Mühldorf-Trasse: DB plant Ausbau Richtung Österreich bis 2030er
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Die Deutsche Bahn macht Druck beim lange verschleppten Ausbau der Bahnstrecke über Mühldorf nach Österreich. Schienennetzchef Philipp Nagl bezeichnete die Trasse als „enorm wichtig“. Eine Fertigstellung in den 2030er-Jahren sei das Ziel. Das Projekt gilt als zentrales Glied im europäischen Güter- und Personenverkehrskorridor.
Ein Nadelöhr mit europäischer Bedeutung
Die Strecke von München über Mühldorf an die österreichische Grenze ist seit Jahren ein Schwachpunkt im bayerischen Schienennetz. Während Österreich und Italien den Brennerbasistunnel konsequent vorantreiben, hinkt Deutschland beim sogenannten Nordzulauf hinterher. Die Folge: Ab der deutschen Grenze fahren Züge im Bummeltempo. Der internationale Takt stockt.
Der Brennerbasistunnel ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Er soll den transalpinen Schienenverkehr massiv beschleunigen. Ohne einen leistungsfähigen deutschen Zulauf verpufft jedoch ein Großteil des Nutzens. Bayern liegt dabei buchstäblich im Weg.
Jahrzehnte des Streits, jetzt ein klares Signal
Der Streit über Streckenführung und Ausbauart zieht sich in Deutschland seit Jahrzehnten hin. Verschiedene Trassenoptionen wurden diskutiert, Planungen verzögert, Entscheidungen vertagt. Die Bahn signalisiert nun wieder konkrete Bewegung.
Philipp Nagl, Chef des DB-Schienennetzes, hat die Trasse über Mühldorf öffentlich priorisiert. Eine Fertigstellung in den 2030er-Jahren sei realistisch, so Nagl. Bislang fehlte es an verbindlichen Zeitplänen.
Das bayerische Schienennetz gilt generell als hoch belastet. Die Infrastruktur ist in Teilen überaltert und störanfällig, betroffen sind Personen- und Güterverkehr gleichermaßen. Die Strecke München-Mühldorf zählt zu den am stärksten frequentierten Verbindungen im Südosten des Freistaats.
Pendler und Logistik unter Druck
Im Alltag zeigt sich das Problem konkret: Zuletzt war die Verbindung zwischen München und Mühldorf über mehrere Wochen gesperrt. Ersatzbusse übernahmen den Betrieb, für Pendler bedeutete das täglich längere Fahrzeiten.
Auch für die Logistikbranche ist die Trasse relevant. Güterverkehr auf der Schiene soll in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Ohne ausgebaute Kapazitäten auf dem Korridor Richtung Österreich ist das kaum möglich. Spediteure und Verlader fordern seit Jahren verlässliche Schienenwege nach Südosten.
Infrastruktur als Standortfaktor
Für Bayern hat der Streckenausbau auch wirtschaftspolitische Tragweite. Der Freistaat ist einer der stärksten Industriestandorte Deutschlands. Gute Schienenanbindungen in den südeuropäischen Raum sind für exportorientierte Unternehmen ein handfester Vorteil.
Das Schienennetz in Bayern steht vor einer umfangreichen Erneuerung. Die Bahn hat sieben besonders belastete Strecken für eine Korridorsanierung identifiziert, die Verbindung über Mühldorf gehört zu den strategisch wichtigsten davon.
Engpässe gibt es nicht nur im Südosten. Auch zwischen Nürnberg und Regensburg sowie zwischen Regensburg und Passau fehlen geeignete Umleitungsstrecken, was das gesamte Netz anfälliger für Störungen macht.
Ankündigung allein reicht nicht
Das Bekenntnis der Deutschen Bahn zum Ausbau der Mühldorf-Trasse ist ein Signal. Doch Ankündigungen gab es in der Vergangenheit viele. Nun braucht es konkrete Planungsschritte, gesicherte Finanzierung und politischen Rückhalt in Berlin und München. Der Brennerbasistunnel wartet nicht. Und Österreich baut.



