Eigenbedarfskündigung trifft Münchner Familien besonders hart
München, Herbst 2025: Eine alleinerziehende Mutter erhält eine Eigenbedarfskündigung. Die Suche nach einer neuen Wohnung scheitert. Die Notunterkunft rückt näher. Dieses Szenario ist kein Einzelfall. Es steht exemplarisch für eine Krise, die den Münchner Wohnungsmarkt seit Jahren prägt.
Eigenbedarfskündigung: Legales Mittel mit drastischen Folgen
Vermieter dürfen in Deutschland Eigenbedarfskündigungen aussprechen, wenn sie die Wohnung für sich oder nahe Angehörige benötigen. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt dieses Recht eindeutig. Doch in einer Stadt wie München trifft dieses Instrument Mieter mit voller Wucht.
Wer in München eine Wohnung verliert, findet kaum Ersatz. Der Leerstand liegt stadtweit unter einem Prozent. Das bedeutet: Auf jede freie Wohnung kommen dutzende Bewerbungen. Alleinerziehende, Geringverdiener und Familien mit Kindern haben dabei die schlechtesten Karten.
Vermieter wählen Mieter aus. Sie bevorzugen oft Paare ohne Kinder oder Personen mit hohem Einkommen. Alleinerziehende fallen durch dieses Raster. Ihre Bewerbungen landen häufig ganz unten im Stapel.
Wohnungsmarkt München: Zahlen belegen den Druck
München gehört zu den teuersten Wohnungsmärkten Deutschlands. Der durchschnittliche Mietpreis für eine Neuvertragsmiete liegt in der bayerischen Landeshauptstadt bei über 20 Euro pro Quadratmeter. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das: mehr als 1.400 Euro kalt im Monat.
Alleinerziehende verdienen im Schnitt deutlich weniger als Paarhaushalte. Gleichzeitig tragen sie die gesamte finanzielle Last allein. Staatliche Unterstützung wie Wohngeld oder Kinderzuschlag reicht in München oft nicht aus, um die Lücke zu schließen.
Die Stadt München stellt zwar Sozialwohnungen bereit. Doch die Wartelisten sind lang. Wer heute einen Antrag stellt, wartet mitunter Jahre auf eine Zusage. Wer eine Kündigung mit dreimonatiger Frist bekommt, hat diese Zeit schlicht nicht.
Notunterkünfte als letzter Ausweg
Wenn alle Wege versperrt sind, bleibt oft nur die städtische Notunterkunft. München betreibt ein Netz solcher Einrichtungen für obdachlose oder wohnungslose Menschen. Die Bedingungen dort sind auf das Nötigste ausgerichtet. Privatsphäre ist kaum vorhanden. Für Kinder ist es eine belastende Situation.
Sozialverbände warnen seit Jahren vor dieser Entwicklung. Sie sehen eine klare Verbindung zwischen steigenden Mieten, fehlenden Sozialwohnungen und dem Anstieg von Wohnungslosigkeit. München ist dabei kein Sonderfall. Aber die Situation ist hier besonders zugespitzt.
Was die Stadt und der Freistaat tun
Die Stadt München hat in den vergangenen Jahren mehrere Programme aufgelegt, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Die Münchner Wohnungsbaugesellschaft GWG und die Gewofag bauen und verwalten Tausende geförderte Wohnungen. Doch der Bedarf übersteigt das Angebot bei Weitem.
Der Freistaat Bayern setzt auf das Bayerische Wohnraumförderungsprogramm. Es unterstützt den Bau und die Modernisierung von Sozialwohnungen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Förderung nicht ausreicht, um den jahrelangen Rückstand aufzuholen.
Auf Bundesebene wurde die Mietpreisbremse eingeführt. Sie begrenzt Mieterhöhungen in angespannten Märkten. Für Betroffene einer Eigenbedarfskündigung bringt sie jedoch wenig. Das Instrument greift nicht bei Neuvermietungen, auf die Gekündigte angewiesen sind.
Rechtliche Möglichkeiten für Mieter
Mieter haben bei Eigenbedarfskündigungen gewisse Rechte. Sie können Widerspruch einlegen, wenn die Kündigung soziale Härte bedeutet. Gerichte prüfen dann, ob das Interesse des Vermieters das des Mieters überwiegt. Alleinerziehende mit Kindern haben dabei Argumente auf ihrer Seite.
Mietervereine in München beraten Betroffene kostenlos oder gegen geringen Beitrag. Sie helfen beim Widerspruch und bei der rechtlichen Einschätzung. Wer eine Kündigung erhält, sollte sofort professionelle Hilfe suchen. Jede Woche zählt.
Dennoch: Auch ein gewonnener Rechtsstreit verschafft nur Zeit. Die strukturellen Probleme bleiben bestehen.
Fazit: München braucht mehr als kurzfristige Lösungen
Die Situation alleinerziehender Mütter und Väter auf dem Münchner Wohnungsmarkt zeigt, wo das System versagt. Eigenbedarfskündigungen sind legal. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist real. Beide Faktoren zusammen treffen vulnerable Gruppen mit voller Härte.
Kurzfristige Soforthilfen lindern die Not einzelner. Langfristig braucht München deutlich mehr Sozialwohnungen, kürzere Wartezeiten und besser abgestimmte staatliche Förderung. Solange das ausbleibt, werden Geschichten wie diese nicht die letzten sein.