Krankenstand in Bayern sinkt, doch psychische Leiden steigen stark
Der Krankenstand in Bayern geht zurück. Das klingt nach einer guten Nachricht für Unternehmen und Beschäftigte. Doch hinter der positiven Gesamtzahl verbirgt sich ein ernstes Problem: Psychische Erkrankungen legen deutlich zu und belasten Betriebe wie Betroffene gleichermaßen.
Weniger Fehltage insgesamt
Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage bayerischer Arbeitnehmer ist zuletzt gesunken. Das zeigen aktuelle Auswertungen der gesetzlichen Krankenkassen. Nach den Rekordjahren während und nach der Corona-Pandemie normalisiert sich der allgemeine Krankenstand wieder. Atemwegserkrankungen und grippale Infekte sorgen weniger häufig für Auszeiten als in den Vorjahren. Das ist eine direkte Folge nachlassender Infektwellen.
Für Bayerns Wirtschaft ist das eine spürbare Entlastung. Gerade kleine und mittlere Unternehmen leiden unter hohen Krankenständen. Jeder Fehltag kostet Geld und belastet die Kollegen. Der Rückgang verschafft vielen Betrieben kurzfristig Luft.
Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch
Das Bild trübt sich, sobald man einzelne Diagnosegruppen betrachtet. Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und Burn-out verursachen deutlich mehr Fehltage als früher. Dieser Trend ist bundesweit messbar und trifft Bayern mit voller Wucht.
Psychische Erkrankungen gelten inzwischen als eine der häufigsten Ursachen für lange Krankschreibungen. Sie führen oft zu wochenlangen oder sogar monatelangen Ausfällen. Das unterscheidet sie grundlegend von körperlichen Erkrankungen, die schneller ausheilen. Ein Rückenpatient kehrt nach einigen Tagen zurück. Wer an einer schweren Depression leidet, fehlt oft Wochen oder Monate.
Hohe volkswirtschaftliche Kosten
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Lange Ausfallzeiten bedeuten Produktionsausfälle, Mehrbelastung für Teams und steigende Kosten für Arbeitgeber. Hinzu kommen Ausgaben für Behandlung, Rehabilitation und in schweren Fällen frühzeitige Berentung. Experten schätzen die volkswirtschaftlichen Kosten psychischer Erkrankungen in Deutschland auf mehrere Milliarden Euro jährlich.
In Bayern, mit seiner starken Industrie und dem Mittelstand, trifft das besonders ins Gewicht. Der Fachkräftemangel verschärft die Lage zusätzlich. Fällt ein Mitarbeiter lange aus, kann er oft nicht einfach ersetzt werden.
Ursachen: Druck, Digitalisierung, Unsicherheit
Warum steigen psychische Erkrankungen so stark? Fachleute nennen mehrere Faktoren. Arbeitsdruck und Leistungserwartungen sind in vielen Branchen gestiegen. Die Digitalisierung hat dafür gesorgt, dass Arbeitnehmer schwerer abschalten können. Homeoffice vermischt Arbeit und Privatleben. Dazu kommen gesellschaftliche Unsicherheiten wie wirtschaftliche Krisen, geopolitische Spannungen und der Klimawandel.
Auch die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen spielt eine Rolle. Mehr Menschen trauen sich, zum Arzt zu gehen und eine Diagnose stellen zu lassen. Das ist grundsätzlich positiv. Es erklärt aber nur einen Teil des Anstiegs. Der Rest ist echter Zuwachs an Erkrankungen.
Betriebe sind gefragt
Unternehmen können selbst aktiv werden. Betriebliches Gesundheitsmanagement, Angebote zur Stressbewältigung und eine offene Unternehmenskultur helfen. Wer psychische Probleme früh anspricht, vermeidet lange Ausfälle. Viele bayerische Betriebe haben das erkannt. Doch gerade kleine Unternehmen fehlen oft die Ressourcen für umfassende Präventionsprogramme.
Die Politik hat ebenfalls Verantwortung. Wartezeiten auf Therapieplätze von mehreren Monaten sind keine Seltenheit. Wer auf einen Psychotherapeuten wartet, fällt derweil aus dem Arbeitsleben heraus. Der Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung bleibt eine zentrale Aufgabe.
Fazit
Der sinkende Krankenstand in Bayern ist eine gute Nachricht, aber keine Entwarnung. Psychische Erkrankungen entwickeln sich zur größten Herausforderung im betrieblichen Gesundheitswesen. Wer diese Entwicklung ignoriert, wird langfristig die Rechnung präsentiert bekommen, durch steigende Ausfallzeiten, höhere Kosten und überforderte Belegschaften. Prävention und schnelle Versorgung sind keine sozialpolitische Pflichtübung. Sie sind ein wirtschaftlicher Faktor.