Energiewirtschaft

Gundremmingen soll Standort des ersten Fusionskraftwerks werden

Ein Münchner Start-up, ein Essener Energiekonzern, ein Freistaat und ein Spitzeninstitut der Grundlagenforschung: Vier Partner haben Ende Februar 2026 ein Abkommen unterzeichnet, das die Energiewelt verändern könnte. Proxima Fusion will das erste kommerzielle Fusionskraftwerk der Welt bauen. Der geplante Standort liegt in Bayern: Gundremmingen, Landkreis Günzburg.

Ein Abkommen mit historischem Anspruch

Das Papier, das am 26. Februar 2026 unterzeichnet wurde, trägt einen großen Anspruch. Proxima Fusion, RWE, der Freistaat Bayern und das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) wollen gemeinsam das erste kommerzielle Stellarator-Fusionskraftwerk Europas ans Netz bringen. Das IPP in Garching bei München zählt weltweit zu den führenden Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet.

Proxima Fusion gilt als das am schnellsten wachsende Fusionsunternehmen in Europa. Das Start-up hat seinen Sitz in München und sammelte zuletzt 130 Millionen Euro ein. Das war die größte Fusionsfinanzierungsrunde, die Europa bis dahin gesehen hatte.

RWE ist kein unbekannter Partner. Der Essener Konzern baut in Gundremmingen derzeit das stillgelegte Kernkraftwerk zurück. Nun soll am selben Standort etwas völlig Neues entstehen: ein Kraftwerk, das Energie durch Kernfusion erzeugt, nicht durch Kernspaltung.

Stellarator statt Tokamak

Proxima Fusion setzt auf einen Stellarator. Das ist eine bestimmte Bauform eines Fusionsreaktors. Der Vorteil gegenüber dem bekannteren Tokamak-Prinzip: Ein Stellarator kann theoretisch kontinuierlich betrieben werden. Das macht ihn für die kommerzielle Stromerzeugung attraktiver.

Das IPP betreibt in Greifswald den Wendelstein 7-X, den weltweit leistungsfähigsten Stellarator. Proxima Fusion wurde als Ausgründung aus dem IPP-Umfeld gegründet. Die wissenschaftliche Basis ist also vorhanden.

Wo Bayern plant, rechnet die Physik anders

Doch zwischen Abkommen und Wirklichkeit liegt ein langer Weg. Ein Vergleich macht das deutlich. Das internationale Fusionsprojekt ITER in Südfrankreich kostet rund 20 Milliarden Euro. Bayern plant für sein Projekt mit zwei Milliarden. Das ist ein Zehntel des Budgets für ein Projekt, das selbst noch keinen Strom erzeugt.

Ministerpräsident Markus Söder hat Unterstützung des Freistaats zugesagt. Für das gesamte Vorhaben braucht es jedoch Milliarden vom Bund. Auch die Bundesregierung zeigt sich offen. Im aktuellen Koalitionsvertrag steht der Satz: Der erste Fusionsreaktor der Welt soll in Deutschland stehen.

Globaler Wettbewerb um die Fusion

Bayern und Deutschland sind nicht allein im Rennen. Weltweit fließen massive Mittel in die Fusionsforschung. China hat seit 2023 bis zu 13 Milliarden US-Dollar in diesen Bereich investiert. Auch in den USA treiben private Unternehmen und staatliche Programme die Entwicklung voran.

In Deutschland gibt es zudem einen direkten Wettbewerber. Ein Konkurrenzprojekt in Hessen arbeitet ebenfalls an einem Magnetfusionskraftwerk. Der Standortwettbewerb innerhalb Deutschlands hat damit begonnen.

Gundremmingen als Symbol des Wandels

Der Standort Gundremmingen hat eine besondere Symbolik. Dort lief bis 2021 eines der letzten deutschen Kernkraftwerke. Nun könnte an gleicher Stelle eine neue Ära der Kernenergie beginnen, diesmal auf Basis der Fusion. RWE kennt das Gelände, die Infrastruktur ist vorhanden. Das sind praktische Vorteile, die bei einem solch komplexen Projekt zählen.

Fazit: Vielversprechend, aber mit offenem Ausgang

Das Abkommen zwischen Proxima Fusion, RWE, Bayern und dem IPP ist ein konkreter Schritt. Ein unterschriebenes Papier ist aber noch kein Kraftwerk. Die technischen Hürden sind enorm, die Finanzierungsfrage offen. Ob Bayern tatsächlich der Ort wird, an dem die kommerzielle Kernfusion ihren Anfang nimmt, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden. Der Anspruch ist formuliert. Jetzt folgt die eigentliche Arbeit.

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