Gesundheit

Neubau oder Erhalt: Landkreis Regen sucht Klinik-Lösung

Der Landkreis Regen steht vor einer der folgenreichsten Entscheidungen seiner jüngeren Geschichte. Zwei Krankenhäuser, zwei Standorte, ein wachsendes Finanzproblem: Die Arberlandkliniken in Viechtach und Zwiesel sind strukturell unter Druck. Landrat Ronny Raith bezeichnete die Frage bereits als zentrale Zukunftsfrage für den gesamten Landkreis. Nun sind auch die Bürger gefragt.

Gutachten empfiehlt zentralen Neubau

Ein Strukturgutachten hat den Handlungsbedarf klar benannt. Der Erhalt beider Kliniken im bisherigen Zustand gilt als nicht zukunftsfähig. Begründet wird das mit Personalengpässen, hohem Investitionsbedarf und baulichen Einschränkungen an beiden Standorten.

Das Gutachten stellt drei Szenarien zur Wahl. Erstens: Beide Häuser bleiben erhalten. Zweitens: Ein Standort wird geschlossen, der andere ausgebaut. Drittens: Beide Kliniken werden aufgegeben, dafür entsteht ein neues, zentrales Krankenhaus. Als möglicher Standort für den Neubau steht ein Gelände an der Bundesstraße 85 im Raum.

Bürgerdialog als zentrales Beteiligungsformat

Der Landkreis hat einen mehrstufigen Bürgerdialog gestartet. Bereits im November 2025 nahmen 60 Bürgerinnen und Bürger am Auftakt teil. Arberlandkliniken-Vorstand Christian Schmitz präsentierte dabei Zahlen zur Auslastung beider Häuser und informierte über geplante Modernisierungsmaßnahmen.

Im März 2026 sprach sich ein per Zufallsprinzip zusammengesetztes Bürgergremium für ein zentrales Krankenhaus aus. Dieses Format soll eine möglichst repräsentative Meinungsbildung ermöglichen. Das Ergebnis war eindeutig: Der Status quo hat keine Mehrheit gefunden.

Standortfrage spaltet die Bevölkerung

Abseits des Gremiums zeigt sich ein anderes Bild. Wer die Menschen direkt in Viechtach oder Zwiesel befragt, bekommt häufig Widerstand zu hören. Das zeigen Leserbriefe und Kommentare aus der Region. Wolfgang Burisch aus Bodenmais brachte es auf den Punkt: Wer überregional fragt, bekommt Zustimmung zum Neubau. Wer vor Ort fragt, bekommt Ablehnung.

Dieser Konflikt ist nachvollziehbar. Für viele Bewohner bedeutet ein zentraler Neubau längere Wege zur nächsten Klinik. Gerade in einem ländlichen Landkreis wie Regen wiegt das schwer.

Petition gegen die Pläne

Der Widerstand organisiert sich. Ende März 2026 wurde eine Petition gegen die Klinik-Neubaupläne gestartet. Die Initiatoren lehnen die Schließung beider bestehender Standorte ab. Wie viele Unterschriften bisher gesammelt wurden, ist öffentlich nicht bekannt. Die Petition zeigt jedoch: Die Debatte ist in der Bevölkerung angekommen.

Zwei Modelle für die Zukunft

Neben dem Neubau-Szenario gibt es ein weiteres Modell, das im April 2026 konkretisiert wurde. Demnach könnte Viechtach als sogenannter sektorenübergreifender Versorger weitergeführt werden. Das bedeutet: internistische Grundversorgung und ambulante Eingriffe. Zwiesel würde sein Medizinisches Versorgungszentrum ausbauen und weitere ambulante Angebote anbieten.

Dieses Modell käme ohne einen teuren Neubau aus. Gleichzeitig wäre es kein vollständiger Erhalt beider Kliniken in ihrer jetzigen Form. Stationäre Betten würden deutlich reduziert oder an einem Standort ganz wegfallen.

Entscheidung liegt beim Kreistag

Die endgültige Entscheidung trifft der Kreistag des Landkreises Regen. Der Bürgerdialog liefert eine Grundlage, ist aber nicht bindend. Landrat Raith hat betont, dass er alle Szenarien offen prüfen will. Ein Zeitplan für die abschließende politische Entscheidung ist bisher nicht öffentlich kommuniziert worden.

Fazit

Der Landkreis Regen steht vor einer Weichenstellung mit langfristigen Folgen. Ein Strukturgutachten und ein Bürgergremium sprechen für einen Neubau. Die Bevölkerung vor Ort ist gespalten, der Widerstand wächst. Ob am Ende ein Neubau, eine Umstrukturierung oder ein Kompromiss steht, wird der Kreistag entscheiden. Klar ist: Nichts tun ist keine Option mehr.

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