Netzpaket bedroht Solarausbau: Branche warnt vor Kostenfallen
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Das Netzpaket von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sorgt für Unruhe in der Solarbranche. Neue Regeln für den Netzanschluss und veränderte Förderbedingungen ab 2027 könnten den Ausbau von Solarparks in Deutschland erheblich bremsen. Besonders Kommunen und Stadtwerke sehen sich in ihrer Investitionsplanung gefährdet.
Was das Netzpaket konkret vorsieht
Das Netzpaket regelt, wo und unter welchen Bedingungen neue Erneuerbare-Energien-Anlagen ans Netz gehen dürfen. Kern des Pakets ist der sogenannte Redispatch-Vorbehalt. Er erlaubt Netzbetreibern, neue Anlagen in bestimmten Regionen vom Netz zu nehmen, wenn dort Überlastungen drohen.
Der Bundesverband Solarwirtschaft kritisiert genau diesen Punkt. Betreiber neuer Solarparks müssen in solchen Gebieten mit häufigen Abschaltungen rechnen. Das senkt die erwarteten Erträge, Investitionen rechnen sich dann kaum noch.
Dazu kommen Änderungen durch das EEG 2027. Solaranlagen, die zwischen 2027 und 2029 neu ans Netz gehen, erhalten zunächst eine abgesenkte Übergangszahlung für 36 Monate. Danach entfällt die klassische Einspeisevergütung vollständig. Die Betreiber müssen ihren Strom dann selbst an der Strombörse verkaufen, also in die Direktvermarktung wechseln.
Bayern und Kommunen protestieren
Aus Bayern kam nach Bekanntwerden der Pläne scharfe Kritik. Kommunen, Stadtwerke und Branchenvertreter warnten vor gravierenden Folgen für die Energiewende. Die Reaktion war weitgehend einhellig: Das Paket schwäche den Ausbau erneuerbarer Energien, statt ihn zu fördern.
Reiche hat inzwischen Zugeständnisse gemacht. Details dazu werden noch diskutiert. Die grundsätzliche Kritik bleibt bestehen.
Stadtwerke unter Druck
Stadtwerke sind von den Neuregelungen besonders betroffen. Mit dem EEG 2027 und dem Netzpaket ändern sich die Bedingungen für Erneuerbaren-Projekte kommunaler Versorger grundlegend. Planungssicherheit fehlt, viele Projekte stehen auf der Kippe.
Kritiker sehen ein weiteres Problem. Große Netzbetreiber wie Eon oder EWE betreiben über Tochtergesellschaften eigene Wind- und Solarparks. Durch das Netzpaket könnten diese Konzerne einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unabhängigen Stadtwerken und kommunalen Betreibern erhalten. Der Vorwurf lautet: Wer das Netz kontrolliert, entscheidet auch über Abschaltungen – zu seinen eigenen Gunsten.
Repowering und Neubau gefährdet
In windstarken Regionen drohen besondere Einschnitte. Kommunen und Verbände warnen, Repowering – also der Ersatz alter durch leistungsfähigere Anlagen – könnte sich unter den neuen Bedingungen kaum noch rechnen. Gleiches gilt für Neubauprojekte in Gebieten mit häufigen Netzengpässen.
Der Redispatch-Vorbehalt trifft vor allem Regionen, in denen viel Strom erzeugt, aber nicht vollständig abtransportiert werden kann. Das betrifft nicht nur den Norden Deutschlands. Auch in Bayern gibt es Gebiete mit lokalen Netzproblemen.
Direktvermarktung als neue Herausforderung
Der Wegfall der festen Einspeisevergütung ab 2027 stellt kleinere Betreiber vor zusätzliche Herausforderungen. Direktvermarktung erfordert Know-how und Risikobereitschaft. Schwankende Börsenpreise machen langfristige Kalkulationen schwieriger. Für viele kommunale Projekte ist das ein ernstes Hindernis.
Fazit
Das Netzpaket von Katherina Reiche zielt darauf ab, teure Eingriffe ins Stromnetz zu reduzieren. Doch es birgt erhebliche Risiken für den Solarausbau. Kommunen, Stadtwerke und Branchenverbände haben Einwände vorgebracht, die die Zugeständnisse der Ministerin bisher nicht ausgeräumt haben. Wie das endgültige Regelwerk aussieht, entscheidet darüber, ob die Ausbauziele bei erneuerbaren Energien noch erreichbar sind.



