Handwerk

Mehr Azubis, weniger Betriebe: Bayerns Handwerk im Widerspruch

Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Bayerns Handwerk sendet widersprüchliche Signale. Die Kammern melden steigende Ausbildungszahlen, gleichzeitig verschwinden Betriebe in raschem Tempo. Der Strukturwandel trifft vor allem klassische Handwerksberufe.

Ausbildung im Aufwind

Zum dritten Mal in Folge steigt die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk. Das gilt auch für Niederbayern und die Oberpfalz. Die Kammern führen das auf Nachwuchswerbung und Imagekampagnen zurück, außerdem auf gezielte Zuwanderung als Fachkräftequelle.

Jens Christopher Ulrich, Pressesprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern, begrüßt das wachsende Interesse junger Menschen. Die Krisen in der Industrie kommen dem Handwerk dabei zugute. Wer dort keine sichere Perspektive sieht, schaut sich nach Alternativen um.

Jobunsicherheit durch Automatisierung und KI lenkt junge Menschen in handwerkliche Berufe. Eine Ausbildung zum Elektriker, Installateur oder Zimmerer gilt als krisenfest, und das Handwerk wirbt gezielt mit diesem Argument.

Betriebssterben trotz Nachwuchs

Die Ausbildungserfolge überlagern ein strukturelles Problem: Während mehr junge Menschen eine Lehre beginnen, schließen die Betriebe, die sie ausbilden sollen. Die bayerischen Zahlen sind deutlich.

Bei Bäckern sank die Zahl der Auszubildenden von 3.800 auf 1.100. Bei Metzgern ging sie von 2.300 auf 752 zurück. Friseure zählten einst 6.000 Azubis, heute sind es noch 2.700. Goldschmiede hatten im Jahr 2005 noch 143 Auszubildende in Bayern, zwanzig Jahre später sind es nur noch 90.

Diese Zahlen stammen aus Handwerkskreisen. Ein Vertreter der Branche kommentierte sie mit den Worten: „Die Zahlen sind sehr gruselig.“ Der Rückgang betrifft vor allem Berufe, die unter Kostendruck und Konsumwandel leiden.

Warum Betriebe aufgeben

Kosten und Konkurrenz

Bäckereien und Metzgereien kämpfen gegen hohe Energiekosten und Discounter-Preise. Viele Familienbetriebe finden keinen Nachfolger. Der Generationenwechsel scheitert oft an wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

In Deutschland insgesamt haben im vergangenen Jahr rund 188.000 Unternehmen ihren Betrieb eingestellt, die höchste Zahl seit fast 20 Jahren. Pro Stunde schlossen durchschnittlich 21 Betriebe. Das Handwerk ist davon mitbetroffen.

Strukturwandel in traditionellen Berufen

Besonders kleine und spezialisierte Betriebe geraten unter Druck. Ein Goldschmied oder ein Friseur kann steigende Miet- und Materialkosten oft nicht an die Kundschaft weitergeben. Das Ergebnis ist häufig Aufgabe statt Übergabe.

Zwei Wochen vor dem regulären Ausbildungsbeginn waren in Bayern noch Tausende Ausbildungsplätze unbesetzt. Mehr Bewerber bedeutet also nicht automatisch mehr Vermittlungen. Betriebe und Kandidaten finden nicht immer zusammen.

Aufschwung mit Schatten

Das bayerische Handwerk erlebt einen Imagewandel. Junge Menschen entdecken die Lehre neu. Der Nachwuchs allein rettet jedoch keine Betriebe, die aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Wer heute eine Ausbildung beginnt, braucht morgen einen Betrieb, der ihn übernimmt. In vielen Berufen gibt es diesen Betrieb schlicht nicht mehr.

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