Gesundheit

Knie-OP in Deutschland: Experten warnen vor zu vielen Eingriffen

Fünf bis zehn Millionen Menschen in Deutschland sind von Knieschmerzen betroffen. Viele von ihnen landen früher oder später auf dem Operationstisch. Doch führende Orthopäden sind sich einig: Zu viele dieser Eingriffe wären vermeidbar. In München praktizieren einige der bekanntesten Kniespezialisten des Landes. Sie sehen das Problem täglich in ihrer Praxis.

Ein Markt mit Wachstumsproblem

Knieoperationen gehören zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in Deutschland. Allein der Einbau einer Knieprothese wird jährlich zehntausendfach durchgeführt. Für Kliniken sind solche Eingriffe wirtschaftlich attraktiv. Für Patienten bedeuten sie Risiken, Reha und oft Monate der Einschränkung.

Erfahrene Spezialisten wie der Heidelberger Professor Hans Pässler berichten seit Jahren von unnötigen Operationen. Pässler war bis 2010 Ärztlicher Direktor einer renommierten Heidelberger Klinik. Er kennt Fälle, in denen Patienten unter dem Messer lagen, obwohl konservative Behandlungen ausgereicht hätten.

Das Problem betrifft alle Altersgruppen. Besonders deutlich zeigt es sich bei jüngeren Patienten unter 50 Jahren. Hier sind die Alternativen zur Operation besonders breit gefächert. Physiotherapie, Schmerzmanagement und gezielte Sporttherapie helfen oft wirksam.

München als Zentrum der Kniechirurgie

Spezialisierte Häuser mit hohem Durchsatz

In München und Umgebung konzentrieren sich viele der besten Kniespezialisten Deutschlands. Das Isar Klinikum etwa operiert unter Chefarzt Dr. Matthias Hoppert jährlich rund 2.400 Patienten. Darunter befinden sich etwa 800 Kniegelenkersatz-Operationen pro Jahr. Das ist ein hoher Wert, der auf spezialisierte Routine schließen lässt.

Auch Einrichtungen wie die Sportorthopädie ECOM in München haben sich auf Kniechirurgie spezialisiert. Sie behandeln Sportler ebenso wie ältere Patienten mit Verschleißerkrankungen. Praxen wie die Orthopädie am Maxweberplatz betonen ausdrücklich, zuerst konservative Wege zu gehen. Patienten berichten dort von einer Kultur der Zurückhaltung beim Operieren.

Ernst-Otto Münch: eine Karriere, 25.000 Operationen

Kein Name steht in Bayern so sehr für Kniechirurgie wie Ernst-Otto Münch. Der Mediziner operierte in seiner aktiven Laufbahn rund 25.000 Patienten, die meisten davon am Knie. Zu seinen Patienten gehörten Spitzensportler und Staatsmänner. Rodler Georg Hackl vertraute ebenso auf seine Hände wie andere prominente Namen aus Sport und Politik.

Münch ist heute im Ruhestand. Er lebt in Garmisch-Partenkirchen. Ausgerechnet nach seiner Pensionierung erwischte es ihn selbst: Ein Achillessehnenriss zwang den Chirurgen auf die Patientenseite. Diese persönliche Erfahrung gibt seinem langjährigen Plädoyer für Augenmaß bei Operationsentscheidungen ein neues Gewicht.

Wann ist eine Knie-OP wirklich sinnvoll?

Das richtige Alter spielt eine Rolle

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für eine Knieprothese beschäftigt Patienten wie Ärzte gleichermaßen. Wer mit 50 Jahren eine Prothese bekommt, muss statistisch gesehen mit einer Revisionsoperation rechnen. Prothesen halten im Schnitt 15 bis 20 Jahre. Bei jüngeren Patienten ist ein Wechseleingriff damit fast sicher.

Ältere Patienten über 70 oder 80 Jahre schrecken manchmal vor dem Eingriff zurück. Dabei ist das Alter allein kein Ausschlusskriterium. Entscheidend sind der allgemeine Gesundheitszustand und die Einschränkungen im Alltag. Viele Patienten jenseits der 75 profitieren stark von einer gut platzierten Prothese.

Konservative Alternativen zuerst ausschöpfen

Orthopäden empfehlen, konservative Methoden konsequent auszuprobieren. Dazu gehören Physiotherapie, Gewichtsreduktion und entzündungshemmende Medikamente. Auch Hyaluronsäure-Injektionen oder Eigenbluttherapien werden eingesetzt. Erst wenn diese Wege ausgeschöpft sind, sollte eine Operation ernsthaft in Betracht kommen.

Um als zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung anerkannt zu werden, muss eine Klinik mindestens 100 Gelenkersatz-Operationen pro Jahr durchführen. Diese Schwelle sichert operative Routine. Patienten sollten bei der Wahl ihrer Klinik gezielt auf solche Zertifizierungen achten.

Fazit: Qualität vor Quantität

Die Botschaft der erfahrenen Münchner Kniespezialisten ist eindeutig. Eine Operation löst nicht automatisch das Problem. Sie schafft manchmal neue. Wer unter Knieschmerzen leidet, sollte sich Zeit nehmen. Ein zweites Gutachten bei einem zertifizierten Spezialisten kostet wenig und kann viel bewirken. Der Gang zum erfahrenen Orthopäden ist der erste und wichtigste Schritt. Nicht jeder Schmerz braucht ein Skalpell.

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"