Handel

Freilassing: Warum Österreicher zum Einkaufen nach Bayern fahren

Freilassing liegt direkt an der österreichischen Grenze. Für viele Österreicher ist die bayerische Stadt kein Urlaubsziel, sondern ein Einkaufsort. Der Grund ist simpel: Viele Waren sind in Bayern günstiger als in Österreich. Das hat strukturelle Ursachen.

Preisunterschiede zwischen Bayern und Österreich

Deutschland und Österreich gehören beide zur Europäischen Union. Trotzdem unterscheiden sich die Preise spürbar. Ein zentraler Faktor ist die Mehrwertsteuer. In Deutschland liegt der Regelsteuersatz bei 19 Prozent. In Österreich beträgt er 20 Prozent. Das klingt nach wenig, macht sich aber bei größeren Einkäufen bemerkbar.

Hinzu kommen unterschiedliche Lohnniveaus im Handel, andere Mietpreise für Gewerbeflächen und ein intensiverer Preiswettbewerb unter deutschen Supermärkten. Discounter wie Aldi, Lidl und Penny kämpfen in Bayern hart um Kunden. Das drückt die Preise.

In Österreich ist der Lebensmittelhandel stärker konzentriert. Zwei große Ketten dominieren den Markt. Das senkt den Wettbewerbsdruck und hält die Preise höher.

Freilassing als Einkaufsmagnet

Freilassing im Landkreis Berchtesgadener Land profitiert von seiner Lage direkt neben Salzburg. Die österreichische Großstadt hat rund 160.000 Einwohner. Viele davon kennen den Weg nach Freilassing gut. Supermärkte, Drogerien und Fachmärkte haben sich entlang der Grenzregion angesiedelt. Das Angebot ist breit.

Besonders beliebt sind Lebensmittel, Drogerieprodukte und Elektronikwaren. Auch Kraftstoff ist in Bayern oft günstiger als in Österreich. Wer tankt und gleichzeitig einkauft, spart doppelt. Der Ausflug lohnt sich damit auch für Pendler, die ohnehin täglich die Grenze passieren.

Kein Einzelfall in der Grenzregion

Das Phänomen ist nicht neu und auch nicht auf Freilassing beschränkt. Entlang der gesamten deutsch-österreichischen Grenze gibt es ähnliche Einkaufsströme. Passau, Burghausen und andere Grenzorte berichten von österreichischen Kunden, die regelmäßig zum Einkaufen kommen. Der Einzelhandel auf bayerischer Seite hat sich darauf eingestellt. Längere Öffnungszeiten und ein breites Sortiment sprechen gezielt auch ausländische Käufer an.

Was das für den bayerischen Handel bedeutet

Für den Einzelhandel in Freilassing sind österreichische Kunden ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie erhöhen die Kauffrequenz in den Geschäften. Sie sichern Arbeitsplätze im Einzelhandel. Und sie stabilisieren den stationären Handel, der in vielen deutschen Mittelstädten unter Druck steht.

Der Onlinehandel macht auch vor Freilassing nicht halt. Doch der grenznahe Einkaufstourismus hat einen Vorteil gegenüber dem Internet: Die Ware ist sofort verfügbar. Keine Lieferzeit, keine Versandkosten. Das schätzen viele Österreicher.

Steuern und Zoll spielen keine Rolle

Da sowohl Deutschland als auch Österreich EU-Mitglieder sind, gibt es keine Zollschranken. Waren können frei mitgenommen werden. Es gibt keine Mengenbeschränkungen für den privaten Einkauf. Das macht den Grenzübertritt unkompliziert. Ein Ausweis reicht, oft wird nicht einmal kontrolliert.

Lediglich bei Tabakwaren und Alkohol gibt es steuerliche Besonderheiten. Diese spielen beim normalen Einkauf aber eine untergeordnete Rolle.

Fazit

Freilassing ist ein gutes Beispiel dafür, wie Preisunterschiede innerhalb des EU-Binnenmarkts funktionieren. Verschiedene Steuersätze, unterschiedlicher Wettbewerb und Kostenstrukturen schaffen Vorteile für den bayerischen Handel. Österreichische Kunden nutzen diese Vorteile gezielt. Für die Grenzregion ist das ein Gewinn, auch wenn österreichische Händler und der Staat dadurch Umsätze verlieren. Der Einkaufstourismus bleibt ein fester Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens an der bayerisch-österreichischen Grenze.

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