Bauwirtschaft

Münchner Wohnungsbau im freien Fall

München baut zu wenig. Die Zahl der neu genehmigten und fertiggestellten Wohnungen in der bayerischen Landeshauptstadt sinkt seit Jahren. Jetzt schlägt die Branche Alarm: Der Wohnungsbau steckt in einer tiefen Krise.

Einbruch bei Genehmigungen und Fertigstellungen

Die Zahlen sind eindeutig. Baugenehmigungen für neue Wohnungen gehen in München seit mehreren Jahren zurück. Gleichzeitig sinkt die Zahl der tatsächlich fertiggestellten Einheiten. Der Bedarf an Wohnraum in der Stadt wächst jedoch weiter. Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage verschärft sich.

Für die Baubranche ist das keine Überraschung. Verbände und Unternehmen haben die Politik wiederholt auf die Entwicklung hingewiesen. Die hohen Baukosten, gestiegene Zinsen und strenge Auflagen haben Neubauprojekte in den vergangenen Jahren massiv verteuert. Viele Projekte wurden zurückgestellt oder ganz aufgegeben.

Hohe Kosten, strenge Auflagen, fehlende Grundstücke

Baukosten auf Rekordhöhe

Die Kosten für Baumaterialien stiegen in den vergangenen Jahren erheblich. Stahl, Beton und Holz wurden deutlich teurer. Handwerksbetriebe arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze. Das treibt die Preise für Neubauten nach oben.

Hinzu kommen die gestiegenen Zinsen. Seit 2022 hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen mehrfach angehoben. Baudarlehen sind dadurch teurer geworden. Für Investoren und private Bauherren rechnen sich viele Projekte nicht mehr.

Regulierung als Hemmnis

Energetische Anforderungen an Neubauten sind in den vergangenen Jahren strenger geworden. Das treibt die Baukosten zusätzlich in die Höhe. Baurechtsverfahren dauern in München oft Jahre. Bis ein Grundstück bebaut werden darf, vergehen häufig fünf bis zehn Jahre.

Grundstücke in München sind knapp und teuer. Die Preise für Bauland gehören zu den höchsten in Deutschland. Das macht es vor allem für sozial orientierten Wohnungsbau schwierig, wirtschaftlich tragfähige Projekte zu entwickeln.

Folgen für den Wohnungsmarkt

München gehört bereits heute zu den teuersten Wohnungsmärkten Deutschlands. Mieten und Kaufpreise liegen deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt. Ein weiter sinkender Neubau verschärft den Druck auf den Markt.

Besonders betroffen sind Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen. Für sie wird es schwieriger, bezahlbare Wohnungen in der Stadt zu finden. Pendlerwege werden länger. Fachkräfte weichen ins Umland aus. Das belastet auch die Wirtschaft in der Region.

Kommunale Wohnungsbaugesellschaften wie die GWG München oder die Münchner Wohnen stehen ebenfalls unter Druck. Auch sie kämpfen mit gestiegenen Kosten und langen Genehmigungsverfahren.

Branche fordert politisches Gegensteuern

Die Baubranche fordert seit Jahren konkrete Maßnahmen. Dazu gehören vereinfachte Genehmigungsverfahren und eine Lockerung von Bauvorschriften. Auch steuerliche Anreize für den Wohnungsbau stehen auf der Forderungsliste.

Auf Bundesebene wurde das Jahresbaugipfelziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr in Deutschland seit 2022 deutlich verfehlt. Bayern und München bilden dabei keine Ausnahme. Die tatsächlichen Fertigstellungszahlen liegen weit unter den politisch gesetzten Zielen.

Der Freistaat Bayern hat zuletzt Förderprogramme für den sozialen Wohnungsbau aufgelegt. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Einbruch zu stoppen, ist unter Fachleuten umstritten.

Fazit

Der Wohnungsbau in München steckt in einer strukturellen Krise. Hohe Kosten, strenge Auflagen und knappe Grundstücke bremsen den Neubau massiv aus. Die Folgen für den Wohnungsmarkt sind bereits spürbar. Politische Gegenmittel existieren, greifen bislang aber nicht ausreichend. Wer in München eine Wohnung sucht, wird es in den kommenden Jahren nicht leichter haben.

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