

Weniger Wasserkraft bedeutet mehr Strombedarf aus anderen Quellen. Das drückt auf den Großhandelspreis für Strom. Diese Kosten können letztlich beim Endverbraucher ankommen. Die Situation zeigt auch, wie stark Lieferketten und Produktionsprozesse von der Wasserverfügbarkeit abhängen. Unternehmen, die auf günstige Energiepreise kalkulieren, stehen vor unerwarteten Mehrkosten.

Für die Energiewende hat das eine grundsätzliche Dimension. Wasserkraft gilt als verlässliche erneuerbare Energie. Sie liefert anders als Wind und Solar auch dann Strom, wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht. Dieser Vorteil setzt jedoch voraus, dass ausreichend Wasser fließt. Extreme Dürresommer stellen diese Annahme in Frage.

Strukturelle Schwachstelle der Energiewende

Der Sommer 2026 legt eine strukturelle Schwachstelle der bayerischen Energieversorgung offen. Die starke Abhängigkeit von Wasserkraft ist in normalen Jahren ein Vorteil. In einem Extremsommer wie diesem wird sie zum Risiko. Bayern muss seine Energieplanung stärker auf solche Szenarien ausrichten. Wer Resilienz will, braucht Alternativen, bevor der Pegel fällt.

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