Franken als Industriestandort: Wie die Region den Strukturwandel meistert
Die Arbeitslosigkeit in der Metropolregion Nürnberg hat sich in nur einem Jahrzehnt mehr als halbiert. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung für einen Raum, der einst von großen Industrienamen geprägt war.
Wo früher Giganten wie Grundig, AEG und Quelle produzierten, hat sich eine komplett neue Landschaft gebildet. Der Wandel war tiefgreifend, aber die Bilanz ist positiv.
Gleichzeitig entstanden über 185.000 neue sozialversicherungspflichtige Jobs. Die Wirtschaftsleistung stieg um ein Viertel und übertraf damit Bundes- und Landesdurchschnitt.
Heute ist die IT- und Kommunikationstechnologie der wichtigste Zweig. Ihr Beschäftigtenanteil ist doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Dieser Erfolg kam nicht von allein. Er ist das Ergebnis aktiver Gestaltung in einer Zeit, in der andere Unternehmen flüchten und über hohe Energiekosten klagen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Metropolregion hat einen tiefgreifenden Wandel von der traditionellen Industrie zur Hightech- und Kreativwirtschaft vollzogen.
- Trotz des Niedergangs großer Konzerne wurde nicht aufgegeben, sondern gezielt neue Zukunftsbranchen aufgebaut.
- Konkrete Transformationsprozesse und strategische Neuausrichtung waren der Schlüssel zum Erfolg.
- Ehemalige Produktionsstätten wurden zu modernen Innovationszentren umgewandelt.
- Aktives Handeln und Weitsicht machten den Unterschied zum passiven Abwarten.
- Die Region dient heute als Vorbild für andere Gebiete im Strukturwandel.
Franken als Industriestandort: Wie die Region den Strukturwandel meistert
Vor wenigen Jahrzehnten war der Raum um Nürnberg noch das industrielle Kraftzentrum Süddeutschlands. Der folgende Wandel traf die lokale Wirtschaft daher besonders hart.
Historische Industriegeschichte und Wandel
Große Namen prägten das Bild. Dazu gehörten:
- Grundig
- MAN
- AEG
- Quelle
Ihr Niedergang kostete Zehntausende Menschen den Arbeitsplatz. Die sozialen Verwerfungen waren immens.
Anfang 2006 besetzten 1.750 Beschäftigte monatelang das AEG-Werk, um vergeblich ihre Jobs zu retten. Das 2009 pleitegegangene Versandhaus Quelle hinterließ ein riesiges, leeres Gebäude. Es wurde zum Symbol einer untergegangenen Ära.
Aktuelle Dynamiken im Strukturwandel
Doch die Region verfiel nicht in Resignation. Stattdessen entwickelte sie aktiv neue Strategien. Die Konzentration verlagerte sich auf zukunftsträchtige Branchen.
Christa Standecker, Geschäftsführerin der Metropolregion Nürnberg, arbeitet daran, dieses neue, positive Image zu verankern. Es ist eine notwendige Antwort, während andernorts Unternehmen flüchten.
Laut Prognos-Experte Olaf Arndt hat die Aufholjagd der Region Nürnberg ihr Ziel erreicht. Jetzt geht es auf die Überholspur. Der Strukturwandel ist damit kein abgeschlossener Prozess, sondern eine dauerhafte Aufgabe.
Wirtschaftliche Wende und neu gelebte Branchen
Ein Viertel mehr Wirtschaftsleistung und 185.000 neue Jobs sprechen eine klare Sprache. In nur einem Jahrzehnt hat sich die Metropolregion Nürnberg wirtschaftlich neu erfunden. Die Zahl der Hochschulabsolventen verdoppelte sich und schuf eine starke Wissensbasis.
Erfolgreiche Unternehmen und regionale Meilensteine
Du entdeckst hier beeindruckende Erfolgsgeschichten von Unternehmen. In Herzogenaurach schaffen drei Global Player – Schaeffler, Adidas und Puma – 15.000 Arbeitsplätze. Adidas investierte über eine halbe Milliarde Euro in seine Konzernzentrale, die zu einem eigenen Stadtteil wurde.
Erlangen ist Deutschlands führender Medizintechnik-Standort. Siemens realisierte in Amberg die erste digitale Fabrik. Viele mittelständische Unternehmen in diesem Gebiet agieren als Weltmarktführer.
Zukunftsweisende Wirtschaftszweige und Wachstumsmärkte
Die IT- und Kommunikationstechnologie ist heute der wichtigste Zweig. Ihr Beschäftigtenanteil ist doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.
Weitere Wachstumsmärkte in der Region sind:
- Verkehrs- und Antriebstechnik
- Neue Materialien
- Automation und Logistik
- Die Produktion von morgen
Die gezielte Konzentration auf diese Zukunftsbranchen treibt die Innovation und Entwicklung voran.
Veränderte Produktionslandschaften und Quartiersmanagement
In der Fürther Straße in Nürnberg zeugen zwei Gebäude vom Wandel einer ganzen Region. Auf der einen Seite steht das riesige, leere Versandzentrum des ehemaligen Unternehmens Quelle. Es wartet noch auf eine neue Nutzung.
