
Oberbayerns Kampf gegen den Massentourismus
Am Tegernsee kein Parkplatz, auf dem Zugspitzpfad Stau, im Naturschutzgebiet Trampelpfade querfeldein: Oberbayerns Tourismuserfolg hat eine Kehrseite. Politik und Tourismuswirtschaft suchen jetzt gemeinsam nach Wegen, die Besucherströme besser zu verteilen.
Volle Hotspots, leere Alternativen
Oberbayern gehört zu den wirtschaftlich stärksten Tourismusregionen Deutschlands. Die Branche zieht Millionen Gäste an. Doch die Besucher konzentrieren sich auf wenige bekannte Ziele. Der Tegernsee, der Chiemsee, die Zugspitze stoßen an ihre Grenzen. Andere, weniger bekannte Regionen bleiben dagegen leer.
Genau hier setzt die neue Strategie an. Das Ziel: Gäste aktiv in ruhigere Gebiete lenken. Gemeinden sollen weniger bekannte Attraktionen stärker bewerben, Besucher sollen Stau und Wartezeiten vermeiden, und die Natur soll sich erholen.
Ranger und digitale Hilfsmittel als neue Werkzeuge
Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern hat das Problem klar benannt. Zu viele Touristen bewegen sich abseits der Wege und gefährden Pflanzen und Tiere. Glauber setzt auf Ranger, die Besucher vor Ort ansprechen und informieren. Dazu kommen digitale Hilfsmittel, die Wanderer auf weniger belastete Routen hinweisen sollen.
Glauber spricht von klugen Lösungen, um Naturschutz und Tourismus in Einklang zu bringen. Konkret bedeutet das: mehr Präsenz in sensiblen Gebieten, bessere Beschilderung und gezielte Informationskampagnen.
Der Ausflugsticker: Ein digitales Steuerungsinstrument
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat ein weiteres Werkzeug ins Spiel gebracht: den Ausflugsticker. Das digitale Instrument zeigt Gästen in Echtzeit an, wie stark einzelne Ausflugsgebiete besucht sind. Wer einen überfüllten Parkplatz vermeiden will, kann auf Alternativen ausweichen.
Ursprünglich in Oberbayern gestartet, will Aiwanger das System auf den gesamten Freistaat ausdehnen. Damit soll verhindert werden, dass einzelne Regionen zu Stoßzeiten überrannt werden. Unbekanntere Ziele würden so mehr Aufmerksamkeit erhalten.
TOM e.V.: Wissenspool für Besucherlenkung
Koordiniert wird vieles über den Tourismus Oberbayern München e.V., kurz TOM. Der Verein versteht sich als Impulsgeber für die Besucherlenkung in der Region und bündelt Wissen über Lenkungsmaßnahmen und Lösungsstrategien im Freizeit- und Tourismusbereich.
Zu den konkreten Maßnahmen gehört auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in die Berge. Neue Bergbus-Angebote sollen Tagestouristen dazu bringen, das eigene Auto stehen zu lassen. Weniger Autos bedeuten weniger Stau und weniger Belastung für die Natur.
Gemeinden als zentrale Akteure
Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Ministerien. Auch die Gemeinden vor Ort können gezielt weniger bekannte Sehenswürdigkeiten bewerben, Parkplatzkapazitäten steuern und mit lokalen Anbietern zusammenarbeiten, um Gäste in die Fläche zu bringen.
Das bayerische Landesportal unterstützt diese Strategie mit digitalen Informationsangeboten. Gäste und Einheimische sollen gleichermaßen profitieren: durch bessere Orientierung und weniger Wartezeiten.
Steuerung statt Verbote
Oberbayern setzt auf Anreize und Information statt auf Verbote. Der Ansatz: Wer Alternativen kennt, wählt sie. Das entlastet die Hotspots und stärkt die Fläche. Ob Ranger im Gebirge, digitale Echtzeitdaten oder neue Busverbindungen: Die Umsetzung dieser Werkzeuge wird darüber entscheiden, wie wirksam die Strategie ist.


