Energiewirtschaft

Gasbohrung in Reichling: Trinkwasser bremst die Energiesuche

Rund 3.300 Meter tief soll unter der Gemeinde Reichling Erdgas lagern. Das Vorhaben, es zu fördern, sorgt seit Monaten für Streit. Jetzt kommt ein neues Problem hinzu: Die Gemeinde braucht dringend eine neue Trinkwasserquelle. Die Gasbohrungen erschweren genau das.

Gassuche mit langer Vorgeschichte

Die Erdgassuche in Reichling ist kein neues Phänomen. Bereits vor Jahrzehnten gab es in der Region entsprechende Projekte. Sie wurden damals wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. Nach dem starken Anstieg der Gaspreise nahm ein Unternehmen die Suche wieder auf.

Reichling liegt im Landkreis Landsberg am Lech, unweit des Ammersees. Die Gemeinde ist durch das Projekt bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Viele Einwohner lehnen die Bohrungen ab und befürchten Risiken für Natur und Grundwasser.

Das Unternehmen hat die Behörden über den bevorstehenden Beginn einer weiteren Bohrung informiert. Diese soll ebenfalls rund 3.300 Meter tief gehen. Die Ankündigung hat die Debatte vor Ort erneut angeheizt.

Trinkwassersuche gerät in Konflikt mit Gasbohrung

Parallel zur Erdgassuche steht Reichling vor einem kommunalen Problem: Die Gemeinde muss ihre Trinkwasserversorgung neu aufstellen. Das Gebiet, das für eine neue Quelle infrage kommt, überschneidet sich mit dem Bereich der Gasbohrungen.

Für die Erschließung einer neuen Trinkwasserquelle sind ebenfalls Tiefbohrungen nötig. Gasbohrungen und Trinkwasserbohrungen in unmittelbarer Nähe zueinander sind aus fachlicher Sicht problematisch. Das Risiko einer Grundwasserverunreinigung steht im Raum.

Die Gemeinde fordert deshalb, mit der nächsten Gasbohrung zu warten, bis die Trinkwasserversorgung gesichert ist. Dieser Konflikt zwischen kommunaler Daseinsvorsorge und privatwirtschaftlicher Energieförderung ist bisher ungelöst.

Sorge vor Enteignungen wächst

Zu den bestehenden Konflikten kommt eine weitere Befürchtung: In Reichling wächst die Sorge vor möglichen Enteignungen. Das Bergrecht in Deutschland gibt Unternehmen weitreichende Befugnisse, Grundstückseigentümer haben in solchen Verfahren oft wenig Handhabe.

Viele Bürger fühlen sich von den Abläufen überrumpelt. Der Widerstand gegen das Projekt ist in Reichling breit verankert.

Energiepolitik trifft auf lokalen Widerstand

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat Deutschlands Abhängigkeit von Gasimporten schmerzhaft deutlich gemacht. Heimische Gasförderung erscheint in dieser Lage als naheliegende Antwort. Doch vor Ort sieht das oft anders aus. Gemeinden und Bürger tragen die unmittelbaren Folgen, haben aber kaum Mitspracherecht bei bergrechtlichen Genehmigungen.

Bayerns Behörden stehen damit vor einer schwierigen Abwägung zwischen dem energiepolitischen Interesse an heimischer Gasförderung auf der einen und Trinkwasserschutz sowie kommunaler Selbstverwaltung auf der anderen Seite.

Zwei Bohrungen, ein ungelöster Konflikt

Reichling sitzt zwischen zwei dringenden Vorhaben, die sich gegenseitig blockieren. Solange die Trinkwasserversorgung nicht gesichert ist, bleibt die nächste Gasbohrung ein Streitfall. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.

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