Politik

Italo-Züge ab 2028: Augsburg, Bamberg und Ingolstadt in Gefahr

Ab 2028 will das italienische Bahnunternehmen Italo auf deutschen Schienen fahren. Geplant sind lukrative Verbindungen wie München-Dortmund und München-Hamburg. Was nach mehr Wettbewerb klingt, könnte für viele Regionen das Gegenteil bedeuten: weniger Züge, schlechtere Verbindungen, abgehängte Städte.

Drei bayerische Städte direkt betroffen

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat die Lage analysiert. Das Ergebnis ist deutlich: Mindestens 16 deutsche Städte riskieren den Verlust ihrer Fernverkehrsanbindung. Darunter sind drei bayerische Städte: Augsburg, Bamberg und Ingolstadt.

Das Problem ist struktureller Natur. Die Deutsche Bahn finanziert unrentable Verbindungen in der Fläche durch Gewinne auf den Hauptstrecken. Dieses Quersubventionierungsmodell funktioniert nur, solange die Bahn diese Hauptstrecken auch bedient.

Drängt Italo die Bahn von den profitabelsten Routen ab, bricht das Finanzierungsmodell zusammen. Kleinere Städte ohne wirtschaftliche Eigendynamik im Fernverkehr stehen dann ohne Verbindung da.

EVG-Chef Burkert spricht von Systemgefahr

EVG-Chef Martin Burkert benennt das Problem klar. Wenn Italo auf den gewinnbringenden Strecken freie Hand bekomme und die Bahn verdränge, zerlege das den deutschen Fernverkehr. Die Bahn könne dann die Provinz nicht mehr mitfinanzieren.

Burkert fordert deshalb klare Regeln für neue Anbieter. Wer im lukrativen Fernverkehr fahren wolle, müsse auch die Fläche mitbedienen. Eine Rosinenpickerei dürfe die Politik nicht zulassen.

Bayerns Verkehrsminister Bernreiter schaltet sich ein

Auch aus München kommt deutlicher Widerspruch. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter warnt vor den Folgen unzureichend regulierter Trassenvergaben. Neue Wettbewerber dürften nicht auf Kosten der Fläche profitieren.

Bernreiter betont: Bayern stehe nicht allein mit dieser Forderung. Mehrere Bundesländer verlangen, dass der Fernverkehr verbindlich zur Flächenanbindung verpflichtet wird. Die Trassenvergabe durch die Bundesnetzagentur müsse entsprechende Auflagen enthalten.

Bundesnetzagentur entscheidet über Trassen

Die Bundesnetzagentur regelt den Zugang zum deutschen Schienennetz. Sie vergibt Trassen an Bahnunternehmen. Bislang gibt es keine gesetzliche Pflicht für private Fernverkehrsanbieter, auch weniger profitable Strecken zu bedienen.

Genau das wollen Gewerkschaft und Bundesländer ändern. Sie fordern, dass Fernverkehrslizenzen an Bedienungspflichten geknüpft werden. Wer die lukrativen Korridore nutzen will, soll auch die Fläche erschließen müssen.

Italo plant Deutschland-Start für 2028

Italo ist in Italien bereits ein etablierter Hochgeschwindigkeitsanbieter. Das Unternehmen konkurriert dort erfolgreich mit der staatlichen Trenitalia. Nun richtet es den Blick nach Norden.

Der geplante Deutschland-Start 2028 ist ambitioniert. Italo will zunächst die meistgenutzten und ertragreichsten Strecken bedienen. Eine Verpflichtung zur Erschließung strukturschwacher Regionen ist bisher nicht vorgesehen.

Wettbewerb ja, aber mit Regeln

Grundsätzlich ist mehr Wettbewerb auf der Schiene politisch gewollt. Die EU-Liberalisierung des Bahnmarkts zielt genau darauf ab. Mehr Anbieter sollen Preise drücken und Qualität heben.

Doch das funktioniert nur, wenn der Wettbewerb fair gestaltet wird. Wer nur die attraktiven Strecken bedient, profitiert vom Netz, ohne zur Grundversorgung beizutragen. Das widerspricht dem Ziel eines flächendeckenden öffentlichen Verkehrs.

Fazit: Regulierung entscheidet über Gewinner und Verlierer

Ob Augsburg, Bamberg und Ingolstadt ihren Fernverkehrsanschluss behalten, hängt von politischen Entscheidungen der nächsten Monate ab. Die Bundesnetzagentur, das Bundesverkehrsministerium und die EU-Kommission müssen klare Rahmenbedingungen setzen.

Bayern drängt auf verbindliche Auflagen. Die EVG unterstützt diesen Kurs. Der Druck auf den Bund wächst. Die Zeit ist knapp: Bis 2028 sind es keine vier Jahre mehr.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"