Direkt gegenüber pulsiert das Areal „Auf AEG“. Vor zehn Jahren rollten hier noch Waschmaschinen vom Band. Heute findest du ein lebendiges Quartier.
Vom stillgelegten Versandzentrum zum kreativen Hotspot
Du entdeckst auf dem Gelände eine bunte Mischung. Softwareentwickler, Künstler und Handwerker arbeiten hier. Sogar die alten Konzerne AEG und Electrolux sind mit Dependancen vertreten.
Forschungsteams tüfteln an Energiesystemen und neuer Fertigungstechnik. Die geplante Ansiedlung der Technischen Fakultät wird die Entwicklung weiter beschleunigen.
Quartiermanager Bertram Schultze erklärt: „Statt wie früher eine Monokultur haben wir heute eine Kleinteiligkeit von Wirtschaft, Kultur, Forschung und Bildung.“
Neuausrichtung klassischer Produktionsstätten
Diese Umwandlung ist kein Einzelfall. Viele alte Produktionsstätten in der Region wurden in den letzten Jahren neu erfunden. Sie bieten nun Raum für moderne Wirtschaftsbereichen.
Die Strategie setzt auf Vielfalt und Vernetzung. Ein aktives Quartiersmanagement koordiniert diese Prozesse. So entstehen nachhaltige Standorte.
Gezielte Investitionen in die Infrastruktur für die Wirtschaft unterstützen diese positive Entwicklung in der Region.
Der Wandel wird sichtbar. Wo früher Arbeiter ein Werkstor verrammelten, lädt heute ein Café im alten Pförtnerhäuschen zum Verweilen ein.
Unterstützende Maßnahmen und regionale Netzwerke
Der Freistaat Bayern und die Kommunen setzten von Anfang an auf aktive Gestaltung statt auf staatliche Almosen. Christa Standecker betont: „Wir haben konkrete Themenfelder vorgeschlagen, auf denen wir uns entwickeln wollten.“
Gezielt flossen Investitionen in Forschung und Infrastruktur. So entstand eine komplette Wissenskette von der Grundlagenforschung bis zur Serienproduktion.
Förderrichtlinien und kooperative Netzwerke
Du siehst hier kein Gießkannenprinzip. Die Strategie fokussierte sich sehr auf Wachstumsbranchen.
Der Staat und die Kommunen investierten gezielt in ausgewählte Bereichen. Kooperative Netzwerke zwischen Hochschulen, Instituten und der Wirtschaft wurden gestärkt.
| Maßnahmentyp | Schwerpunkt | Reichweite / Beispiel |
|---|---|---|
| Forschungsinvestitionen | Aufbau der Wissenskette | Grundlagenforschung bis Serienproduktion |
| Infrastrukturförderung | Moderne Standorte | Kommunale und landesweite Projekte |
| Netzwerkförderung | Qualifizierung & Wissenstransfer | Landeslotsenstelle mit über 40 Partnern |
| Branchenfokussierung | Treiber für Innovation | Konzentration auf Wachstumsmärkte |
Beispiele aus der Automobilbranche und verwandten Industrien
In Baden-Württemberg wird das Netzwerk TRANSFORMOTIVE in Heilbronn-Franken gefördert. Es ist Teil regionaler Transformationsnetzwerke.
Die Landeslotsenstelle arbeitet mit über 40 Partnern zusammen. Sie unterstützt Unternehmen bei Qualifizierung, Vernetzung und Wissenstransfer.
Seit 2017 flossen über 400 Millionen Euro im Strategiedialog Automobilwirtschaft. Gelungene Beispiele der Transformation in der Automobilbranche zeigen den Weg auf. Auch die Wirtschaft in Lauf an der Pegnitz profitiert von solchen Netzwerken.
Diese Strukturen machen kleine und mittlere Unternehmen zukunftsfähig.
Ausblick: Den Wandel aktiv gestalten
Die Arbeitslosigkeit in Nürnberg erreichte im Juli den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Mathias Ringler von der Arbeitsagentur sagt: „Nürnberg hat einen riesigen Strukturwandel gemeistert.“ Doch nicht alle profitierten gleich. Viele verloren Jobs in alten Fabriken und fanden keinen Neuanfang.
Im Umland herrscht vielerorts Vollbeschäftigung. Das Netz aus Hochschulen und Forschungsinstituten ist so dicht wie nie. Es bietet dir die Basis, um jedes Jahr neue, zukunftsfähige Unternehmen zu gründen.
Die positive Entwicklung ist kein Selbstläufer. Kontinuierliche Anpassung ist nötig. Die Region muss in den kommenden Jahren weiter aktiv gestalten. Sie kann als Vorbild für andere Gebiete im Strukturwandel dienen. Vertiefende Einblicke bieten Studien zu regionalen Transformationsprozessen und Analysen zu wirtschaftspolitischen Perspektiven. Der Wandel bleibt eine Daueraufgabe.