Energiewirtschaft

Oberbayerisches Start-up will Strom monatelang speichern

Ein oberbayerisches Unternehmen könnte eine der drängendsten Schwächen der Energiewende lösen. Reverion entwickelt eine Kraftwerkstechnik, die Strom monatelang speichern soll. Die Anlage arbeitet in beide Richtungen: Sie erzeugt aus Gas Strom, kann aber auch überschüssigen Strom in Gas umwandeln.

Das Problem: Strom fällt nicht dann an, wenn er gebraucht wird

Die deutsche Energieversorgung kämpft mit einem strukturellen Problem. An sonnigen und windreichen Tagen produzieren Solar- und Windkraftanlagen weit mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. An trüben, windstillen Tagen, der sogenannten Dunkelflaute, fehlt die Energie. Kurzzeitspeicher wie Batterien gleichen diese Schwankungen nur über Stunden aus. Für saisonale Schwankungen braucht es andere Lösungen.

Genau hier setzt Reverion an. Die Technologie des Unternehmens soll Energie über Monate hinweg speicherbar machen.

Bidirektionales Kraftwerk: Strom rein, Strom raus

Das Kraftwerk von Reverion basiert auf dem Prinzip der Umkehrbarkeit. Im Erzeugungsmodus wird aus Gas Strom produziert. Im Speichermodus läuft der Prozess andersherum: Überschüssiger Strom wird genutzt, um Gas zu erzeugen. Dieses Gas lässt sich dann über längere Zeiträume lagern und bei Bedarf wieder verstromen.

Das Konzept verbindet bekannte Technologien auf neue Weise. Vergleichbare Ansätze gibt es in der Forschung seit Jahren. Reverion will sie zur Serienreife bringen und verspricht einen außergewöhnlich hohen Wirkungsgrad.

Hohe Effizienz als zentrales Versprechen

Zum Vergleich: Das Gas- und Dampfkraftwerk in Irsching bei Ingolstadt gilt seit seiner Einweihung 2011 als Referenzanlage. Es erreicht einen Wirkungsgrad von über 60 Prozent, was damals Weltrekord war. Reverion beansprucht für seine Technologie noch höhere Werte.

Solche Angaben lassen sich erst im großen Maßstab vollständig prüfen. Reverion ist noch in der Entwicklungsphase. Der nächste Schritt ist die Serienproduktion.

Standortsuche für die Produktion läuft

Reverion sucht derzeit nach einem geeigneten Standort für die Serienproduktion. Wo die Fertigung entstehen soll, ist noch offen. Bayern wäre naheliegend: Der Freistaat hat eine dichte Industrieinfrastruktur und fördert Energieprojekte. Auch andere Bundesländer dürften Interesse haben.

Die Entscheidung für einen Produktionsstandort bestimmt Lieferketten, Arbeitsplätze und Fördermöglichkeiten.

Bayern als Standort für Energieinnovationen

Irsching bei Ingolstadt steht seit Jahren für hohe Effizienz in der Kraftwerkstechnik. Die Nähe zu Forschungseinrichtungen wie der Technischen Universität München könnte für Reverion relevant sein.

Die bayerische Wirtschaft profitiert vom Ausbau der erneuerbaren Energien, kämpft aber gleichzeitig mit Versorgungssicherheit. Eine funktionierende Langzeitspeichertechnik würde beide Herausforderungen adressieren.

Vielversprechend, aber noch nicht am Markt

Reverion adressiert ein reales Problem mit einem technisch interessanten Ansatz. Die bidirektionale Kraftwerkstechnik könnte die Lücke zwischen erneuerbarer Erzeugung und stabiler Versorgung schließen. Ob das Konzept im industriellen Maßstab funktioniert und wirtschaftlich tragfähig ist, muss die Serienproduktion zeigen. Die Suche nach einem Produktionsstandort ist der erste konkrete Schritt dorthin.

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