EBM-Papst für 4,7 Milliarden Euro an US-Konzern Madison Air
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Ein deutsches Familienunternehmen geht in amerikanische Hände: Der Ventilatorenspezialist EBM-Papst wird an den US-Konzern Madison Air verkauft. Der Kaufpreis liegt bei rund 4,7 Milliarden Euro. Damit ist es einer der größten Verkäufe eines deutschen Familienunternehmens überhaupt, nach dem Viessmann-Deal der drittgrößte in der Geschichte.
Drei Familien verkaufen ein Lebenswerk
Die drei Eigentümerfamilien Sturm, Ziehl und Philippiak haben den Verkauf beschlossen. EBM-Papst beschäftigt weltweit mehr als 13.000 Mitarbeiter, davon rund 5.800 in Deutschland. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz im württembergischen Mulfingen. In Landshut betreibt es den weltweiten Geschäftsbereich Heiztechnik. Dort sind rund 900 Beschäftigte tätig.
Madison Air ist ein börsennotierter US-Konzern, der sich auf Belüftungs-, Filtrations- und Kühlsysteme spezialisiert. Madison ist seit Jahren Kunde von EBM-Papst. Die Gesellschafterfamilien bezeichnen Madison als langfristig orientierten Eigentümer, der helfen solle, das Wachstum zu beschleunigen.
KI-Boom treibt Nachfrage nach Kühltechnik
EBM-Papst profitiert vom Boom bei Rechenzentren. Künstliche Intelligenz braucht enorme Rechenkapazitäten, die Wärme erzeugen, die abgeführt werden muss. Lüfter und Ventilatoren sind dabei unverzichtbar. EBM-Papst gilt als einer der führenden Hersteller in diesem Segment.
Rechenzentren entstehen derzeit vor allem in den Vereinigten Staaten in großem Maßstab. Mit Madison Air als Eigentümer soll der Zugang zum amerikanischen Markt verbessert werden. Die Gesellschafterfamilien sehen darin eine Wachstumschance, keine Kapitulation.
Ergänzendes Produktportfolio als Argument
Laut offizieller Mitteilung ergänzen sich beide Unternehmen gut. EBM-Papst bringt Kompetenz in Ventilation und Antriebstechnik mit, Madison Air Reichweite und Infrastruktur im amerikanischen Markt. Konkrete Zahlen zur erwarteten Umsatzentwicklung wurden nicht genannt.
Landshut: Fragezeichen hinter 900 Arbeitsplätzen
Für den bayerischen Standort Landshut bleibt die Lage ungewiss. Rund 900 Mitarbeiter sind dort im Bereich Heiztechnik beschäftigt. Klare Aussagen zur Zukunft dieser Stellen fehlen bislang. Weder das Unternehmen noch der Käufer haben konkrete Standortgarantien kommuniziert.
Solche Garantien sind bei Übernahmen dieser Größenordnung nicht unüblich, aber auch nicht selbstverständlich. Ob der Bereich Heiztechnik für Madison Air dieselbe strategische Priorität hat wie für die bisherigen Familieneigentümer, ist offen.
Historische Dimension des Deals
Nur wenige deutsche Familienunternehmen dieser Größe wurden je veräußert. Der Viessmann-Verkauf an den US-Konzern Carrier im Jahr 2023 gilt als Vergleichsfall. Auch dort stand ein bayerisch geprägtes Traditionsunternehmen im Mittelpunkt, auch dort gab es Fragen zur Standortsicherheit.
EBM-Papst hatte zuletzt seinen Umsatz gesteigert. Details zu den aktuellen Geschäftszahlen wurden im Zusammenhang mit dem Verkauf nicht vollständig veröffentlicht. Der Deal muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden.
Strategische Weichenstellung mit offenem Ausgang
Die Gesellschafterfamilien haben den Verkauf als Wachstumsstrategie begründet. Der KI-Boom und der Bedarf an Kühltechnik für Rechenzentren geben dem Deal eine klare wirtschaftliche Logik. Für die Beschäftigten in Landshut bleibt die Ungewissheit. Konkrete Antworten auf ihre Fragen stehen noch aus.



