Gebäudetyp E in Ingolstadt: Wohnen ohne konventionelle Heizung
Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Ein Wohngebäude ohne konventionelle Heizung: In Ingolstadt steht das erste Pilotprojekt des sogenannten Gebäudetyps E. Die Innentemperatur soll ganzjährig zwischen 22 und 26 Grad Celsius liegen, ob bei sommerlicher Hitze oder winterlichem Frost. Erste Erfahrungswerte aus dem laufenden Betrieb zeigen, wie weit dieses Konzept trägt.
Was ist der Gebäudetyp E?
Der Buchstabe „E“ steht für „einfach“. Der Gebäudetyp E ist ein Baukonzept, das bewusst auf kostspielige Normanforderungen verzichtet. Ziel ist es, Bauen günstiger und ressourcenschonender zu machen. Die Idee stammt aus einer Fachdebatte über überreguliertes Bauen in Deutschland.
In Bayern hat der Gesetzgeber den Rahmen dafür geschaffen. Das Bayerische Modellregionengesetz ermöglicht Kommunen, innovative Ansätze zu erproben. Ingolstadt hat diesen Spielraum genutzt und einen entsprechenden Antrag eingereicht, um das Pilotprojekt rechtlich abzusichern.
Wie funktioniert das Haus ohne Heizung?
Das Gebäude setzt auf passive Maßnahmen zur Temperaturregulierung. Eine besonders gute Dämmung der Außenhülle ist dabei zentral. Hinzu kommen eine kontrollierte Wohnraumlüftung und die gezielte Nutzung von Sonnenwärme durch die Ausrichtung und Verglasung des Gebäudes.
Die Abwärme von Bewohnern, Elektrogeräten und einfallendem Sonnenlicht reicht in diesem Konzept aus, um die Innentemperatur stabil zu halten. Eine klassische Gas- oder Ölheizung entfällt vollständig. Für sehr kalte Wintertage kann eine kleine Zusatzheizung vorgesehen sein, daher der Zusatz „fast ohne Heizung“.
Temperaturen stabil zwischen 22 und 26 Grad
Das angestrebte Temperaturband von 22 bis 26 Grad gilt für das gesamte Jahr. Im Sommer verhindert die Gebäudehülle eine Überhitzung, im Winter hält sie die Wärme im Inneren.
Ob dieses Ziel im bayerischen Klima dauerhaft erreichbar ist, soll der Pilotbetrieb zeigen. Erste Messdaten aus dem Ingolstädter Gebäude liegen bereits vor und werden derzeit ausgewertet.
Ingolstadt als Modellstadt für neues Bauen
Das Bayerische Modellregionengesetz erlaubt Kommunen, abweichend von bestehenden Landesvorschriften neue Wege zu gehen. Die Erkenntnisse sollen in eine mögliche Weiterentwicklung des Landesrechts einfließen.
Für Ingolstadt hat das Pilotprojekt auch eine wirtschaftliche Dimension. Günstigeres Bauen durch weniger Normauflagen könnte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten. Der Gebäudetyp E gilt als möglicher Baustein für mehr bezahlbaren Wohnraum.
Politischer Rückenwind durch neues Bundesgesetz
Auf Bundesebene hat das Gebäudemodernisierungsgesetz das frühere Gebäudeenergiegesetz abgelöst. Bundestag und Bundesrat haben das neue Regelwerk beschlossen; der Bundesrat verzichtete auf eine Anrufung des Vermittlungsausschusses. Die bisherige Pflicht, beim Einbau einer neuen Heizung mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen, entfällt in dieser Form. Bauprojekten wie dem Ingolstädter Piloten gibt das mehr Gestaltungsspielraum.
Ein Praxistest mit offenen Fragen
Das Ingolstädter Pilotprojekt ist ein konkreter Praxistest für ein Bauprinzip, das die Branche seit Jahren diskutiert. Der Gebäudetyp E verbindet Kostenreduktion mit niedrigem Energiebedarf. Ob das Konzept bayernweit skalierbar ist, hängt von den Messergebnissen ab. Ingolstadt liefert mit seinem Pilotprojekt die Grundlage für diese Entscheidung.



