
Hitzewelle treibt Münchner Wasserverbrauch auf Rekordhoch
Der erste Appell der Stadtwerke München blieb ohne Wirkung. Nun verschärfen die SWM ihren Aufruf zum Wassersparen. Der Grund: Der Verbrauch im Münchner Trinkwassernetz ist auf über 400 Millionen Liter pro Tag gestiegen. Das sind rund 33 Prozent mehr als der normale Tagesbedarf von 300 bis 350 Millionen Litern.
Verbrauch pro Kopf deutlich gestiegen
Normalerweise liegt der Wasserverbrauch pro Münchner Einwohner bei rund 160 bis 170 Litern täglich. In der Hitzewelle sind es laut Stadtwerken zeitweise 250 Liter pro Person und Tag. Das entspricht einem Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber dem Normalwert.
Die Ursache ist klar. Bei anhaltend hohen Temperaturen springen Gartenschläuche an, Pools werden befüllt und Rasenflächen bewässert. Genau das wollen die Stadtwerke verhindern. Sie haben konkrete Verhaltensänderungen gefordert.
Pools, Rasen, Autos: SWM fordern Verzicht
Die Stadtwerke München haben einen klaren Katalog an Maßnahmen kommuniziert. Pools und Planschbecken sollen nicht befüllt werden. Das Rasensprengen soll ausgesetzt werden. Auch das Autowaschen mit dem Schlauch soll unterbleiben.
Diese Aktivitäten gelten als die größten Treiber des hitzebedingt erhöhten Wasserverbrauchs. Wer ein Vollbad nimmt, verbraucht laut Stadtwerken rund 140 Liter auf einmal. Eine Dusche benötigt deutlich weniger. Auch hier sehen die Stadtwerke Sparpotenzial.
Oberbürgermeister wiederholt den Appell
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat den Aufruf der Stadtwerke aufgegriffen und ebenfalls an die Bevölkerung appelliert. Er bat die Münchnerinnen und Münchner ausdrücklich um Rücksicht auf die Wasserversorgung der gesamten Stadt.
Die Stadtwerke hatten bereits vor einigen Tagen erstmals gewarnt. Die gewünschte Wirkung blieb jedoch aus. Der Verbrauch stieg weiter an.
Warum die Lage kritisch ist
Das Münchner Trinkwassernetz ist auf einen bestimmten Durchsatz ausgelegt. Liegt der Verbrauch dauerhaft weit über dem Normalniveau, gerät die Versorgungsinfrastruktur unter Druck. Hochbehälter können sich nicht ausreichend regenerieren. Die Druckstabilität im Netz kann leiden.
Vergleichbare Situationen gibt es auch andernorts in Bayern. Ein Wasserbeschaffungsverband in der Region hatte zuletzt einen Ausnahmezustand ausgerufen, nachdem die Hochbehälterstände auf kritische Niveaus gesunken waren. München ist von solchen Extremzuständen noch entfernt, will aber gegensteuern, bevor es so weit kommt.
Infrastruktur an ihren Grenzen
München bezieht sein Trinkwasser aus dem Mangfalltal und dem Loisachtal. Beide Quellgebiete liefern naturbelassenes Wasser hoher Qualität. Die Förder- und Aufbereitungskapazitäten sind jedoch nicht beliebig skalierbar. Spitzen im Verbrauch lassen sich nur begrenzt abfedern.
Bei Hitze steigt der Verbrauch schlagartig. Das Netz muss auf solche Lastspitzen vorbereitet sein. Wenn Speicher leerlaufen, kann auch modernste Infrastruktur nicht schnell genug nachliefern.
Eigenverantwortung gefragt
Technische Maßnahmen allein reichen nicht aus. Die Stadtwerke brauchen die Mitarbeit der Bevölkerung. Der bisherige Appell hat nicht gegriffen. Der zweite, verstärkte Aufruf soll nun Wirkung zeigen.
250 Liter pro Person und Tag sind kein Naturgesetz. Wer auf Poolbefüllung, Rasensprengen und Autowaschen verzichtet, kann den persönlichen Verbrauch spürbar senken. Für eine Millionenstadt wie München summiert sich das schnell zu Millionen Litern täglich. Die Stadtwerke setzen auf diesen Effekt.



